Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1919)
- Date
- 1919-04-17
- Page
- Seite 499-500 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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490 VOLK und LAND 500 wir werden dann sehen, welche Form sich bewähren wird. Die Menschen, der Boden und die Kulturen bieten ja auch nicht alle gleiche Voraussetzungen. Der JNF. besitzt ja schon heute Boden und soll ja solchen noch in viel größerem Maße erwerben. Nun ist gewiß zu bedauern, daß der JNF. nicht schon bis heute seine Bodenpacht dem Jobelgesetz angepaßt hat. Die Padit des JNF. soll rein äußerlich schon nicht auf 99 Jahre laufen von einem beliebigen Jahre an, sondern immer bis zum nächsten Jobeljahr. Das nächste Jobeljahr ist das Jahr 5709 1949. Das ist nicht nur wegen dieser Aehnlichkeit zur Jobel-Institution wichtig, sondern auch, an und für sich. Der einzelne Pächter ist dann den Behörden gegenüber ganz anders gestellt, wenndie Pachtverhältnisse aller Pächter auf einmal geregelt werden. Außerdem läßt sich dadurch die Möglichkeit schaffen, daß der Besitz auch nach den jeweiligen Familjenbedürfnissen oder nach den Gesamtheitsbedürfnissen im Jobeljahr 'geregelt wird. Außerdem müßte die JNF-Pacht wirkliche Erbpacht sein, um dem Jobeigesetz ähnlich Zu werden. Sie darf in alle Ewigkeit nicht gekündigt werden, Bedingung ist hur, daß in jedem Jobeljahr von der Familie ein Nachkommen präsentiert werde, der den Boden auch wirklich bearbeiten wird. Außerdem unterscheidet sich das Jobelprinzip von der modernen Bodenreform noch dadurch, daß es die Bildung der Bodenrente zu verhindern sucht, während die moderne Bodenreform sie dem Staate zukommen lassen will. Der Pachtbetrag der JNF-Gründe müßte dem Jobelprinzip nach, nicht wichtig sein. Wenn sich die Methode dieses Besitzes bewährer wird und sich geeignete Pächter vermehren, wird der JNF immer mehr Boden in Gemeinbesitz überführen. Zumindest muß es doch stark ins j Gewicht fallen, ob wir überhaupt genügend gej | eignete Pächter haben, in jeder Hinsicht geeignete Pächter werden sich erst im Laufe der Jahre entwickeln und vermehren. Eine andere Form des Bodenbesitzes würde vielleicht dem Jobeigesetz noch genauer entsprechen und den Privatbesitz nicht ausschließen, es wäre das private nicht veräußerliche und nicht belehnbare Privateigentum auf kleineren Bodenflächen. Wir könnten einem Bauerngut von beschränkter Größe gewisse Vorteile bieten, wenn der Besitzer es ins Grundbuch als unveräußerlichen, unteilbaren Familienbesitz eintragen läßt. Dies wäre eigentlich genau dem Jobeljahr entsprechend, man könnte vielleicht noch einige Bedingungen daran knüpfen. Die jungen "Familienmitglieder werden mit Geld abgelöst. Außerdem kennt der Talmud als wahrscheinlich älteste Form des Besitzes den ungeteilten Familienbesitz, der gemeinsam bewirtschaftet wird und dem das älteste Familienmitglied vorsteht, der aber auch auf Wunsch der Familienmitglieder immer geteilt werden kann. In geringem Maße ließe sich vielleicht auch diese Besitzform auf kleiner Bocjenfläche verwirklichen. Der JNF wird ja wahrscheinlich auch dazu berufen sein, den landwirtschaftlichen Großbetrieb in jenem Maße, in dem er für die Wirtschaft notwendig ist, zu schaffen, er wird auch jene Böden erwerben müssen, die nicht als Einzelbestiz taugen; Forstanlagen, Dünen bebauen, Flußsysteme regulieren, Dattelwälder pflanzen. So kann das Bodeneigentum in Palästina vielgestaltig werden, und vor allem werden nicht Gesetze und Reglements die Zukunft unserer Siedlung in Frage stellen. Es darf nicht^so kommen, daß wir des Volkes und des Landes Zukunft von dem Gelingen irgendwelcher gesellschaftlicher Versuche abhängig machen. § STIMMEN DES AUSLANDES „La Syrie de Demain* *) Elisee Reclus hat erklärt, daß die Zukunft Frankreichs auf dem westlichen Mittelmeer ruhe. Beugen wir uns vor dieser politischen Erkenntnis des berühmten Geographen. Frankreich hat sie zu der seinen gemacht, sein großartiges Werk in Afrika ist dafür Zeuge. Was wir jedoch nicht begreifen, ist, daß das Bekenntnis zu dieser Ansicht, wie es in Afrika zum *) Die nachfolgenden Ausführungen sind einem Buche entnommen, das unter dem Titel „La Syrie de demain“ in Paris erschienen ist. Es propagiert die Annexion Syriens durch Frankreich und bereitete so schon während des Krieges einen erweiterten französischen Imperialismus vor. Angesichts der Wichtigkeit, welche die Gestaltung der Dinge in Syrien für das jüdische Palästina gewinnen wird, scheinen uns diese Aeußerungen interessant genug zu sein, um! säe hier in aller Ausführlichkeit wiederzugeben. Denn der französische Widerstand gegen die Verwirklichung des Zionismus, der sich heute bereits bemerkbar macht, entspringt der Quelle desselben Imperialismus, dessen Pläne gegen Syrien in diesen Ausführungen eine sehr eindringliche Darstellung finden. C. Z. K. Ausdruck gelangt ist, nun jede Aktion im übrigen Mittelmeer ausschließen soll. Wäre es nicht vielmehr richtiger, mit Georges Leygues zu behaupten, daß die französische Mittelmeerpolitik sich um eine Achse dreht, deren Pole im Süden und im Norden dieses Gewässers ruhen? Reclus hat seiner Meinung doch zu einem Zeitpunkt Ausdruck verliehen, als die afrikanische Kolonialpolitik Frankreichs noch in den Anfängen steckte, während sie in Italien und in Deutschland überhaupt noch nicht existierte. Seither hat Frankreich ein mohammedanisches Reich geschaffen, dessen Ruhe es wahren muß, indem es die panislamitische Bewegung im Auge behält; es hat Indo-China und Madagaskar erworben, und beide verlangten die Sicherung ihrer Verkehrswege zur französischen Hauptstadt. Deutschland zog die Türkei in seine Spur und baute die Bagdadbahn; auch plante es die Ausgestaltung Alaxandrettes zu einer brauchbaren Schiffsbasis, geeignet, seine ehrgeizigen Pläne im Mittelmeer zu unterstützen. Italien hat sich inzwischen Tripolitaniens, Valonas und des Dodekanäus bemächtigt, von wo aus es eine lange Strecke der kleinasiatischen Küste beeinflußt. England sicherte sich mit Malta, Zypern und