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Volk und Land · 1910-04-24 · Heft 17 (24.4.1910) · p. Seite 525-526

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 17 (24.4.1910)
Date
1910-04-24
Page
Seite 525-526 (sequence 9)
Language
German
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525 VOLK und LAND 526 stunden, während der beste Weber in Syrien bei 12—14-stündiger Arbeit mit seinem Webstuhle höchstens 10—12 m einfachen Gewebes zustande bringt. Die angeführten Beispiele lassen den Sc.ilnli gerechtfertigt erscheinen, daß die Arbeit des intelligenten jüdischen Arbeiters, die sich unter seiner geistigen und physischen Art angepaßten Bedingungen vollzieht, trotz hoher Löhne und hoher Lebensansprüche der primitiven Arbeit überlegen ist. Als Arbeitskräfte für die künftige Industrie in Palästina kommen die Emigranten aus Polen, Westrußland und Galizien in Betracht. Nach der Statistik von 1910 war die Berufseinteilung der Juden folgende: Berufe Rußland i Oesterreich!! Deutschland Perj Per- 0/ 1 j _Personen j| soren ' <0 Landwirtschaft. 87 373 2,4 57004 12,3 3371 1,4 Industrie und Oewerbe . . 565 22» 36,8 122728 26,5 45993 18,8 Handel und Verkehr . . . 52"l 9?8 34,3 163 401 33,3 133451 64,6 Dienstpersonal.| Oemeindedienst und freie | 125760 11,5 39467 8,5 7260 3,0 Berufe. Unpoduktive und ui. be¬ 175109 8,2 36971 8.0 14611 6,0 stimmte Berufe . . . . ( | 116338 7,6 52792 11.4 39870 16,3 £ 3 3 1 100 |i 403353 1 1001 2445861 i 100 Aus dieser Statistik ergibt sich, daß mehr als V3 der Juden in Rußland und ü der Juden in Oesterreich (besonders Galizien) in der Industrie beschäftigt sind. Aus anderen, ausführlicheren Statistiken kann man entnehmen, daß zirka 50 °/o der russischen Juden zu den produktiven, in der Industrie beschäftigten Elementen gehören. Aus diesen Reservoiren werden sich die erforderlichen Arbeitskräfte für die palästinensische Industrie rekrutieren können. Hier möchte ich ganz allgemein einige Erfahrungen über die Befähigung der Juden zur Industriearbeit mitteilen, die ich in meiner technischen Praxis in der langen Zusammenarbeit mit einer großen Zahl von jüdischen Arbeitern in Rußland und Palästina gemacht habe. Der jüdische Arbeiter aus Rußland ist seiner Anlage nach individuell gerichtet. Er ist strebsam, zielbewußt und sorgt mehr für seine Zukunft als für den Tag. Fast immer zielt er auf eine spätere Selbständigkeit hin. Seine Arbeit führt er mit Fleiß und Eifer aus, wenn er nur selbst ihre Wichtigkeit, ihren Nutzen und Zweck erkennt. Als Tagelöhner nimmt er seine Arbeit möglichst leicht, wenn er den Zweck der Arbeit nicht einsieht. Muß er die Arbeit lediglich der Not gehorchend machen, so fehlt ihm jedes Interesse an ihrem Gedeihen, und er setzt alles daran, solche Arbeit zu finden, die ihn auch geistig befriedigt.' Streben nach zweck- und sinnvollem Tun liegt im Wesen des Juden. Die wirtschaftlichen Forderungen des jüdischen Arbeiters sind groß, nur schwer wird er sich mit einem geringen Lohn abfinden lassen. Was seine Auffassungsaufgabe betrifft, steht er nicht hinter dem westeuropäischen Arbeiter zurück. Man könnte das Gegenteil annehmen. Aber er kommt diesem nicht gleich, wenn es auf Exaktheit und Geduld bei der Arbeit ankommt. Der Jude hat das Bestreben, die Arbeit sich leicht zu machen und von ihr den größtmöglichen Nutzen zu ziehen. Als Spezialist ist er nicht genügend vorgebildet. In Palästina hat der Jude das Bauhandwerk vom Araber gelernt, kommt. ihm