Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1919)
- Date
- 1919-04-17
- Page
- Seite 509-510 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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VOLK und LAND 510 509 der Zentralverein hat sich — was in Anbetracht der Zeiten, in denen, und der Begebenheiten, aus deren Anlaß er gegründet wurde, allerdings verständlich und begreiflich ist — in den fünfundzwanzig Jahren seines Bestehens fast einzig darauf beschränkt, Angriffe gegen das Judentum abzuwehren — anstatt das nihil Judaici mihi alienum auf seinen Schild zu erheben und sich zu einem Zentralverein für alle Angelegenheiten der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens zu entwickeln. Er hätte dann auch positive Aufgaben statt der rein negativen der Abwehr — denn auch die Erziehung der deutschen Juden kann nicht als eine positive Tätigkeit in unserem Sinne bezeidinet werden — zu lösen gehabt. Daß wir mit dieser unserer Kritik auf dem rechten Wege sind, beweist uns der Umstand, daß der Zentralverein ja jetzt selbst neue Aufgaben, wie die Berufsberatung der deutschen Juden, in den Kreis seiner Tätigkeit gezogen hat.“ ( — Die Zeitung „L’Univers isra£lite“ protestiert gegen die französische Zensur, die den jüdischen Zeitungen in Tunis nicht erlaubt, den bei der dortigen Regierung herrschenden Antisemitismus zu verkünden. Die tunesische Lokal-Regierung hat den Redakteur des „Colon fran^ais“, eines ausgesprochen antisemitischen Blattes, zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. — Eine ungenannte, doch wie „Magvarorszag“ versichert, zuverlässige politische Persönlichkeit äußerte sich nach ihrer Rückkehr aus Siebenbürgen über die Zwangslage der siebenbürgischen Juden. Der Gewährsmann erzählt, daß die rumänischen Truppen bei ihrem Einmarsch in Hermannstadt die dortige Judenschaft aufgefordert haben, sich Reichsrumänien anzuschließen und Sich als Rumänen zu bekennen. Diese Aufforderung wurde einer eigens berufenen Delegation überwiesen. — In Konstantinopel konstituierte sich ein jüdischer Nationalrat als oberste Behörde der türkischen Judenheit. — Dem »Jüdischen Preßbüro“ wird aus London telegraphiert: Der Kongreß der Juden Kanadas, der in Montreal stattfand und von der gesamten Judenheit des Landes beschickt war, faßte eine Resolution, in der er sich gegen das geplante Einwanderungsverbot ausspricht und die offene Tür fordert. — Bei der Generalversammlung der Immigration Aid Society, die am 9. März 1919 stattfand, hielt Jacob Schiff eine Protestrede gegen die reaktionären Versuche, die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten für mehrere Jahre zu verbieten und führte aus, daß die jüdische Einwanderung nur von Vorteil für Amerika gewesen ist. Die Lage der Juden in einigen Ländern werde auch nach dem Kriege unerträglich sein, da die Gleichberechtigung, sogar wenn die Friedenskonferenz auf ihr bestehen sollte, wenigstens für einige Zeit nur auf dem Papier vorhanden sein würde. Was den Zionismus beträfe, so müsse er die Notwendigkeit betonen, Palästina wieder aufzubauen, ein Werk, an dem alle Juden teilnehmen müssen. Hunderte und Tausende, vielleicht Millionen von Juden werden nirgends eine so glückliche Heimstätte finden können, wie in Palästina. Palästina werde zunächst unter der Sachwalterschaft einer Großmacht stehen, aber die Juden werden, wenn sie erst eine große Majorität im Lande bilden, über die Errichtung eines jüdischen Staates selbst entscheiden können. Ein Aufruf den eine Reihe intellektueller Kriegsteilnehmer Frankreichs an ihre Kameraden im Geiite in der ganzen Welt richten, um die „Internationale des Gedankens“ aufzubauen und aller Völkerverhetzung den Widerstand der Geistigen entgegenzusetzen, wird den Beifall