Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 14-15 (3.4.1919)
- Date
- 1919-04-03
- Page
- Seite 453-454 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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453 VOLK UND LAND 454 Gruppen eingeteilt, die, je nach der Gesamtzahl der Schülerinnen, bis zu 15 Teilnehmerinnen zählen, und die sich in den verschiedenen Unterrichtsfächern abwechseln. Bei beispielsweise drei Gruppen hat jede zweimal wöchentlich vormittags Kochen, verbunden mit Nahrungsmittellehre, zweimal Tierzucht und Zoologie, zweimal Gartenbau und Botanik. Die anderen Unterrichtsstunden fallen in gleichartiger Verteilung in die Nachmittagsstunden. — Natürlich ist eine solche Anstalt nicht auf 45 bis 50 Schülerinnen beschränkt. Bei einer entsprechend größeren Zahl von Wohn- und Arbeitsräumen, bei ausgedehnterer Gartenfläche ließe sich die Teilnehmerinnenzahl leicht um ein Vielfaches erhöhen. — Für jede Schülerin würde sidi täglich eine sieben- bis achtstündige Arbeitszeit ergeben; außerdem müßten sie abwechselnd kleine Aemter verwalten, die zur Aufrechterhaltung der Hausordnung nötig sind, so die Sorge für die nicht in der Schulküche bereiteten Nebenmahlzeiten, für täglich wiederkehrende kleinere Beschäftigungen im Garten und in den Ställen. Dabei muß jeder einzigen Zeit genug bleiben, um sich zu erholen, jum ihre persönlichen Angelegenheiten zu erledigen, pm sich für den Unterricht vorzubereiten oder das dort Besprochene zu wiederholen. Der Sonnabend ist natürlich frei, und außerdem möglichst noch ein Nachmittag in der Woche, der in der schönen Jahreszeit zu gemeinsamen Spaziergängen benutzt werden sollte. Anläßlich der Feste gibt es kürzere Ferien, und einmal jährlich, am besten nach vollständiger Einbringung und Verwertung der Obst- und Gemüseernte, tritt eine vierwöchige Pause ein. In dieser Zeit übernehmen die Lehrerinnen abwechselnd die Aufsicht über die zu erledigenden. Arbeiten; einige Schülerinnen werden zur Hilfe immer da sein. Wie die ganze Anstalt einem großen Haushalte gleichen soll, so müssen auch Lehrerinnen und Schülerinnen eine wahrhafte Familie bilden. Das Verhältnis darf nicht das wie zwischen Vorgesetzten und Untergebenen sein. Die Lehrerinnen sollen den ihnen Anvertrauten ihre Erfahrungen mitteilen, wie Mütter es bei ihren Kindern tun. Die Disziplin wird darunter nicht leiden, sie wird nur nicht erzwungen, sondern freiwillig sein. Die Lehrerinnen sollten sich auch nicht davor scheuen, in ihren freien Stunden in anderen Unterrichtsfächern als Lernende Schulter an Schulter mit den Mädchen zu arbeiten. Warum sollte beispielsweise die Handarbeitslehrerin nicht auch zu Hacke und Spaten greifen, wenn die Schülerinnen darin unterwiesen werden. Die Mahlzeiten werden natürlich gemeinsam eingenommen. An den Abenden sollten sich alle Hausbewohner zwanglos zusammenfinden, um zu plaudern, zu lesen und Handarbeiten zu machen, um zu singen und ein- oder zweimal wöchentlich um zu turnen. In kleineren Abständen sollte den Mädchen auch Gelegenheit gegeben werden, ihre Wünsche in bezug auf den Unterricht und die Anstaltseinrichtungen und etwaige Beschwerden zu. äußern. Auf keinen Fall sollte die Kritik der Schülerinnen unterdrückt werden. Zur freudigen Belebung der Arbeit sollten auch dann und wann kleine Feste veranstaltet werden. Von gemeinsamen Spaziergängen habe ich schon an anderer Stelle gesprochen. Tage wie -Chanukah, Chamischah Assar b’Schwat und Purim könnten zu kleinen Feiern benutzt werden, an denen auch Außenstehende als Gäste teilnehmen. Alles, die Anleitung bei der Arbeit sowohl wie das persönliche Zusammenleben, sollte darauf hinzielen, den Mädchen dieses Dienstjahr so lieb wie möglich zu machen. Manche werden nur gezwungen dorthin kommen; ihre Unlust muß in freudiges Tun verwandelt werden. Die Erinnerung an die Haushaltungsschule muß für sie eine schöne sein für ihr ganzes Leben. Denn gleich der Liebe zu dieser Anstalt wird auch die Liebe zu der Arbeit sein, die sie dort gelernt. Kenntnisse und Fertigkeiten in der Hausarbeit sind Notwendigkeiten; wahre Werte stellen Sie erst dar, wenn sie mit Liebe angewandt werden. Damit ist das Erziehungsideal der Haushaltungsschulen gegeben. Wenn uns seine Verwirklichung gelingt, werden, wir um einen großen Schritt vorwärts gekommen sein. Dann werden viele die Hausarbeit, die so lange bei den palästinensischen Frauen verpönt war, zu ihrem Beruf machen; dann werden die Frauen ihr Hauswesen richtig verwalten; dann werden Mütter an ihren erwachsenen Töchtern eine wertvolle Stütze haben, und diejenigen, für die im' Elternhause kein Raum mehr ist, werden auch gern bereit sein, in einem fremden Hause, ganz gleich welchen Umfangs, zu helfen. Natürlich muß ihnen dabei eine würdige Stellung gesichert sein. Aber darüber zu sprechen rpuß an dieser Stelle unterlassen "bleiben. ZUR FRAGE DER INDUSTRIELLEN KOLONISATION Von Ernst Im Nachstehenden soll versucht werden, einiges Material über industrielle Unternehmungen in Palästina beizubringen, unter besonderer Berücksichtigung solcher, die in der Vergangenheit teils begonnen und wieder aufgegeben, teils nur projektiert worden sind. Es wäre zu prüfen, an welchen Hindernissen die ersteren scheiterten und wodurch die letzteren nicht zur Ausführung gelaugten. Dabei muß von vornherein bemerkt werden, daß das Haupthindernis der industriellen und jeder anderen Entwicklung in Palästina, die türkische Regierung, beseitigt ist, sodaß manche, vielleicht sogar alle hier behandelten Projekte jetzt in die Praxis über- Herrmann. geführt werden können. Es haben sich im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Erfahrungen ergeben, unter deren Benutzung die zahlreichen neuen Interessenten eine wesentlich leichtere Arbeit haben werden, als diejenigen der verflossenen Kolonisationsperiode. Ueberaies werden voraussichtlich durch die zu erwartende gewaltige Einwanderung in bezug auf Produktion und Konsumtion vollkommen neue und weit bessere Verhältnisse geschaffen. I. Aetherische Oele. Die Fabrikation ätherischer Oele wurde durch die Rothschildsche Administration vor einigen Jahr-