Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 14-15 (3.4.1919)
- Date
- 1919-04-03
- Page
- Seite 477-478 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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477 VOLK UND LAND 478 Wochenbl. f. d. Schwei/“ über die Lage in Ostgalizieu folgendermaßen: „In Galizien ist die Lage sehr verworren und deshalb ist es sehr schwer, ein klares Bild zu gewinnen. Die Entente Weiß nicht, was an die Stelle der Schlächterei j zu setzen ist. Man will das polnisch-ukrainische Spiel austoben lassen. In bezug auf die Juden täuschen wir uns keinen Augenblick lang, wir glauben nicht, daß in der Ukraine für die Juden ein Paradies auf Erden j erstehen wird. Wenn auch die Ukrainer die nationale j Freiheit versnrechen. so ist der ukrainische Bauer noch j lange nicht so gesetzestreu, daß er die Abneigung gegen i die Juden dadurch loswerden könnte. Auch jetzt ge- | schehen in verschiedenen Städten Ostgaliziens Vergehen gegen die Juden, insbesondere aber von der unteren Beamtenschaft. Allein wir müssen darauf drängen, daß die von den Ukrainern in Mehrheit bewohnten Gebiete der Ukraine angehören sollen, nicht nur im Namen der Gerechtigkeit, sondern auch im eigenen Interesse, weil wir in der Ukraine viel besser gestellt sein werden als in Polen, da die Ukrainer uns brauchen. Speziell in den nächsten 40—50 Jahren wird dies der Fall sein. Die Ukrainer, die wenig Intelligenz besitzen, werden uns für den Handel, Bankwesen, Beamtenstellen usw. brauchen. Im eigenen Interesse müssen sie daher die jüdische Intelligenz protegieren. Während in Polen der Boykott die Juden zu verdrängen droht, so ist in der Ukraine gerade das Gegenteil zu erwarten. Die Juden werden das Land landwirtschaftlich heben; speziell wenn die Verbindung mit der Großukraine vorhanden sein wird. Dabei kommt auch das Kulturmoment in Betracht. Die Juden können in Polen viel leichter der Assimilation verfallen; weil die polnische Kultur immerhin stark ist. Dies ist aber in der Ukraine nicht der Fall, da die ukrainische Kultur im Verhältnisse zur jüdischen minimal ist. Keinem Juden würde es einfallen, sich mit den Ukrainern zu assimilieren; die | Ukrainer verlangen es aber auch nicht. Dort, wo die Gebiete strittig sind, müssen wir darauf drängen, daß .ein Plebiszit darüber entscheide. Sollte wider Erwartung und Gerechtigkeit den Polen das Gebiet Zufällen, so müssen wir darauf einwirken, daß uns die nationalen Rechte international garantiert werden. Denn nur mit Rücksicht auf internationale Garantien und auf jüdisches Kapital werden die Polen uns einen Teil der papiernen Rechte auch in der Wirklichkeit genießen lassen.“ PALAESTJNA Palästinaarbeit in Griechenland Die Zionistische Föderation in Saloniki hat, um die jüdische Bevölkerung der Stadt mit den nächsten Aufgaben für Palästina bekanntzumachen, ein großes Programm ausgearbeitet und folgendes beschlossen: 1. Die Gründung eines ständigen Informationsbüros, dessen Aufgabe sein soll a) alle Informationen kaufmännischer, landwirtschaftlicher, finanzieller und industrieller Natur zu sammeln, die für die Emigranten nach Palästina von Interesse sind, b) De Zeitung „La Esperanza“, sowie zionistische Broschüren zur Popularisierung des Palästina-Gedankens herauszugeben, c) sobald es möglich ist (möglichst noch vor Pessach) eine