vieler Leser unseres Blattes finden. Wir nennen darum Herrn Redakteur Dr. Alfred Knapp, Zürich, Bahnpostfach, als den Mittelsmann in dieser Angelegenheit, von dem der Aufruf zu erhalten ist und der Zustimmungserklärungen entgegennimmt. PALAESTINA Heilquellen in Palästina Daß sich in Palästina Heilquellen allerersten Ranges vorfinden, darauf macht Dr. A. Friedmann in einem Aufsatz der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift“ aufmerksam, in dem er die berühmten Thermalbäder Palästinas auf Grund seiner eingehenden chemischen und physikalischen Untersuchungen dieser Quellen behandelt. Die Heilquellen Palästinas, die sich seit uralter Zeit eines hohen Rufes erfreuen, liegen größtenteils in dem vulkanischen Jordan-Gebiet, und das Interesse an ihnen wird noch durch ihre ungewöhnliche Lage — etwa 200 m unter dem Meeresspiegel — und durch die Höhe der Temperatur gesteigert. Plinius weiß bereits von dem Salzgehalt der Quellen von Tiberias zu erzählen, und die arabischen Schriftsteller staunen über diese Naturwunder, die im Winter so heiß bleiben wie im Sommer. So berichtet der Araber Edrisis, die Quellen von Tiberias seien so heiß, daß man Eier darin kochen könne, und bietet damit die erste genauere Temperaturangabe. Auch im späteren Mittelalter dringen immer wieder staunende Berichte über diese Thermen ins Abendland; genauer beschäftigt hat sich mit den Quellen von Tiberias der Arzt Ludwig August Franke 1, der diese Bäder mit denen von Krapina in Kroatien vergleicht und von dem Erfolg überrascht ist, den Gichtkranke und Rheumatiker beim Gebrauch dieser Wasser haben. Spärlicher sind die Nachrichten über die Bäder von Gadarra und El Hammi, die neben jenen von Tiberias die wichtigsten Heilquellen in Palästina sind. Das Lob dieser Quellen war in der Antike noch größer als das Von Tiberias, und ihre wundervolle Lage wird noch heute jedem Besucher dieser wildromantischen Gegend unvergeßlich sein. „Selbst die Verwüstung und Verlassenheit, die sich hier im Jarmuktal ganz besonders breit .machen, haben diesen herrlichen Flecken Erde, seiner Schönheit nicht berauben können. Die trauernden Ueberreste eines groß angelegten Theaters, sowie einige geknickte Säulen zerstörter Hallen lassen erkennen, daß Gadarra zu den ersten Badeplätzen zählte.“ Eine einwandfreie wissenschaftliche Untersuchung dieser berühmten Thermen, die für die wirtschaftliche Erschließung des Landes von hoher Bedeutung sein könnten, war yor den Arbeiten Friedmanns noch nicht durchgeführt. Zu den Quellen von Tiberias, die am westlichen Ufer des Tiberias-Sees, eine halbe Stunde von der berühmten, zu Ehren des Tiberius gegründeten Stadt liegen, strömen noch heute von allen Teilen Palästinas Badegäste zusammen, um hier ihre Gesundheit wiederzuerlangen. Man hat die Quellen des öfteren mit denen von Wiesbaden und Aachen verglichen; sie werden vorzugsweise gegen schmerzhafte Geschwülste, Rheumatismus und Gicht gebraucht. Ueber die Temperatur und die Zusammensetzung des Wassers sind früher nur ungenaue Angaben gemacht worden. Es ergab sich, *daß die Temperatur des noch heute!m Gebrauch stehenden „Alten Bades“ 58,7 Grad C.; die des „Neuen Bades“ 61,5 Grad C. und einer unbenutzten offenen Quelle 61,9 Grad C. beträgt. In seiner Zusammensetzung entspricht das Thermalwasser einer Lösung, die im Liter 32,298 Gramm Salz enthält, unter welchem Chlor und Natrium neben Sulfat und Hydrocarbonationen vorherrschen. Besonders bedeutsam ist der hohe Salzgehalt und die Radioaktivität der Quellen. Die Thermen von El Hammi, die den zur Zeit der Römer viel besuchten Quellen von Gadarra entsprechen, entspringen am rechten Ufer des Jarmukfhtsses und sind von Haifa aus int 3i/3 Stunden mit der Eisenbahn zu erreichen. Besonders die Eingeborenen