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Volk und Land · 1919-04-03 · Heft 14-15 (3.4.1919) · p. Seite 473-474

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 14-15 (3.4.1919)
Date
1919-04-03
Page
Seite 473-474 (sequence 31)
Language
German
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473 VOLK UND LAND 474 Stadtratswahlen in Polen! Vor kurzem haben in Polen die Stadtratswahlen; stattgefunden. In Warschau figurierten 12 jüdische ( Listen. Gewählt 'wurden 27 jüdische Deputierte, wähj nend die Juden ihrer Zahl nach auf 49 Mandate rechnen durften. Von den Gewählten sind 5 Zionisten (Grünbaum, Kerner, Schwalbe, Ehrenberg und Frau Stein), 5 Bundisten (Ehrlich, Siebert, Weinberg, Orjech und Frl. Iwinska), 4 Orthodoxe (Kirschbaum, Hoffj nagel, Sollberg und Drodcenheim), 3 Volkspartei (Vogelnest, Goldenberg, Wolfowitsch), 4 von der kaufmännischen Liste (Trusker, Schereschewsky, Raabe, Meisel), 2 PoaJe-Zion (Rafalkes und Jahrblum), 1 Handwerker (Raßraer), 1 von der demokratischen Partei (Davidsohn) *und ,1 Assimilant (Eiger). Außerdem waren noch Listen von den Vereinigten Misrachisten, Achduth, Hauswirten und Wohnungsmietern aufgestellt, die aber nicht die genügende ZahJ von Stimmen, welche für die Durchbringung eines Deputierten notwendig sind, aufbringen konnten. Die Volkspartei, Handwerker und die demokratische Partei batten ihre Listen miteinander verbunden, ebenso schloß auch die Orthodoxie mit der Kaufmännerliste ein Bündnis der Stimmreste. — ln Lodz wurden gewählt: 8 Kandidaten des zionistischen Zentrahvahlkomitees, 3 Orthodoxe, 5 Poale-Zion, 5 Bundisten und 1 Hausbesitzer. Die Volkisten brachten keinen einzigen Ratsmann durch. — In Lublin wurden gewählt: 4 Nationalisten (Zionisten und Volkisten), 2 Orthodoxe, 2 (Poale-Zion{ 5 ßiundisten' und 1 Assimilant. Zionistischer Parteitag in Deutsch-Oesterreich Das Zionistische Landeskomitee für Deutsch Oester peidh hat einen außerordentlichen Parteitag auf den 30. März nach Wien einberufen. Die Tagesordnung lautet: 1. Eröffnung: Adolf Böhm; 2. Organisationsneferat: Ludwig Bato; 3. Politisches Referat: Abgeordneter Robert Stricker; 4. Budgetreferat: Dr. M. Präger; 5. Debatte. j 6. Neuwahlen. Die „Wiener Morgenzeitung“ schreibt hierzu: „Der erste Parteitag der zionistischen Organisation Deutschösterreichs ist der erste zionistische Delegiertentag seit Auflösung der Monarchie, und er hat daher zunächst konstitutive organisatorische Arbeit zu leisten. Die provisorisdie Parteileitung, als welche das ehemalige zionistische Distriktskomitee für Innerösterreich figuriert, hat für den Parteitag den Entwurf eines Organisationsstatuts voigelegt, welcher gegenüber dem bisherigen Zustand mehrfache Veränderungen aufweist. Zunächst wird die Organisation auf dem Prinzip der einheitlichen Ortsgruppe aufgebaut, während bis jetzt die Gliederung nach Vereinen gegolten hat. Ferner wird das Arbeitsgebiet der Organisation dadurch erweitert, daß das ganze Gebiet der sogenannten Gegenwärtsarbeit, also auch die jüdischnationale Politik in Oeutsdiösterreich, in das Programm der Partei aufgenömmen wird, während bis jetzt die zionistische Partei sich auf rein zionistische, auf Palästina gerichtete politische, kulturelle Und propagandistische Arbeit beschränkt hatte und die Landespolitik von einer separaten Organisation, dem „Jüdischen National verein“, besorgt wurde. Dies hat mehrfach zu Mißständen