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Volk und Land · 1919-04-03 · Heft 14-15 (3.4.1919) · p. Seite 465-466

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 14-15 (3.4.1919)
Date
1919-04-03
Page
Seite 465-466 (sequence 27)
Language
German
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465 VOLK und LAND 466 Sonst aber war es nur die natürliche Vermehrung der dort Wohnenden, die den Kolel teilweise vergrößerte. Die Verwaltung wurde in Amsterdam durch die Pekidin und Amarkalin des Kolels geführt. Die Liste der Verteilung wurde dort bestimmt und das Geld durch Schecks an die Empfänger übermittelt. Es war schon damals die geordnetste Geldverwaltung. Die Mitglieder dieses Kolels hatten eine wirklich auskömmliche Einnahme. In Deutschland wurden aber mit der Zeit Klagen hörbar, daß eine solche Verwaltung jeder sozialen Raison Hohn spreche, und man schritt im Jahre 1906 zu Reformen. In Frankfurt wurde eine Nebenverwaltung ernannt. Als weiterer Schritt zur Reform wurde eine Vertretung in Jerusalem eingerichtet, welche größere Vollmachten bekam. Als Vertreter wurde J. B. Horowitz, Rabbiner in Also- Kubin in Ungarn ernannt, und als erste Reformtat nahm man die Streichung der reichen Mitglieder des Kolels aus der Empfängerliste vor. Im allgemeinen stellte man sich von nun an auf den Standpunkt, daß auf Chalukah nur wirklich Erwerbslose Anspruch haben sollten. Sie wird dann pro Anno auf 240 Francs für den Alleinstehenden, 360 Francs für das Ehepaar und 80 Francs für die minderjährigen Kinder bemessen. Auch bemüht man sich, die Heranwachsenden selbständig zu machen, indem man ihnen eine einmalige Summe zur Gründung eines Geschäftes oder zur Erlernung eines Handwerks bewilligt. Die sogenannte kleine Chalukah, welche nach Seelenzahl an alle Kolelim verteilt wurde, hörte auf. Die nicht von den Kolelmitgliedern in Anspruch genommenen Summen wurden für soziale Zwecke verwandt. Der deutsche Kolel ist so als philanthropische Institution sehr einflußreich in Palästina geworden. Der ungarische Kolel, welcher auch alle österreichischen Länder außer Galizien umfaßt, hat eigentlich das Chalukahprinzip am reinsten verwirklicht. Er hat auch eine sehr gute Organisation. Nach einem ziemlich verwickelten Wahlmodus werden die Memunim in Jerusalem gewählt. Die Gelder fließen auch von den Spendern zumeist direkt nach Jerusalem^ wiewohl auch ein Nassi in. Budapest gewählt wird. Jede Seele im Kolel bezieht eine gewisse Zahl von Prozenten (im Kolel niennt man es Grade). Das Familienoberhaupt erhält außerdem darüberhinaus nach Alter, Gelehrsamkeit und Ansehen eine gewisse Zahl von Prozenten. Die Prozente, die nun der ganzen Gemeinde zukommen, werden summiert und die gesamten Einkünfte auf sie aufgeteilt. Die Einkünfte waren so nicht fest bestimmt, waren aber beträchtlich genug, so daß die Mitglieder dieses Kolel die bestgestellten waren. Außerdem bestanden noch acht russische Kolelim der Peruschim (1. Wilna-Samut, 2. Grodno. 3, Slonim, 4. Minsk, 5. Pinsk, 6. Reußen (Weißrußland), 7. Suwalki und Lomsha, 8. Warschau). Von den chassidischen Kolelim gehört zu den bebser situierten bloß der österreichische Kolel. Er hat einen Nassi in Drohobycz in Galizien, der von den Rabbinern und Einnehmern in ganz Galizien für Lebenszeit gewählt wird. Der Nassi seinerseits ernennt in jeder Stadt zwei Einnehmer, ebenso bestätigt er die aus Palästina vorgeschlagenen Memunim. Versuche, eine gewisse kollegiale Verwaltung einzuführen, sind zumeist gescheitert. Jeder Einwandernde bringt von dem Nassi eine Bescheinigung mit (Juxten nennt man es), in welcher bestimmt wird, wieviel er jährlich zu beziehen haL Wenn die Einkünfte des Kolel einmal