Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 14-15 (3.4.1919)
- Date
- 1919-04-03
- Page
- Seite 455-456 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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455 .=■■■■■■= VOLK UND LAND =--^=: " ' t=:-— .=.= ■ ■-=■ ■ 456 zehnten in Jessod-ha-maalah am Meromsee betrieben und von einigen dabei tätigen Leuten später in Petliach-Tikvvah fortgesetzt; ein paar Kolonisten in Artuf, im Gebirge Jehudah befaßten sich noch vor einigen Jahren damit. Auch sonst finden sich in einer Reihe von Kolonien Destillationsapparate ,— ein Beweis, daß an manchen Stellen der Versuch der Herstellung von Blumenölen gemacht worden ist. An wildwachsenden Pflanzen wurde besonders Thymian verarbeitet, ferner die kleinen, gelben Blütenbälle der acacia farnesiana, die als Hecke viel benutzt wird. An angebauten Blumen handelte es sich hauptsächlich um Geranium, das auch noch zur Zeit der alten Administration in Pethach- Tikwah kultiviert wurde. In den letzten Jahren vor dem Kriege arbeitete vorübergehend ein Chemiker in Rosch-Pinah und ein französischer Unternehmer im Karmelgebirge und in Akka. Der Betrieb der Administration beruhte nie auf kaufmännischer Basis, sondern auf wohltätiger und brachte darum naturgemäß nichts ein; audh wo die Administration das Material von den Kolonisten kauften, arbeiteten diese nicht auf eigenes Risiko. Die Einzelunternehmer, mit Ausnahme des Franzosen, litten dauernd an Kapitalmangel und hatten gewöhnlich keine Verbindungen im Ausland, um ihr Produkt direkt dorthin absetzen zu können. Sie mußten mit geringem Nutzen an einheimische Zwischenhändler verkaufen und kamen deshalb nicht vorwärts. Ein geplanter größerer Versuch scheiterte daran, daßi man bei den wildwachsenden Pflanzen auf die arabischen Sammler angewiesen blieb, und ein einigermaßen sicherer Ueberblick über das verfügbare Material, besonders über dessen Quantität nicht zu erlangen war. Aus der Lieferung von Geranium wurde nichts infolge der Unzuverlässigkeit der in Betracht kommenden Kolonisten, die durch die alte Administration verdorben waren. Es scheint außer Zweifel, daß die gegebene Methode für Palästina, die in den französischen alpes maritimes angewendete' ist, die Davis Trietsch vor 10 Jahren im ‘Palästina-Handbuch schilderte: ein tragbarer Destillationsapparat |wird auf ein Maultier geladen und der „Fabrikant“ sucht selbst die in Betracht kommenden Gebiete nacheinander auf. Im Rahmen dieser Methode wäre ferner die genossenschaftliche Organisierung der Produzenten zu empfehlen, für gemeinsame Beschaffung der Apparate und den Verkauf der Oele nach Europa unter Ausschaltung des Zwischenhandels. Besonders landeskundige Kolonistensöhne und Arbeiter würden sich für diese Arbeit eignen, die ja nicht das ganze Jahr in Anspruch nimmt. H. Tc x t i 1 -1 n du s t r i e: Seidenbau — B a u m vv o 11 b a u — Schafwolle. Seidenbau und Seidenspinnerei wurde ebenfalls durch die Rothschildsche Administration vor längerer Zeit in Rosch-Pinah betrieben; in der Spinnerei sollen 150 Arbeiter, vorzugsweise aus Safed, beschäftigt worden sein. Der Grund des Mißerfolges ist wohl auch hier der Mangel der kaufmännischen Basis gewesen, doch hörte ich von anderer Seite noch von einer übermäßigen Besteuerung des Seidenbaues durch die türkische Regierung. Im Libanon war vor dem Kriege die Maulbecrkultur die Grundlage des Wohlstandes der außerordentlich dichten Bevölkerung; die erste Laubernte