geführt, insbesondere da infolge des Anwachsens der Partei die Auseinanderhaltung der beiden Organisationen technisch nicht immer möglich war. Diesem Zustand will das neue Statut ein Ende machen, obwohl durchaus nicht alle Gruppen innerhalb der Partei von der Opportunität dieses .Schrittes überzeugt sind. Der Parteitag wird über diese Frage zu entscheiden haben. Die Parteileitung soll in Hinkunft in den Händen des Landeskomitees liegen, das so zusammengesetzt ist, daß in ihm spezielle Referenten für Palästina, Landespolitik, Finanzen, hebräische Sprache, und Kultur, Erziehung und Jugendarbeit, sowie für den Jüdischen Nationalfonds bestellt werden. Der Parteitag wird auch dieses Komitee zu wählen haben, dem zur Beratung wichtigerer Fragen ein Beirat, bestehend aus Vertretern der einzelnen Ortsgruppen, beigegeben wird. Durch Annahme des neuen Statuts und Bewilligung eines entsprechenden Budgets wird der Parteitag die technischen Voraussetzungen für die bevorstehende großzügige Arbeit schaffen müssen. Der Landesverband wird dann unverzüglich darangehen müssent die wichtigsten Probleme, die gegenwärtig die zionistische Welt erfüllen, insbesondere mit Rücksicht auf den heran nahenden Zionistenkongreß, in der breitesten jüdischen Oeffentiicftkeit zu erörtern, und durch eigene Initiative die Vorbereitungen für eine positive zionistische Arbeit zu schaffen. Daher kommt auch diesem Parteitag große Bedeutung für die Weiterentwicklung der zionistischen Bewegung in Deutschösterreich zu, obwohl er sich nur mit organisatorischen Fragen zu befassen haben wird.“ 1. (Provisorische) Landeskonferenz des „Hapoet - HazaYr“ in Deutschland Der provisorische zentrale Waad des Hapoel-Hazair in Deutschland hat beschlossen, im Anschluß an den Palästinadelegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland die I. (provisorische) Konferenz des Landesverbandes einzuberufen. Die Konferenz tritt zwei Tage vor Beginn der allgemeinen Tagung zusammen. Die genauen Bestimmungen über Zeit und Ort sowie die Statuten, die sich auf die Wahl der Delegierten beziehen, gehen den Ortsgruppen und Vertrauensleuten noch zu. Es ist bisher folgende Tagesordnung in Aussicht genommen : - 1. Bericht über unsere bisherige Tätigkeit. Referent:. Hersch Gugig. 2. Programmfragen: a) Unser soziales Programm. Ref.: Ludwig Strauß. b) Unser politisches und kulturelles Programm. Ref.: Viktor Ch. Ariosoroff. 3. Die Aufgaben unserer Weltorganisation. Ref.: Israel Reichert. 4. Unsere Forderungen zur Palästinatagung. Ref.: Max Strauß. 5. Unsere zukünftige Arbeit in Deutschland. Ref.: Gerda Goldberg. 6. Finanzfragen. Ref.: Leo Kurfunkel. WIRTSCHAFT Die Sephardim als W irtschaftselement Für die erwartete Belebung des wirtschaftlichen Verkehrs zwischen Europa und dem Orient ist es von besonderer Wichtigkeit, daß innerhalb dieses vielsprachigen und volklich stark gemischten Gebietes ein Element vorhanden ist, das nach Anlage und äußeren Umständen dazu geschaffen erscheint, die Brücke abzugeben, über die zunächst die erforderlichen Anknüpfungen hinwegführen könnten. Kein Kenner der Verhältnisse wird leugnen, daß für den Balkan in dem „Spaniolen“ die in jeder Beziehung vertrauenswürdige Mittelperson gefunden ist. Der „Spaniole“ oder „Sephardi“ ist Jude spanischer Abkunft Im Jahre 1492 durch dip Inquisition vertrieben, fand er in den Ländern des Sultans, .be-

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