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Volk und Land · 1910-04-24 · Heft 17 (24.4.1910) · p. Seite 523-524

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 17 (24.4.1910)
Date
1910-04-24
Page
Seite 523-524 (sequence 8)
Language
German
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523 VOLK UND LAND 524 und aufgehoben werden könnten. Die Monopolstellung des Grund und Bodens in der Volkswirtschaft wird eine gerechte, sich in gewissen Schranken bewegende Teilnahme der Gemeinde oder des Staates, oder in unserem Falle des J. N. F. an den Erträgen der Landwirtschaft auch dann als berechtigt erscheinen lassen, wenn das Unwahrscheinlichste eintreten sollte, nämlich, wenn der primäre Grund für die Leistung des Erbpachtzinses (der Einkauf des Bodens seitens des J. N. F. und die Vergebung seinerseits an Erbpächter) seitens des Erbpächters an den Staat, Gemeinde oder J, N. F. in Vergessenheit geraten sollte. Für die ewige Erbpacht, jus perpetuum — Chakira olamit — sprechen ja noch eine ganze Anzahl sehr gewichtiger Gründe. Erstens kommt j bei ihr der, es sei zugegeben, auch bei der zeit- \ liehen Erbpacht nicht mehr stichhaltige Vorwurf in Fortfall, der Erbpächter fühle sich nur als Pächter und nicht als Eigentümer. Das Gefühl der Ewigkeit der Bande, die den Bebauer und seinen Boden verknüpfen, kann sich hier voll und ganz entfalten, was für die Beliebtheit der Erbpacht auch bei unseren ostjüdischen Massen von nicht unerheblicher Wichtigkeit ist. Zweitens erhöht die ewige Erbpacht die Realsicherheit des Erbpächters gegenüber den Gläubigern, vereinfacht und klärt die Beleihungsverhältnisse des Erbpächters und erleichtert seine Beleihung. Während bei der Erbpacht mit beschränkter Dauer trotz der Anwendung der Amortisationshypothek der Erbpächter im letzten Abschnitte seiner Erbpachtfrist kreditunfähig oder nur wenig kreditfähig ist Doch darüber ausführlich im Abschnitte „Kreditverhältnisse der Erbpacht“. Wenn ich also für eine ewige Erbpacht Stellung nehme, so sehe ich doch die Notwendigkeit der Einrichtung eines Jobeijahres ein, aber einer Einrichtung des Jobeijahres aus anderen Gründen und völlig anderen Inhaltes als der des Jobeijahres der Bibel. Doch darüber im nächsten Aufsatz. ZUR ARBEITERFRAGE IN PALAESTINA Von Ing. N. Wilbus che witsch, Jaffa. Für die zukünftige Entwicklung der Industrie und des Gewerbes in Palästina ist die Arbeiterfrage die entschieden wichtigste. Hier ist die Ansicht verbreitet, daß der ungeübte jüdische Arbeiter wegen seiner großen Lohnforderungen und geringen Leistung im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung sich in Palästina nicht durchsetzen könne, und daher auch nicht imstande sei, konkurrenzfähige Produkte zu erzeugen. Diese Ansicht ist sicher nicht ganz grundlos. Richtig ist sie nur vorläufig, solange es sich um primitive, auf die Kenntnisse und die Ansprüche der einheimischen Bevölkerung zugeschnittene Arbeit handelt, und die Intelligenz und die Leistung des körperlich schwachen und geistig starken jüdischen Arbeiters nicht zur Geltung kommt. Das ist die gegenwärtige Lage der Dinge in vielen Fällen. Die Zukunft muß und wird anders aussehen. Das Leben hat gezeigt, daß die Arbeit des fortgeschrittenen, intelligenten Arbeiters in der ganzen Welt billiger und besser ist, als die des einfachen, anspruchslosen Kuli. Jedoch bedarf der j Intelligente Arbeiter moderner Arbeitsgeräte. Einer-; seits