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Volk und Land · 1919-04-17 · Heft 16 (17.4.1919) · p. Seite 493-494

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 16 (17.4.1919)
Date
1919-04-17
Page
Seite 493-494 (sequence 9)
Language
German
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493 VOLK UND LAND 494 Gebiete keine nennenswerte Konkurrenz zu fürchten, da sie ja das einzige in diesem Falle in Betracht zu ziehende Volk sind, das in der Gegenwart Massenwanderungen ausführt eine Tatsache, die sich aus der Vergleichung der Auswandererziffer des letzten Menschenalters mit der Gesamtvolkszahl ergibt. Viele Jahre wurde der Satz als Axiom betrachtet, daß der Zionismus keine Beseitigung der Judennot im Moment sein könne. Es wurde immer von vielen Jahrzehnten und gar von Jahrhunderten gesprochen. Heute müssen wir einsehen, daß wir nicht weiter an den Problemen der Judennot, mit denen wir uns bisher nur sehr wenig beschäftigt haben, Vorbeigehen dürfen. Hätten wir uns den Fragen der Massenwanderung, der Nebenländer und der Ausdehnung unseres palästinensischen Kolonisationswerkes auf alle Berufe beizeiten zugewendet — es hat im Laufe der Jahre an Hinweisen* besonders von Trietsch, nicht gefehlt —, so hätten wir nichi so viele Gelegenheiten versäumt. Die Furcht vor dem Mißlingen, die jetzt die Minimalsten beherrscht, hat schon lange Zeit die Entschlußkraft unserer Leitung gelähmt. Wenigstens seit der englischen Regierungserklärung im November 1917, wenn nicht schon viel früher, wäre es doch an der Zeit gewesen,- sich diesen Fragen zu widmen, die nunmehr in wenigen Monaten im Prinzip entschieden werden sollen. Eine moralische Niederlage ohnegleichen würde es für den Zionismus sein, wenn er im Augenblick der Schließung der Tore Amerikas für die Juden, versuchen würde, durch Aufstellung eines Minimalprogramms die Einwanderung nach Palästina zu hemmen. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß ein solcher Versuch scheitern würde; es könnte im Gegenteil bei einer trotzdem stattfindenden starken Einwanderung der Mangel einer Einordnung der „unerwünschten“ Einwanderer in das Werk des Aufbaues nach einem festen Plane zu erheblichen Störungen des Kolonisationswerkes führen. DIE UNTERBRINGUNG DER PALAESTINA - EINWANDERER Von B. Karpin. , Es soll hier eine Frage behandelt werden, die zwar an sich nicht neu, bei Konferenzen und Delegiertentagen gestreift, aber, soweit mir bekannt ist, bis heute keiner ihrer Wichtigkeit entsprechenden Erörterung teilhaftig wurde; die Frage nämlich: Wo, und auf welche Weise bringen wir die Palästinaeinwanderer im Moment ihrer Ankunft auf palästinensischem Boden, unter? So nebensächlich diese Frage im ersten Augenblick erscheint, so wichtig und bedeutsam wird sie, wenn wir alle Begleiterscheinungen einer Massenwanderung uns vor Augen halten. Der Weltkrieg hat der Menschheit so viel Lehren gegeben, daß wir auch für unsere Zwecke manches Nachahmenswerte darunter finden werden. Wer in diesem Kriege mehrere „Rückzüge“ mitgemacht und gesehen hat, wie in den ersten Kriegsmonaten die Ueberführung tausender von Flüchtlingen plan- und kopflos vor sich ging, so daß es vielfach zur Katastrophe ausartete, insbesondere für unsere geplagten Brüder des Ostens, i wer gesehen hat, wie die Militär- und Zivilbehörden ratlos diesem Ansturm gegenüberstanden und dadurch den moralischen, 2mm Teil auch physischen Ruin Tausender verursacht haben, kam zu der lieberzeugung, daß bei Ueberführung von Massen von einem Orte in einen anderen die Frage der rationellen Unterbringung und Verpflegung während der Uebersiedlung keine untergeordnete ist. Das „Wie“ dieser Frage hat uns der Krieg in ausreichendem Maße gelehrt. Als die österreichischen Behörden endlich daran gingen —- leider nur viel zu spät — den Flüchtlingstransport zu organisieren und Unterkunftsräume zu schaffen, s£anden sie vor zwei Fragen: Wie sollen diese Quartiere beschaffen sein und welche Mittel stehen für die Verpflegung der Massen zur Verfügung? Sie entschlossen sich, in Böhmen und Ungarn Baracken zu bauen und die Verpflegung lieferten Unternehmer. An sich waren die Zustände, welche , dort geherrscht haben, himmelschreiend, aber das lag nicht an der sicherlich guten Idee, sondern an den mißlichen, chaotischen, korrumpierten Verhältnissen j im alten österreichischen Staate. Es würde zu weit I führen, wenn ich hier Ursache und Wirkung aus- | einandersetzen wollte, das kann uns aber nicht | hindern, die Idee an sich für unsere Bedürfnisse in Erez-Israel zu übernehmen. Ich stimme wohl mit L i c h t h e i m überein, daß man verhüten muß, daß in den ersten Jahren durchschnittlich mehr als 20000 Menschen ein wandern, aber meines Dafürhaltens wird dabei eines übersehen. Während des Krieges hatte ich Gelegenheit in Polen, Galizien, Ukraine und Bessarabien, mit allen möglichen jüdischen Kreisen zu verkehren und die Beobachtung zu machen, daß große Massen unbemittelter, bemittelter und sogar sehr bemittelter Juden nur auf die Möglichkeit zur Einwanderung nach Palästina warten. Und aus dieser Beobachtuiigheraus kann ich versichern, daß es der zionistischen Organisation garnichtmöglichsein wird, den ersten großen Andrang wirksam zurück zu halten, und tut sie es mit Gewalt, dann bringt sie sich im Osten um jeden Kredit. Demnach müssen wir in den ersten Wochen nach Freigabe Palästinas für eine unbeschränkte Einwanderung, mit größeren Transporten unbedingt rechnen und die nötigen Vorbereitungen zum Empfang solcher Massen rechtzeitig treffen. Es ist nun nötig, daß den Einwanderern ein würdiger und befriedigender Empfang zuteil wird. Der Ostjude ist äußeret empfindlich, sensibel, überall Zurücksetzung, nicht genügend würdige Behandlung witternd, Stimmungsmensch! Es ist Pflicht, dafür zu sorgen, daß er bei der Ankunft in Palästina derartig gut untergebracht, verpflegt und beraten wird, daß sein Mut, sein Glaube, seine Unternehmungs- bzw. Arbeitslust sich hebt; er muß das Bewußtsein haben, daß er ein Recht hat zu dieser Unterkunft, da er sie bezahlen muß! Beim Betreten palästinensischen Bodens muß jeder Jüdische Einwanderer wissen, daß jede Almosengeberei aufgehört hat, daß jeder sich sofort selbst auf eigene Füße stellen muß, daß jeder dafür sorgen muß, so rasch als möglich eine Arbeits- bzw. Existenzmöglichkeit zu finden. Kein Palästinaamt darf irgendwelche Geldgeschenke gewähren, wenn es den Charakter des Einwanderers nicht gleich verderben will! Den ganz Unbemittelten könnte von Amts wegen ein

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