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Volk und Land · 1919-04-03 · Heft 14-15 (3.4.1919) · p. Seite 467-468

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 14-15 (3.4.1919)
Date
1919-04-03
Page
Seite 467-468 (sequence 28)
Language
German
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467 VOLK UMD LAND 468 wieder die Chalukahnehmer Schnorrer zu nennen. Ein Beitrag von etwa 20 bis 30 Franken jährlich, wie es bei den meisten Kolelim der Fall ist, läßt ia in keiner Weise seine Empfänger davon leben. Alle müssen sie arbeiten oder Geschäfte treiben. Andererseits hat die Chalukah in Rußland, Galizien und Ungarn teilweise als Altersversorgung für die Gemeindebeamten, Rabbiner, Schbchtim und Melamdim gedient, was bei der Tatsache, daß keine geregelten Pensionsverhältnisse in diesen Ländern bestehen, sehr ins Gewicht fällt. Nicht!zu verachten ist ia auch die wirtschaftliche Tatsache, daß durch die Chalukah sehr große Summen nach Palästina einfließen und dort in wirtschaftliche Energien verwandelt werden. Besonders die älteren unter den Chalukahempfängern beziehen noch von ihren Anverwandten größere oder geringere Renten, was wieder bedeutende Summen ins Land bringt. Soli die Chalukah nun weiter bestehen, oder nicht? fch glaube, wir können uns die Beantwortung der Frage ersparen, weil sie weiter bestehen wird, ob wir wollen oder nicht. Sie ist den Gebern ein so großes Bedürfnis wie den Empfängern. Es gibt gewisse Tage im Jahr, gewisse Stunden, in denen eine Frau einige Scheidemünzen nur in die Palästinabüchse geben will. Sie kann es keinem anderen und keinem anders organisierten Fonds zuwenden. Vor dem Uchteranzünden, am Efev Jomkippur gibt man doch, wenn man sein religiöses Gefühl befriedigen will, nur in diese Büchse und nicht einem andern Palästinäfonds. Das wird nicht anders werden. Wahrscheinlich werden aber die Kolelim zu bloßen Verteilungsstellen werden. Ihre Funktionen als Gemeindeorganisationen werden sie wohl an eine andere Institution abgeben müssen. Es geht nicht an, daß die judenheit in Palästina nach Landsmannschaften organisiert ist. Es geht auch nicht an, daß nur die Empfänger von Unterstützungen Stimmrecht haben., wie es bis heute der Fall ist. Es wird auch für eine geordnete kontrollierte Geldvervvaltung gesorgt werden müssen. Die Ausgabe von Anweisungen soll aufhören. Man wird sich wohl wundern, wenn ich sage, daß aber die notwendigste Reform die ist, daß nur eine völlig ausreichende sehr reichlich bemessene Unterstützung pusgesetzt werde. Die Chalukah soll wirklich den Empfänger in den Stand setzen, von ihr zu leben. Selbstverständlich soll sie aber nur alten oder sonst erwerbsunfähigen* Leuten gewährt werden. Die Chalukah soll wirklich zur Altersversorgung für die jüdischen Gemeinden in Osteuropa werden. Anstatt die Leute in Asylen gewissermaßen einzuschließen, soll ihnen durch die Chalukah die Möglichkeit gegeben werden, ihr Lebensideal zu erreichen und die letzten Jahre in Palästina zuzubringen, wo sie sich und Gott leben können. Es sollen ihnen auch die Reisespesen gewährt werden und sie wären in Palästina ganz auskömmlich zu versorgen. Selbstverständlich dürfen also solche Unterstiitzungsstcllen nur in der Zahl eingerichtet werden, zu denen die Summen effektiv vorhanden sind. Die sogenannten eingeborenen Mitglieder der Kolelim sollen in einer Uebergangsperiode durch größere einmalige Beiträge in den Stand gesetzt werden, sich' eine Existenz zu gründen. Ob die Kolelim nicht auch noch Jeschiwahs werden gründen wollen, in denen sie die talmudische Richtung ihres Landes in Palästina pflegen, wird sich erst zeigen. Ob sie nicht ihre jüngeren Mitglieder vielleicht werden landwirtschaftlich kolonisieren wollen, wird sieh ebenfalls zeigen. Die Kolelim werden so auf ein engeres Gebiet beschränkt werden. Reine Unterstützungsinstitutionen werden aber als solche segensreich wirken. An unsere Leser richten wir die Bitte, ihr Interesse am Ausbau von „ Volk und Land* uns durch rückhaltlose Kritik und fördernde Anregung kundzutun. Eine Zeitschrift wie die unsere bedarf des ständigen und lebendigen Zusammenhanges mit ihrem Leserkreise, um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können. Besonders wertvoll ist für die Schriftleitung jede Unterstützung in der Sammlung des in der Presse (besonders in der des Auslandes) verstreuten Materials zur jüdischen Frage. Aber auch jede sonstige Anregung, die der Ausgestaltung unseres Blattes dient, wird dankbar begrüßt. Die Sdiriftleiiung.

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