wurde an die Seidenwürmer, die zweite an das Rindvieh verfüttert, das von einer besonder^ guten Rasse und weit besser als das palästinensische war. Das einer neuerlichen Einführung des Seidenbaues in Palästina entgegenstehende Bedenken der billigen ostasiatischen Konkurrenz ist schon kürzlich in dieser Zeitschrift durch einen Hinweis darauf zerstreut worden, daß jetzt in Oberitalien neue Methoden angewendet werden, die den erfolgreichen Wettbewerb auf die Dauer gewährleisten. Uebrigens wurde bisher der größte Teil der Cocons nach Frankreich exportiert, während die Begründung von neuen Spinnereien und Webereien jetzt durchaus möglich erscheint. Baumwolle wird in Palästina gegenwärtig nur in kleinem Umfange angebaut, obgleich cs viele Gegenden gibt, in denen dies mit gutem Erfolge geschehen könnte; die erzielte Qualität ist von europäischen Fachleuten als sehr gut anerkannt worden. — Während desi amerikanischen Sezessionskrieges entstand in Palästina infolge der günstigen Konjunktur in kurzer Zeit eine sehr bedeutende Baumwollproduktion, die leider nach dem Kriege schnell wieder einging. Gegenwärtig dürfte eine neuerliche Ausdehnung des Anbaues besonders gewinnbringend sein und auch wenn die durch den Krieg geschaffene Lage des Weltmarktes sich ändert, wird die Baumwollkultur immer noch sehr lohnend bleiben. Die Begründung von Baumwollspinnereien und Webereien würde sich in kurzem rentieren, da ja auch gelernte Arbeitskräfte unter den Einwanderern wohl reichlich zur Verfügung stehen. Bis jetzt wurde das Produkt in Palästina lediglich entkernt und dann exportiert. Ein Mangel, der bisher einer Ausdehnung der Kultur im Wege stand, war in Palästina wie in anderen Ländern der Umstand, daß man zur Ernte zahlreiche Arbeitskräfte benötigte, die das Produktsehr verteuerten. Jetzt können durch Anwendung einer Baumwollpflückmaschine die Kosten auf ein Drittel, die zum Pflücken notwendige Zeit auf ein Sechstel gegenüber dem Handbetrieb herabgedrückt werden (nach Trietsch: „Jüdische Emigration und Kolonisation“). Das Land produziert in großer Menge Schafwolle; da Schafzucht in Palästina schon immer als sehr gewinnbringend galt, ist in naher Zukunft auf eine bedeutende Ausdehnung dieses bisher sehr primitiv betriebenen Wirtschaftszweiges zu rechnen. Auch eine Verbesserung durch Einführung anderer Wollschafrassen und eines rationellen Futteranbaues ist in Aussicht genommen. Der Verarbeitung des bisher lediglich exportierten wichtigen Rohprodukts in eigenen Fabriken steht nichts mehr im Wege. In Nordsyrien besteht eine einheimische Webindustrie, * deren Zentren besonders Damaskus, Horns, Hama und Aleppo sind. Die Erzeugnisse sind ziemlich primitiv, europäische Leiter und moderne Maschinen sind noch unbekannt. III. Tabakbau: Zigaretten-Industrie. Tabakbau wurde vor einer Reihe von Jahren bereits in Palästina betrieben; unter dem türkischen Regime bestand aber bekanntlieh das Monopol der „Tabakregie“, und daher ein Verbot der Zigarettenfabrikation; jetzt wird wohl die Wiederaufnahme der Tabakkultur nicht auf sich warten lassen und der Anlegung von Zigarettenfabriken nichts mehr im Wege stehen, für die ja unter den Einwanderern gewiß gelernte Arbeitskräfte reichlich zur Verfügung sind. IV. Konserven - Industrie: Orangenschalenöl — Zuckerindustrie — Weinkelterei und Nebenbetriebe. Eine viel ventilierte Frage war in Palästina schon lange die Begründung von Konservenfabriken. Fruchtkonserven wurden schon vor 20