Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-04-17 · Heft 16 (17.4.1919) · p. Seite 511-512

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 16 (17.4.1919)
Date
1919-04-17
Page
Seite 511-512 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649290--0331-2649676
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

VOLK UND LAND 512 511 kommen aus allen Teilen des Landes zur Kur nach El Hammi, und vor allem sucht die des Kindersegens entbehrende arabische Fau hier Hilfe. Die Temperatur des Wassers ist in den verschiedenen Quellen verschieden, 48,75 -25 Grad C. Auch hier ist der Salzgehalt ein sehr hoher. Jedenfalls rechtfertigen diese Bäder ihren hohen Ruf, den sie seit uralter Zeit besitzen, vollauf bei den wissenschaftlichen Analysen, die vom Standpunkt des Chemikers und Balneologen angestellt wurden. SOZIALES Soziale Frauenarbeit in Palästina „ ... Für diejenigen, die zur sozialen Volkserziehungsarbeit neigen und die Liebe und Interesse für unsere Jugend erfüllt, ist die Leitung voti Jugendgärten in Palästina ein wichtiger und aussichtsreicher Beruf. Die Jugendgarten-Leiterin weckt in den Kindern Freude und Lust an der körperlichen Arbeit, an dem Leben mit und in der Natur und für alles Lebendige und Pflegebedürftige. Welch tief eingreifenden Einfluß dieses auf die Kindererziehung unserer palästinensischen Jugend nehmen könnte, liegt auf der Hand. Ich möchte nichts wiederholen und begnüge mich mit einem Hinweis auf die Würdigung des Lebenswerkes des unerreicht idealen Kolonielehrers Welkomezin Rosch-Pinah in einem Nachrufe in der „Jüdischen Rundschau“ und auf den Artikel von l£atz in Nr. 11/12 des „Juden“. Es wäre ein Leichtes, daß jede Kolonie in Palästina, sowie jede jüdische Schule in den Städten ihren Jugendgarten (inkl. Tierhaltung) hätte, eine Einführung in den künftigen Beruf, eine Bereicherung des ganzen Lebensgefüh/s und der Schulwissenschaften. Wie vielen jüdischen Kindergärtnerinnen und! Volksschullehrerinnen wäre nicht damit ein reiches Feld der Betätigung geboten. (Die Verwirklichung" in Palästina ist leicht: Jede Kolonie gibt den wenigen Boden für einen Schulgarten her, der Lehrkörper wäre nur um eine Lehrkraft zu erhöhen, sonst nichts.) Während der Regenperiode müßten sich für die Knaben Handfertigkeitskurse (ländliche Holz- und Papparbeiten usw.) angliedern und1 für die Mädchen der oberen Klassen Koch- und Haushaltungskurse. Alle Aerzte und Lehrer würden auf Seiten solch einer Jugendgärtnerin stehen und dieselbe unterstützen. Dies ist ein Gebiet, so groß — ich' denke nur an die zahlreichen Kinderheime für elternlose Kinder, die unserer bedauernswerten Kriegsjugend zu einer neuen Landheimat werden sollen — daß eine bedeutende Anzahl von Lehrkräften einen Wirkungskreis fände, wie er schöner kaum erträumt werden kann. Wer sich nicht für Kinderarbeit fähig fühlt, aber gern seine Kenntnisse weiter geben möchte, dem bietet sich ein vielseitiges Arbeitsfeld auf den Gebieten der Wanderlehrerin und der Landpflegerin. Um Kräfte als Wanderlehrerinnen und Landpflegerinnen auf kürzestem Wege für die Palästinaarbeit nutzbar zu machen, kommen die jungen Mädchen in Betracht, die sich bisher in der freiwilligen Krankenpflege betätigt haben. Jeder Landarzt in Palästina, jede kommunale Gemeindeverwaltung wäre begeistert von Hilfskräften, die neben der Krankenschvvesternausbildüng die Eigenschaften und Kenntnisse mitbrächten, die sie zur Haus¬ und Landpflegerin befähigen. Pflegerinnen mit seminaristischer Kindergärtnerinnenvorbildung, die noch ländlichen Haushalt oder Gartenhau oder Tierzucht verständen, um den Landfrauen, z. B. Yemenitinnen mit schwesterlicher Liebe beizusteheii und sie vermittels ihrer wirtschaftlichen