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Volk und Land · 1919-04-17 · Heft 16 (17.4.1919) · p. Seite 503-504

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 16 (17.4.1919)
Date
1919-04-17
Page
Seite 503-504 (sequence 14)
Language
German
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503 VOLK UND LAND 504 jjiiiiiiiiiiiiiiiiii[Miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii[|[iiiii[iiiiiiiiiiiiiiiiiii!iii!iiiiiiiiiiii[iiiiiiniiiiniiiiiiii'iiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiininii[|iiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiniiiiniinij± || AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA - ARBEIT || ... ii ii 11 ii ii i ui 111 ii ini 111 ii .......... POLITISCHES Saloniki unter Griechenland Der offizielle griechische Telegraph (Agence d’Ath£- nes) verbreitet die Nachricht, der Großrabbiner von Cavalla habe ,ein Telegramm an die Regierung gerichtet, in dem er „die gehässigen Eingebungen gewisser Blätter über die Lage der Israeliten, welche absolut keine Klage gegen die hellenischen Autoritäten haben", zurücbweist. Einen wesentlich anderen Eindruck über die Lage insbesondere der jüdischen Bevölkerung Salonikis unter griechischer Herrschaft hinterläßt ein Brief, den der Saloniker Abgeordnete in der griechischen Kamrtier, Herr I. N. Maliah, im „Echo de Geneve" vom 20. März veröffentlicht. Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" gibt den wesentlichen Inhalt dieses Briefes folgendermaßen, wieder: „Die Nachrichten über die unfreundliche Behandlung, der die jüdische Bevölkerung Mazedoniens unterworfen ist, hat nicht nur in den jüdischen Kreisen der Schweiz, sondern auch in Amerika, England und Italien einen häßlichen Eindruck hervorgerufen. Das Vertrauen in den Liberalismus der griechische^ Regierung ist dadurch bei denen, die stets mit den hellenischen Bestrebungen sympathisierten, stark erschüttert worden. Ich halte es für meine. Pflicht, bei der hier darüber herrschenden Polemik so unparteiisch wie möglich die Dinge darzustellen. Es ist unnütz und gefährlich, das Uebel zu leugnen oder zu ignorieren, wie es einige tun wollen. Unglücklicherweise existieren in Griechenland Nationalisten, welche, kurzsichtig genug, es gerne sehen und kein Bedenken haben würden die Abreise der wichtigen jüdischen Bevölkerung Salonikis zu provozieren. Ein Teil dieser tut es aus unvernünftigem fanatischem Haß, ein anderer hält es wohl für inhuman, glaubt aber, daß das nationale Interesse es verlange. Sie .sagen, die Juden Salonikis sind, seitdem es griechisch ist, durchaus nicht hellenisch^ oder, die Hauptstadt Mazedoniens muß griechisch sein. „Wir können nicht dulden, daß sich ein nicht assimiliertes Element in der Majorität befinde und unseren Nachbarn einen Vorwand Air Intrige gebe." Diese These hat Anhänger bis in die gebildeten Kreise des Landes gefunden. Nun möchte ich diejenigen, die uns tadeln, weil wir zu lange Zeit zur Hellenisierung brauchen, fragen: Seid ihr nicht schuid daran? Haibt ihr gar keinen psychologischen Sinn? Was habt ihr, nachdem ihr eine zum größten Teil von einer Bevölkerung bewohnte Stadt erobert habt, die ihr nicht kennt, getan, um ihr Vertrauen einzuflößen? Die Besetzung der Stadt hat gleich zu Mißbräuchen geführt, unter denen wir zu leiden hatten und die noch in aller Erinnerung sind. Seit dem 15. Jahrhundert dort ansässig, haben wir unter der türkischen Herrschaft gelitten, wie die Türken selbst, aber nicht als Juden. Und gleich beim ersten Osterfest unter griechischer Herrschaft mußten wir unter der schändlichen Anklage des Ritualmordes stehen, die neue Ausbrüche des Fanatismus verursachte. Die Anklage stürzte