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Volk und Land · 1919-04-03 · Heft 14-15 (3.4.1919) · p. Seite 471-472

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 14-15 (3.4.1919)
Date
1919-04-03
Page
Seite 471-472 (sequence 30)
Language
German
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471 VOLK UND LAND 472 Leiden und der Nöte, die wir nach Maßgabe unserer Kräfte zu lindern hatten. Es sind' insbesondere die heiligen Stätten in Palästina, die uns in Anbetracht ihrer besonderen Würj digkeit und ihrer hoben Bedeutung, die ihnen im Auge j eines jeden wahren Christen eine Weibe ohnegleichen gibt, am Herzen liegen. Wie langwierige und aufreibende Anstrengungen sind von unseren Vorgängern ' gemacht worden, um diese Stätten von den Ungläubigen zu befreien. Wieviele Kämpfe wurden ausgetragen, wieviel Blut ist im Verlaufe der Jahrhunderte für die Christen des Orients dahingegeben worden, i und nun, da diese heiligen Orte zur unbeschreiblichen Freude aller der Gewalt der Christen zurückgegeben sind, kann es Uns nicht gleichgültig sein, welches Schicksal ihnen die Friedenskonferenz vorbehält, denn ohne Zweifel wäre unser eigener Schmerz wie der Schmerz aller Christen groß, wenn in Palästina die Ungläubigen eine bevorzugte Stellung erhielten. Er wäre noch größer, wenn diese erhabenen Stätten Völkern anvertraut würden, die nicht Christen sind. Wir i wissen außerdem, daß nichtkatholische Ausländer, die über Mittel aller Art verfügen, das. Elend und | das Leid, das der Krieg über diese Gegenden gebracht j hat, dazu benützen, um für ihre Lehren Propaganda j zu madhen. Man wird in keiner Weise dulden dürfen, daß an diesen Stätten, wo unser Herr Jesus Christus j durch sein Blut den Seinen das ewige Leben gewonnen hat, so viele Seelen dem Katholizismus entzogen und dem Verderben überantwortet werden. Angesichts dieser Gefahr strecken unsere geliebten Söhne uns flehend die Hände entgegen und bitten uns picht allein um Nahrung und Kleidung, sondern, durch unsere Vermittlung, um die Rückgabe ihrer Missionen, ihrer Kirchen und ihrer Schulen. Im Bewußtsein der Pflichten, welche uns unser Amt auferlegt, haben wir unsererseits für diesen Zweck eine Geldsumme ausgesetzt, und wir würden sicherlich frohen Herzens noch mehr gegeben haben, wenn nicht die kargen Mitte) des Heiligen Stuhles unseren Herzenswünschen Schranken setzten. Gleichzeitig gedenken wir, an die Bischöfe der ganzen Welt zu appellieren, damit sie für diese so edle Sache mit ganzem Herzen eintreten und die altbewährte Barmherzigkeit für die Christen im Orient bei ihren Gläubigen aufs neue erwecken.“ Hierzu schreibt das Organ des britischen Palästina- Komitees „Palestine“; „Wir Juden befürworten ein britisches Mandat für ein jüdisches Palästina, aber nicht aus dem Grunde, weil Großbritannien ein christliches Land ist. Wir möchten nicht gern glauben, daß der Papst beabsichtigt, gegen ein jüdisches Palästina zu demonstrieren. Die Juden beanspruchen sowohl das Recht, Palästina jüdisch zu machen, wie auch über Palästina zu herrschen, wenn es jüdisch ist. Dieses Recht kann man. ihnen nicht aus dem Grunde verweigern, weil sie Juden sind. Das heißt die Zurücksetzung bis aufs äußerste treiben. Wir möchten um/ so mehr glauben, daß dies nicht die Absicht des Papstes war, als er sich vor zwei Jahren Herrn Sokolow gegenüber sehr sympatisch über den Zionismus geäußert hat. Immerhin fühlen wir uns verpflichtet, auf die ausgesprochene Gegnerschaft des französischen katholischen Klerus und auf eine abweichende Notiz in dem klerikalen Blatt ] „Tahlet“ hinzuweisen. Der französische katholische I Klerus unterstützt vielleicht nur die bisher vom franj zösischen Auswärtigen Amt eingenommene Haltung. Für j „Tablet“ aber, das einfach leugnet, daß der Verband j jemals seine Zustimmung zu den zionistischen Bestrej bungen