aber an Kenntnissen j und Üebung nicht gleich. In Rußland ist seine Lage ein wenig besser. Der Jude hatte keinen Zutritt zu den großen Fabriken und Werkstätten des! Landes und war darauf angewiesen, in den Werk- ‘ statten seiner jüdischen Brüder zu lernen, wo man j noch mit ziemlich primitiven Werkzeugen eine wenig exakte Arbeit leistete. Dort konnte er nur lernen, wie man ein Produkt möglichst billig herstellt, ohne der Minderwertigkeit zu achten. Sobald er nun in die Lage kam, sich selbständig zu machen, errichtete er schnell eine Werkstätte und arbeitete dort, wie er es gelernt hatte. Die j Statistik der Handwerker des Ansiedlungsrayons, ■ die von der I.C. A. im Jahre 1898 gemacht wor-! den ist, und die die Jaaen von 26 Provinzen! Polens und Westrußlands umfaßt,* zeigt die ge-! waltige Zahl der Meister im Verhältnis zur geringen Zahl der Gehilfen und Lehrlinge. Meister °/o Gehilfen j; Lehrlinge) i Summe I!l 1 43 655 75 i 9 675 4 547 57 887 II 84 915 44 | i 62 667 46 372 193 954 in . 40 522 47 i 25 562 19 226 85 306 IV! 25 653 52! i 14119 9 812 49 588 V 13 296 47 j 8 680 6 471 28 393 VI 12 203 60 j 1 4 212 4113 20 528 VII 2 764 76 | 594 259 3 617 VIII *1 19 791; 63 1 7 994 4 705 31590 IX ij 10 589 57! 4 582; 3 257 18 428 X Ij 5 998 51 j i 3 343 | 2 354 11695 1! 259 396 Ü 140 528 | 101062 | 500 986 % ij 52 i i 28 i * 20!! 100 Die Zahl der Meister bildet ungefähr 52 °/o, die der Gehilfen 28 °/o. Auf 100 Meister kommen i nur 54 Gehilfen und 40 Lehrlinge, j Dieser Zustand hat sich in den letzten 20 Jah-! rtn nur sehr wenig geändert. Dagegen hat der! Krieg der Ausbildung von Handwerkern und Spezialarbeitern sehr geschadet. Fast fünf Jahre haben j Industrie und Gewerbe im Ansiedlungsrayon uad [ bei den Juden insbesondere geruht. Die jungen Leute wurden eingezogen, hatten überhaupt keine i Möglichkeit bei ihren Berufen zu bleiben und ver-! gaßen, was sie gelernt hatten, besonders die j jungen Arbeiter kamen aus der Uebung. Für die Entwicklung der neuen jüdischen In- | dustrle in Palästina müssen wir in erster Linie uns der Erziehung von Spezialarbeitern und der Handhabung moderner Methoden widmen. Ohne diese wird sich die Industrie unmöglich entwickeln können. Es sind die Voraussetzungen, ohne die der jüdische Arbeiter der Konkurrenz nicht gewachsen sein kann. Dies ist um wichtiger, wenn wir bedenken, daß Palästina voraussichtlich gezwungen sein wird, ohne jeden Zollschutz mit den europäischen Kulturländern in freie Konkurrenz zu treten. In Rußland sind Schulen zur Förderung des Handwerks unter den Juden und zur Hebung ihrer Spezialkenntnisse eingerichtet. Leider ist dieses Ziel nur in 'Ausnahmefällen erreicht worden. Die Praxis hat gezeigt, daß es unmöglich ist, in einer Gewerbeschule einen Schüler fachlich auszubilden, wenn er nicht lange vorher praktisch gearbeitet hat. So machte man schlimme Erfahrung mit jenen Lehrlingen, die ohne jede Vorbereitung die Schulen besuchten. Manche von den Schülern trugen sich mit der Absicht, Techniker und Ingenieure zu wrerden. In vielen Fällen wurden sie- Angestellte, die von ihren theoretischen Kenntnissen zehrten.! Die fachliche' Arbeit, die sie praktisch nicht ge- 1 nügend erlernt hatten, gab ihnen nicht genügende Verdienstmöglichkeiten. Nur ein geringer Prozentsatz blieb bei dem Berufe und suchte seine speziellen Kenntnisse in Fabriken und Werkstätten zu vervollständigen. Arbeitskurse zur Ausbildung

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