ist er befähigt, die Anwendung der modernen! Methoden der Arbeit leicht zu erlernen, andererseits j kann aus seiner Kenntnis des Produktionsvorgangs i und der damit zusammenhängenden Fragen das Verantwortlichkeitsgefühl sich leicht entwickeln. Daher scheint es außer jedem Zweifel, daß ein solcher Arbeiter fähig ist, unter entsprechenden Bedingungen eine fruchtbare,* über jeder Konkurrenz stehende Arbeit zu leisten trotz seiner großen Ansprüche an das Leben, ohne die er nicht bestehen kann. Als Beispiel kann Amerika dienen, wo der Arbeitslohn das vier- bis fünffache des Lohnes der Arbeiter in Rußland und Polen ausmacht. Dennoch sind nicht nur die Industrieprodukte und Gewerbeartikel, sondern auch die Landesprodukte wie Weizen und sonstige Getreidearten viel billiger als in Palästina. Der Grund hierfür ist in der qualifizierten Arbeit zu suchen, die sich der geeignetsten Gerätschaften bedient. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß in Amerika alle Arbeiten mit großen und besonders komplizierten Maschinen geleistet werden. In vielen Fällen wird auf einfachem, aber klugem Wege eine Arbeit schnell und | billig geleistet. Einige Beispiele sollen zur Erläutej rung angeführt werden: Für Anlage von Gräben oder Aufschütten von I Dämmen (bei Eisenbahnen) und Transport der! Erde zahlte man in Palästina vor dem Kriege 2 bis; 4% Piaster (= 0,45—1,00 Frcs.) per cbm, je nach j der Härte des Bodens. Die Arbeiter und Ar- ’ beiterinnen trugen die Erde in Körben, und nur mit schwerer Mühe gelang es ihnen, 1—2 Bischlik 0,45—1,00 Frcs. pro Tag zu verdienen. Für dieselbe Arbeit benützen die Amerikaner eine besondere Art Schaufel „Scarper“ genannt, die wie ein Trog an ein Paar Pferde gebunden wird. Wird I der hintere Griff gehoben, so sinkt der Trog, der I von den Pferden weitergezogen wird und in der j Fortbewegung die Erde aufnimmt. Ist der Boden j hart, wird er erst gepflügt und gelockert. Sobald l ‘der Trog gefüllt ist, wird er durch einen Druck I der Hand gehoben und auf Rädern oder sonstwie fortgeschafft und dann entleert. Bei den Herstellungsarbeiten einer Schleuse an der Bewässerungsstation in der Nähe von Fort Collin betrug der Lohn für die oben geschilderte Arbeit 0,50 Frcs. per cbm. Bei einer 2 m tiefen Kanalanlage in dem Modesto Irrigation District in Kalifornien betrug der Loh'« sogar nur 0,30 Frcs. per cbm. Auf diese Weise verdienen die Arbeiter fast 2 Dollar täglich. Man kann viele Beispiele zur Kennzeichnung des Unterschiedes zwischen primitiver Handarbeit und der Arbeit mit modernen Werkzeugen anführen. So vermag ein Meister mit seinen beiden Gehilfen täglich 1400 Büchsen Konserven zu 2V2 Pfund fertigzustellen, ln der Tomatenkonserven-Fabrik bei Ogaden San Jose in Kalifornien werden täglich | 15 000 Büchsen zum Verlöten bereitgestellt. Die Zahl der in der Fabrik bei Ogaden Beschäftigten beträgt 50, deren Produktion 16 000 kg täglich im Werte von 10 000 Frcs. Der Ertrag eines Hektar ist zirka 22 000 kg Tomaten. Obgleich die Landarbeiter 35—40 Dollar monatlich und ein guter Fabrikarbeiter sogar bis 4 Dollar täglich verdient, ist es doch möglich, dank der großen Produktivität eine 2Va Pfund-Büchse zum Preise von 0,75— 1,00 Frcs. mit Gewinn zu verkaufen. Noch ein Beispiel: Ein Weber produziert mittels einer mechanischen Webmaschine zirka 120 m guten Wollstoffs pro Tag bei 8—9 Arbeits-

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