nicht hgich genug sind, erhält der Einzelne nur einen gewissen Prözenfsatz der ihm zustehenden Summe. Die Krone wird dann zu so und so viel Hellern gerechnet. Es kommt wohl auch in manchen Jahren vor, daß die Krone zu mehr als 100 Heller gerechnet wird. Außer dieser vorausbestimmten Summe wird noch eine kleinere Summe nach Kopfzahl ausgezahlt. Weiter existieren noch neun chassidische Kolelim. In der Regel haben die hervorragendsten unter den chassidischen Rabbis ihren eigenen Kolel und sind selber deren Verwalter. Bei den chassidischen Kolelim ist auch die Unterstützung des Rabbi eine sehr regelmäßige Einnahmequelle. Jeder | Rabbi schickt ein- oder zweimal jährlich ein Ver- S zeichnis, welches jedem seiner Chassidim einen j Beitrag anweist, den er aus seiner eigenen Kasse! bestreitet. Der bestorganisierte unter diesen Kolej lim ist Kolel Chabad, dem die Chassidim dieser! Richtung, nicht landsmannschaftlich geordnet, angehören, bei dem die Einrichtung besteht, daß die j Abkömmlinge de* Führer einen größeren Beitrag > beziehen. Da diese chassidische Richtung nur immer einen Sohn auf den Stuhl des Vaters setzt, so ist dies zumeist eine Versorgung der jüngeren Familienmitglieder. Diese chassidischen Kolelim sind: 1. Kolel Wollin; dies ist die Fortsetzung des alten chassidischen Kolels. Der Nassi j ist zumeist der Rabbi von Bojan in der Bukowina, 1 trotzdem die Landsmannschaft eine russische ist. 2. Der Kolel Karlin, 3. Schitomir, 4. Beßarabien. j 5. Kaidonof, 6. Lubaschow, 7. Rumänien, 8. Wal- | lachei, 9. Munkacz, 10. Siebenbürgen. Im Jahre 1866 traten die Kolelim in Jerusalem zu einer Vereinigung zusammen „Waad kob Hakolelim“. Diese Gesamtgemeinde hat es als ihre Hauptaufgabe betrachtet, die Sammlungen in den Ländern zu organisieren, in denen keine Kolelim bestehen. Manche Kolelim sind, dann wieder aus der Vereinigung ausgetreten. Diese Institution hat sehr verschieden zu den verschiedenen Zeiten gewirkt. Manchmal war sie besser organisiert, manchmal schlechter. Jeder Kolel ernannte ein oder zwei Vertreter zu diesem Gesamtgemeindekomifee, dem auch die Funktionen der aschkenasischen Gemeinde zufallen. Es ernennt und besoldet die Rabbiner, verwaltet die Schechitah und nimmt die Interessen der Gemeinde wahr. Als Unterabteilungen werden die Kassen der amerikanischen und afrikanischen Juden geführt und aus ihnen den von dort Eingewanderten ein größerer Beitrag gewährt. Nach diesem sehr kurzen Ueberblick über die! Geschichte der Chalukah interessiert uns auch wohl jetzt die Frage, was aus der Chalukah werden soll?, Es läßt sich ja selbstverständlich sehr viel gegen, sie sagen. Das Schwerste ist wohl, daß sie ein Recht auf Chalukah geschaffen hat, daß von diesem Rechte jeder Gebrauch macht, auch wenn seine Lage es ihm gestatten würde, darauf zu verzichten, daß so das Gefühl bei den palästinensischen Juden erzeugt wird, daß es nicht ehrenrührig ist, Unterstützung anzunehmen. Es ist ferner wirtschaftlich von Schaden, daß durch diese kleinen Beiträge die handwerkerliche und handelswirtschaftliche Konkurrenz in Jerusalem verschleiert wird, daß ein Handwerker in der Lage ist, weii er einen kleinen Chalukahbeitrag bezieht, für Schleuderpreise zu arbeiten und so die nicht Chalukah beziehende Bevölkerung am Aufkommen verhindert. Wir müssen es aber andererseits, anerkennen, daß wir der Chalukah sehr viel zu verdanken haben. Ihr haben wir es zumeist zu verdanken, daß der alte Jischuw im vorletzten Jahrhundert so beträchtlich angewachsen ist. Jerusalem ist durch^die Chalukah; eine jüdische Stadt geworden, und ebenso Safed, Tiberiäs und Hebron. Es geht auch nic&t an, immer

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