Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 14-15 (3.4.1919)
- Date
- 1919-04-03
- Page
- Seite 457-458 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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457 VOLK UND LAND 458 Jahren durcli die Administration hergestellt und sollen auch auf der Pariser Ausstellung von 1900 prämiiert worden sein; gewerbsmäßig fabriziert wurden noch keine, wenn man von einigen Fällen von Marmeladenerzeugung während des Krieges absieht. — Die Lage war nach einer eingehenden Untersuchung vor 10 Jahren folgende:, ein Teil der Rohmaterialien war in zu geringen Quantitäten vorhanden, manche auch zu teuer. In größeren Mengen waren an Früchten in Palästina nur Trauben, Orangen und Aprikosen da, aber an drei verschiedenen Orten, nämlich in Rischon, Petach- Tikwah und Ramleh. Sowohl die Beschränkung auf ein einziges Produkt, als auch der Transport der anderen erschien bei den damaligen Transportverhältnissen nicht angängig. Die Ahlagekosten sind ziemlich hoch, besonders wenn man auch die zur Herstellung der Blechemballage benötigten Maschinen berücksichtigt. Erfahrungsgemäß können Konservenfabriken nur da mit Erfolg arbeiten, wo bei den Pflanzern anderweitig nicht verwertbare Ueberschüsse an Früchten vorhanden und die Erj zeuger gezwungen sind, sie zu niedrigen Preisen j andie Fabriken zu „verkaufen. Das traf auch nicht | einmal für die drei oben genannten Fruchtj arten zu. I Für Palästina wird sich am besten das im i Palästina-Handbuch, 3. Auflage (1912), Seite 223, i geschilderte System eignen, bei dem der einzelne Kolonist seine überschüssigen Früchte mit einem Apparat selbst verarbeitet, der 10 Dollar kostet und von zwei Männern und vier Burschen bedient wird. Vorteilhaft wäre auch hier die genossenschaftliche Organisierung für Maschinenbezug und Warenabsatz, sowie zur gemeinschaftlichen Herstellung der Blechemballage. Auch die landesübliche (evtl, zu verbessernde) Fabrikation von Tomatenpuree ließe sich hiermit verbinden, ebenso die Verarbeitung des sonst viel exportierten sogenannten „Aprikosenleders“ eines billigen, einheimischen Halbfabrikates zu einer hochwertigen Aprikosenmarmelade. Die Genossenschaft könnte auch Schalenöle, z. B. von Orangenschalen, gewinnen und anderes mehr. Sehr vorteilhaft wird eine solche Konservenindustrie, wenn die schon vor dem Kriege geplante, in Palästina besonders aussichtsreiche Zuckerindustrie erst da ist, der ja Zuckerrohr uncf Zuckerrüben zur Verfügung stehen würden, die also nicht auf eine „Kampagne“ angewiesen wäre, wie die meisten Zuckerfabriken in Europa. Im Zusammenhang hiermit ist der älteste und größte Betrieb des Landes, die Weinkellerei in Rischon-le-Zion, zu erwähnen. Erbaut durch den Baron Edrnond de Rothschild, wurde sie vor ca. 20 Jahren von diesem der Winzergenossenschaft zum eigenen Betriebe übergeben. Die früher bestehenden Filialbetriebe gingen mit Ausnahme desjenigen von Sichron-Jakob ein; die judäischen Kolonien transportieren die Trauben größtenteils nach Rischon. Die Verwaltung durch die Genossenschaft „Karmel“ funktionierte zur Zufriedenheit, die für die Trauben vom Keller gezahlten Preise hoben sich. Besonders günstig waren die letzten Jahre vor dem Kriege, als infolge der mehrmaligen Mißernten im französischen Weinbau französische Aufkäufer zu guten Preisen einen erheblichen Teil der Jahresproduktion abnahmen. — Nachdem im vorigen Jahrzehnt der Traubenanbau eingeschränkt wurde, ist jetzt mit einer Vergrößerung desselben zu rechnen, da durch die neue Einwanderung eine Steigerung des Konsums, durch Verbesserung der Transport- und Absatzverhältnisse ein größerer Export, besonders nach Aegypten, das bisher schon 1 der Produktion abnaiim, zu erwarten steht. Auch die Verarbeitung der Trauben für andere Verwendungsarten als fiir Wein, Likör oder Kognak, nämlich für alkoholfreie Getränke, Traubensirup, Rosinen, Alkohol, Zucker usw. kommt für die Zukunft in Betracht. V. Olivenöl — F'i sc hkonserven — R i c i n u s ö 1 — S es a möl. Trotz der großen Erzeugung von Olivenöl — Oel und Seife sind die größten Exportartikel des Landes — wird noch kein feines Tafelöl hergestellt. Eine Fabrik, die sich lediglich mit dem Raffinieren des Oels beschäftigte, würde gewiß rentieren, da I ja bis jetzt sogar französisches Oel importiert wird. Eine besonders lohnende Industrie könnte die j Herstellung der sonst reichlich importierten Fischkonserven werden, zu welcher während des Krieges schon ein guter Anfang gemacht wurde und die im See Kinereth reichlich Material vorfindet. Seit einiger Zeit wird in gesteigertem Maße Ricinus angebaut, aber bisher noch nicht im Lande gepreßt. Die Kultur wird von den sich mit ihr beschäftigenden Kolonisten ,wegen der erzielten guten Erträge sehr empfohlen. Sesam wächst im Lande in vorzüglicher Qualität, wird aber bis jetzt größtenteils exportiert. Die Gewinnung des Oeles geschieht lediglich für den einheimischen Konsum, ist aber großer Ausdehnung fähig, da große Mengen Rohmaterial vorhanden sind. Die Preßkuchen bilden ein gutes Viehfutter. VI. Holzmöbel-Industrie — Fenster, Fensterläden, Türen — Orangenkisten — Holzbaracken. Bei der bevorstehenden großen Einwanderung ist in vielen Gebrauchsartikeln eine gewaltige Steigerung des Konsums zu erwarten. Auch bei der Herstellung von Möbeln wird man wohl jetzt vom handwerksmäßigen zum industriellen Betrieb übergehen. Es gab zwar schon einige geschickte Möbeltischler, aber das Gros machte noch für den europäischen Geschmack Unverwendbares. Zur Verarbeitung gelangten nur importierte Hölzer, während jetzt die Möglichkeit besteht, in wenigen Jahren ausreichend einheimisches Material zur Verfügung zu haben, da ja eine großzügige Anpflanzung von Nutzholz zur Deckung des Holzbedarfs eine der ersten Aufgaben der neuen Gemeinschaft sein wird. Eine erfolgreiche Aufforstung würde auch den andern Holz verarbeitenden Industrien zugute kommen, die jetzt noch größtenteils auf importiertes Holz angewiesen sind, besonders weil durch den Krieg eine große Verwüstung unter den vorhandenen geringen Baumbeständen angerichtet worden ist. Hierher gehört die Herstellung von Fenstern, Fensterläden, Türen und die Fabrikation von Kisten zum Orangenexport, welch letztere allein schon vor dem Kriege für l1/» Millionen Francs importiertes Holz pro Jahr verarbeitete. — Die Fabrikation von transportabeln Holzbaracken würde nicht nur in der ersten Zeit, sonderrf auf die Dauer ein rentables Unternehmen sein, da Baracken in den Hafenorten zur vorübergehenden Aufnahme von Einwanderern und zur Unterbringung von Arbeitern bei Wege- und Eisenbahnbauten usw., bei denen der Arbeitsplatz öfters gewechselt wird, gebraucht werden, ferner bei Oklcupierung neuer Ländereien.