Kenntnisse aus ihrer Verelendung zu heben, wären wie geschaffen für den Beruf. Sie mühten in praktischen Vorführungen, bei Hilfeleistung im Hause, etwas über Säuglingspflege und Kinder erziehung aufklären, den zahlreichen hinzuströmenden Eimvanderfrauen, wie den Einheimischen, die der Krieg um jede Initiative gebracht hat, menschlich beistehen und ihnen täglich bei den Alltagssorgen behilflich sein wollen. Dafür bedarf es reifer Frauen und durchaus j nicht derer mit sogenannter „höherer Schulbildung“.! Aber ohne die praktischen vielseitigen Kenntnisse hin- | überzugehen, möchte ich niemandem raten. Ich dachte | mir, daß die Landpflegerin heute am Wochenbett steht, | morgen die Frauen Gemüse anzubauen lehrt, im Herbst I das Obst mit ihnen konserviert und so unmerklich! auf Geist und Gemüt unserer einheimischen Palästi-! nenserinnen einen Einfluß gewinnt, der sich vor allem | auf die häusliche Jugenderziehung erstreckt. Der gute J Geist einer Kolonie würde die Krankenpflegerin werden. j An eine andere Gemeinschaft wendet sich die Wanderlehrerin, und zwar an die Jugend, an die Kolonistentöchter und ganz speziell an. die jüdische Arbeiterin in den verschiedenen Arbeitergruppen und -küchen. Der Arbeitsplan einer Wanderlehrerin wäre der, Fachkurse abzuhalten, z. B. Kochkurse, Geflügel- und Bienenzucht, Obst- und Gemüsebau. (Bei Gelegenheit muß sie Hygiene und Kindererziehnng und: andere Fragen sozialer Art behandeln.) Jede Wanderlehrerin hat ihren bestimmten Bezirk, in dem sie jahrelang arbeitet. Sie sucht die Teilnehmer ihrer Kurse dann in deren Wirkungsstätte auf und sieht, wie sie die erworbenen Kenntnisse in den Arbeitsstücken verwerten. Sie stellt die Mängel in den durch sie angeregten I und eingeleiteten Betrieben fest und sorgt für deren Abhilfe. Sie schließt die Frauen zu Produktions- und i Konsumgenossenschaften zusammen. Es unterstehen der j Wanderlehrerin etwa 10—12 Kolonien oder' Arbeiterj küchen, und ihre Wirkum>smöglichkeiten sind so große,! daß sie sich in diesem Rahmen hier nicht erschöpfen! lassen. Man kann auch mit einem gelernten Fach, j wie nur Gartenbau und Tierzucht, oder allein Haushalt i gerade als Wanderlehrerin tätig sein oder als Pädagogin Kindergärten neu beleben und gründen. Erst nach jahrelanger Arbeit inn Lande sollten wir, je nach Neigung herangehen, Arbeiterküchen zu übernehmen. An größeren und kleineren geschlossenen Gruppen und Lehrfarmen übernehmen 6—8 Mädchen die Führung von Haus und Hof. Sie wechseln sich ab in der Küche, bei der Kleintierzucht und im Stall und bauen Gemüse an, um die Verpflegung abwechslungsreicher zu gestalten. Bisher arbeiteten derart nur frühere Kinerether Schülerinnen. Ich wüßte sofort für viele Frauen eine solche Betätigung. Das Einkommen ist gleich dem des männlichen Arbeiters. Allerorten werden sich Arbeitergruppen auftun und überall wird man die wirtschaftliche Frau vermissen. Die Arbeiter brauchen eine gute Küche und saubere Wohnräume, ihr Heim nach des Tages schwerer Arbeit. Die Arbeit der Frau wird von niemand so hoch eingeschätzt wie von den kommunistisch lebenden Arbeitergenossen, deren treue Kameradinnen oft unter den schwierigsten Verhältnissen die Arbeiterinnen sind, ohne gerade nur Feldarbeit zu verrichten. Für all diese Betriebe bedarf es der Vorbereitung. Es heißt in einem' kleinen Betriebe den Ueberblick zu gewinnen und haushalten zu lernen: sich auf soziale Gemeinschaftsarbeit vorzubereiten und die hebräische Sprache in den geistigen Mittelpunkt zu stellen.“ („Der jüd. Wille.“) Elfriede Bambus. Für die Redaktion verantwortlich: C. Z. Klötzel, Berlin. Verlag: Welt-Verlag Q.m.b.H., Berlin NW 7, Dorotheenstr. 35 Druck von Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.