gab, kann das nicht geltem Es braucht kaurn . j gesagt zu werden, daß die Juden sich um die gebüh-* I rende Sicherung der christlichen Interessen an den heij ligen Stätten bemühen werden. Sie haben darüber niemals im Zweifel gelassen und können einen so glühenden Katholiken wie den verstorbenen Sir Mark Sykes als Zeugen anrufen bei ihrer Behauptung, daß der Zionismus mit geistlich religiösen Interessen in keinerlei Konflikt kommt. Die Katholiken werden gut tun, in dieser Sache lieber dem verstorbenen Sir Mark Sykes als dem französischen Klerus oder dem „Tablet“ zu folgen.“ Die Zukunft Arabiens Von allen Fragen, die die von der Entente beschlossene Aufteilung der Türkei betreffen, ist das arabische Problem das wichtigste und zugleich das am schwierigsten zu lösende, wenn die beiden führenden Ententemächte — Frankreich und England — ihre seit langem . geltend gemachten Ansprüche verwirklichen wollen. Denn während England in Südarabien und im Hedschas sowohl wie in der ganzen Neuorganisation | der arabischen Staaten in hervorragender Weise interi essiert ist, besitzt Frankreich in Syrien Interessen, die | sich auf einen mehr als hundertjährigen Einfluß stützen. ) Der älteste von den vier Söhnen des im November 1916 zum König des Hedschas ausgerufenen Groß-Schej rifen von Mekka, Emir Hussein, der auch als Heerführer rühmlichst hervorgetretene Emir Fesel — die Engländer schreiben den Namen „Faisal“ — hat von der Pariser Konferenz die Schaffung eines arabischen Bundesstaates verlangt, für den er eine sehr eigenartige Organisation entworfen hat. Um ein unabhängiges Hedschas, das als der Staat, in dem1 die heiligen Stätten des Islams liegen, seiner Ansicht nach von aller fremden Oberaufsicht befreit sein muß, sollen sich die anderen arabischen Staaten, nämlich Palästina, Syrien, der Nedschd, der Irak usw. gruppieren. Jeder dieser Staaten soll sich eine europäische Schutzmacht suchen. Obwohl nun keinem der Staaten in der Wahl seiner Schutzmacht Schranken gezogen sind, so möchte Fesel trotzdem, daß alle dieselbe Macht wählen. Er betont aber, daß keiner der arabischen Staaten gegen seinen Wille i gezwungen werden soll .... Der französische Einfluß in Syrien beruht iuf einer sicheren kulturellen Grundlage, und obschon auch die Angelsachsen, neben den Engländern die Amerikaner, in Beiruth eine sehr wirkungsvolle Propaganda betreiben, so ist doch der Einfluß Frankreichs in Syrien der allein maßgebende. Pie jtmgarabischen Intellektuellen schwören ohne Ausnahme zur französischen Trikolore. Dasselbe ist in dem bisher als unabhängiges türkisches Wilajet konstituiert gewesenen Libanon der Fall. Auch hier würde sich der französische Einfluß nicht durch den panarabischen entwurzeln lassen. Die französische Presse und vor allem) der „Temps“ hat seinen Befürchtungen wegen eines großen arabischen Reiches offen Ausdruck gegeben. Aber auch die englische Presse und. unter andern die „Times“ verlangt, daß Palästina und der Libanon wegen besonderer Rasseninteressen ausgeschlossen werden. In dem ersteren Lande handelt es sich um die Juden, in dem zweiten um die Maroniten. Englischerseits wird zu dem groß angelegten Plane Emir Fesels bemerkt, daß für seinen Erfolg viel darauf ankommt, wie die verschiedenen arabischen Staaten begrenzt werden. Es wird vor allem ] hier die Begrenzung des unbedingt dem französischen | Einfluß zu unterstellenden Syriens maßgebend sein. Auch! wird Englapd dafür sorgen, daß einerseits die Grenzen j der zu seiner indischen Interessensphäre gehörigen i Staaten Südarabiens und des Iraks nicht zu knapp be- | messen werden, und daß andererseits dem! neuen jüdij sehen Staat trotz seines ziemlich zahlreichen , arabischen j Bevölkerungselementes kein zu enges GrebiC't zuge wiesen . ] wird. („Magdeburger Zeitung“.)

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