nicht von selbst unter ihrer Lächerlichkeit zusammen, sondern es war nötig, daß eine offizielle Untersuchung erst ihre Falschheit feststellte. Man kann sich deshalb die Unruhe vorstellen, die sich der ganzen Bevölkerung bemächtigte. Einige Monate später wunde König Georg ermordet. Wieder wurden die Juden des Mordes angeklagt. Der Mönder, namens Skynas, war von reinem griechischem Blute. Trotzdem suchte man bei ihm einen jüdischen Stammbaum auszuklügeln. Bei den zweiten Wahlen wurde der Kampf unter i der Parole geführt: „Christen, verbindet Euch gegen j die Ungläubigen!" Ein anderer Punkt. Die meisten Bootführer im j Hafen Salonikis waren früher Juden. Jetzt kamen | Griechen dazu. Gut. Aber diese Konkurrenten machen sich dadurch bekannt, daß sie rufen: „Ich bin ein Christ, nehmt mich, nehmt keinen Jüden." i Dann kam dier große Brand und unter dem Einfluß j dler Nationalisten wollte man in der Zerstörung der ■ Stadt die erträumte Gelegenheit finden, die Juden zuj gunsten der Neuangekommenen zu expropriieren. Mit j welchem Rechte verlangt man Vertrauen von Leuten, die : man zuerst des vorher nie gekannten Ritualmordes bezichtigte, denen man unstatthafte Konkurrenz machte, die man unzähliger Mißbräuche der Polizei und der Verwaltung aussetzte und die man verjagen will, nachdem ihr Besitztum zerstört wurde? Ich sage das nicht, um zu verbittern, sondern um zu heilen. Ueberall, wo das jüdische Element tatsächliche Freiheit genoß, wie in England, Frankreich, Amerika usw., trug es zum Fortschritt bei. London hatte einen jüdischen Lordmayor, Nathan war der erste Bürger Roms, Strauß und Morgenthau waren amerikanische Botschafter. Nur das Vertrauen ihrer christlichen Mitbürger hat sie so hoch gestellt. Ein Nichtjude sagte: Jedes Land hat die Juden, die es verdient. Warum sollte Griechenland nicht wünschen, daß wir so leben wie die Juden in England! . .? Wir verlangen nur das Recht zu leben und das Land, das es nicht gewährt, wird früher oder später die Folgen seiner Unhumanität zu tragen haben . . . j Da in Athen große, durchaus liberale und; humane Bürger kennen gelernt habe, versuche ich es; für mein Teil, die Hindernisse zu beseitigen, welche verj brecherisch zwischen Griechen und Juden aufgerichtet wurden. Mit einigen durch das Band des Vertrauens | verknüpften christlichen Freunden haben wir uns entschlossen, ums dieser Aufgabe zu weihen und bej schlossen u. a. zu diesem Zweck zwei Zeitungen zu grünj den, eine griechische und eine jüdisch-spaniolische. i Die Verhältnisse haben es verhindert. Als Jude und als! griechischer Bürger .wünsche ich, daß dieses Werk i der Verständigung unverzüglich zur Ausführung ge- | lange." J Der „Israelit" meldet aus Saloniki:! „Die beiden Präsidenten der jüdischen Gemeinde, i sowie Lord Rothschild und Lord Swaythling hatten j eine Besprechung mit Venizelos. Es wurde über den | Wiederaufbau Salonikis verhandelt. Venizelos gab be- | friedigende Versprechungen ab. Nach dem' neuen Vor- [ schlag der griechischen Regierung sollen folgende Grund- sätze befolgt werden: 1. Die früheren Besitzer des enteigneten Terrains auf dem Geriete des Brandes sollen den Wert ihres Bodens und 50 °/o des durch den Verkauf eingebrachten Gewinnes erhalten. 2. Die Bezahlungen erfolgen mit Schatzbons, die sofort nach Beendigung des ganzen Verkaufes ausbezahlt werden sollen." Wien oder Berlin In der „Jüdischen Zeitung" (Wien) behandelt Hein-; rieh Margulies die Möglichkeit des Anschlusses DeutscJij Oesterreichs an Deutschland. Wir entnehmen diesem ( Aufsatz folgende Ausführungen, die die Frage einer j zionistischen Gesamtzentrale in Wien anschneiden.

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