Studienreise nach Palästina zu organisieren, d) eine Ausstellung palästinensischer Erzeugnisse, besonders Hon Arbeiten des Bezalel, sobald als möglich’ zii arrangieren, e) statistische Tabellen über die dort am meisten ausgeübten Handwerke vorzubereiten (insbesondere der Maurer, Zimmerleute, Tischler, Grobschmiede, Fischer, Schiffer, Schiffsauslader usw.), über ihre Lage, ihre Familienverhältnisse und ihre Fähigkeiten, f) die Gründung von Gruppen kleiner und großer Kapitalisten anzuregen und zu leiten, die sich in Handel, Bankwesen und Industrie in Palästina betätigen wollen, g) die Gründung einer Gruppe von Schomrim (Koloniewächtern) anzuregen, die sich aus gesunden, starken und mutigen jungen Leuten zusammensetzen SOU, h) alle Auskünfte zu sammeln, die Bezug haben auf das Büdimgswesen, auf höhere und mittlere Schulen (Gymnasium, Polytechnikum, Rabbiner-Seminarien, Universität), um die Gründung von Stipendien--und Freistellen an diesen Schulen und die Entsendung von Schülern nach dem Heiligen Lande zu ermöglichen. 2. Die Organisierung von hebräischen Kursen in allen Stadtteilen, die Herausgabe eines Sprachführers sowie eines praktischen Palästina-Handbuches. 3. Die Gründung eines speziellen Emigrations-Fonds. 4. Größten Nachdruck auf die Arbeit für den Jüdischen Nationalfonds zu legen, Broschüren heraoszugeben, Marken und zionistische Abzeichen zu verkaufen und für alle Zweige des JNF tätig zu sein. 5. Die Gründung einer Kolonie von Ackerbau- oder Gartenhautreibenden anzuregen und zu fördern. Um dieses umfassende Programm in die Praxis umzusetzen, hat die Leitung ,der Föderation beschlossen, einen besonderen „Beteiligungs-Fonds“ von 10 000 Frcs. zu schaffen, dessen Hälfte bereits gezeichnet und eingezahlt wurde. Das Informationsbüro hat seine Tätigkeit bereits Ende November 1018 aufgenommen. SOZIALES Zur Frage der Nationalisierung des Bodens | brachten wir in Nr. 8/Q einen Auszpg aus einem Artikel von Dr. W. Brünn in der „Jüdischen Rundschau“. Im selben Blatt erschien eine Erwiderung des San.- Rat Dr. E. Simonson, der wir die folgenden Ausführungen entnehmen: Zur Frage, wie die Nationalisierung durchgeführt - werden kann, sieht Brünn nur zwei Wege: erstens j durch Gesetzgebung, zweitens durch Ankauf des Bodens durch die jüdische Gemeinschaft. Die erste Möglichj keit lehnt er mit Recht schon aus oolitischen Grün- | den ab. Zur zweiten Möglichkeit deduziert er: „Hat! die jüdische Behörde Geld genug, um innerhalb der nächsten 30 Jahre den notwendigen Boden käuflich zu erwerben und in Erbpacht zu geben, dann ist obiges Gesetz überflüssig. Känn sie aber, wie wahrscheinlich, den jüdischen Bodenbedarf nicht aus eigenen Mitteln decken, dann muß der Ankauf zu Eigentum gestattet werden, um nicht die jüdische Kolonisation Palästinas aufzuhalten.-“ Das klingt zunächst einleuchtend. Es gibt aber doch noch einen Weg der Nationalisierung, der völlig ausreicht, um dem Bodenwucher und der Latifundienbildung zu steuern und dennoch dem Bauern das Gefühl des gesicherten Besitzes nicht raubt, ihm die Sicherheit läßt, das alles, was er investiert, daß seine Mühe, sein Sdhweiß, den er in den Boden hineinlegt, ihm oder seinen Kindern zugute kommt. Dazu bedarf es nur des gesetzlich festgelegten Vorkaufsrechtade« SAaäTes zum Erwerbspreise zuzüglich des investierten Kapitals bei jedem Be-