Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 14-15 (3.4.1919)
- Date
- 1919-04-03
- Page
- Seite 449-450 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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449 sten und den landwirtschaftlichen Arbeiter ist eine tüchtige Hausfrau geradezu die Existenzfrage. *) In sanitärer Beziehung werden wir die Ausrottung der Volksseuchen nur erreichen können, wenn die jüdische Hausfrau zu hygienischer Lebensführung erzogen worden ist. Diese kurze Uebersicht über die sanitären Aufgaben der Frauenarbeit in Palästina zeigt uns also ein gewaltiges Tätigkeitsgebiet, das auch gewaltige 450 materielle Mittel erfordern wird. Diese Mittel kön- | nen und müssen aufgebracht werden. Nötig ist | dazu, daß die Arbeit des Verbandes., wie jetzt aller in Palästina tätigen Körperschaften, auf eine neue j und breite Basis gestellt wird, und daß sich Frauen | in der Diaspora finden, die die soziale Fürsorge in Palästina zu ihrer Lebensaufgabe machen. Am Erfolg wird es ehrlicher Anstrengung niemals fehlen. VOLK und LAND DIE HAUSWIRTSCHAFTLICHE FRAUENSCHULE IN PALAESTINA Von Johanna Thomasche wsky. Die zionistische Hoffnung steht vor der Erfüllung. Nicht lange mehr, und wir werden in Wahrheit das Land betreten, nach dem unser Herz sich immer gesehnt, das zu erreichen uns aber kaum mehr als ein schöner Traum erschien. Jetzt ist er zur Wirklichkeit geworden, und nun heißt es, sich rüsten für das Leben in der neuen, alten Heimat. Dessen muß sich jeder bewußt sein, daß nicht Glück im landläufigen Sinne unser harrt. Auf Wohlstand upd Behaglichkeit haben wir dort nicht zu rechnen. Ernsteste Arbeit ist das Los, das wir freiwillig gezogen haben. Es gilt vorerst, den Boden zu bereiten, damit spätere Geschlechter gute Früchte ernten können. Mit welcher Art der Arbeit kann man Erez Israel am besten dienen? Das ist die Frage, die jetzt überall in unseren Kreisen gehört wird, und die Antwort darauf ist bestimmend für die Lebenseinstellung unserer jungen und jüngsten Zionisten. Palästina ist von jeher ein Acker- und Gartenland gewesen. Der Sinn unserer Zeit ist auf die Rückkehr zur Natur gerichtet. Diese beiden Umstände zusammen haben es bewirkt, daß der Wille zur Landwirtschaft sich bei unserer Jugend durchgesetzt hat. Eine stattliche Zahl derer, bei deren Berufswahl der Gedanke an Palästina schon mit entscheidend war, geht heute hinter dem Pfluge her, besorgt mit wahrer, innerer Anteilnahme die einfachsten bäuerlichen Verrichtungen. Jungen und Mädchen ziehen so hinaus, die Verbrüderung mit der Erde vorzunehmen. Schön ist der Entschluß und noch schöner die Tat. Aber man sollte sich doch nicht urteilslos von dem Strom mit fortreißen lassen. Ich sehe in der alleinigen Hinlenkung der Mädchen zur Landarbeit eine Gefahr. Abgesehen davon, daß nur wenige den körperlichen Anforderungen gewachsen sein werden, die bei der Schwere der Arbeit und bei den ungewohnten klimatischen Verhältnissen an sie herantreten, ist auch zu befürchten, daß andere für die Frau geeignetere Arbeitsgebiete dadurch vernachlässigt werden zum großen Schaden der allgemeinen Lebensführung. Ich denke dabei hauptsächlich an die hauswirtschaftliche Tätigkeit der Frau, und diesem Thema soll mein Aufsatz besonders gewidmet sein. Das Wohl und Wehe eines Hauses hängt von der Hausfrau ab. Ihr Geist durchweht das ganze *) Vergl. die Ausführungen von Frau De. Maisei Schochat in „Volk und Land“, Sp. 161 ff. Haus. Eine rührig schaffende Frau erzieht durch ihr Vorbild alle Hausgenossen zu gleichen Qualitäten. „Ein wackres Weib, wie glücklich, wer es findet. Weit über Perlen geht ihr Wert. Auf sie vertrauet ihres Gatten Herz, und an Gewinn fehlt es ihm nicht. Sie überwacht das Tun und Treiben ihres Hauses und Brot der Faulheit ißt sie nie.“ So singt schon Salomo das Lob der tugendsamen Hausfrau. Die gegenteiligen Schlüsse zu ziehen, bleibt jedem überlassen, solange er selbst noch keine Erfahrungen darin gemacht hat. Uns aber sollte es daran wohl kaum noch fehlen; denn zahlreich sind die Berichte über Mißstände in den palästinensischen Kolonien, deren Begründung großenteils in der Interesselosigkeit und der Unfähigkeit der Hausfrauen liegt. Diesem Uebel muß abgeholfen werden. Und man dürfte dabei wohl kaum auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen. An uns, die wir jetzt den festen Willen haben hinüberzugehen, ist es, das gute Beispiel zu geben. Wir müssen die Zeit, die uns hier noch bleibt, benutzen, um uns hauswirtschaftliche Kenntnisse anzueignen, um hauswirtschaftliche Fertigkeiten zu erlangen. Gute Schulen in Städten und auf dem Lande geben hier reichlich Gelegenheit dazu, und zu ihnen sollten wir jetzt unsere jungen Mädchen in großer Zahl schicken, hierauf sollten wir bei der Berufsberatung unser Hauptaugenmerk richten. Es werden sich drüben die verschiedensten Möglichkeiten zu hauswirtschaftlicher Betätigung bieten. Manches Mädchen wird dort bald einen eigenen Haushalt gründen wollen. Dann sollte sie die Kraft haben, ihn mustergültig einzurichten und weiterzuführen. — Man denkt an die Schaffung großer landwirtschaftlicher Siedlungen, an denen sich vornehmlich ganz junge, unverheiratete Leute beteiligen sollen. Da gilt es, Gemeinschaftshaushalte zu begründen, dicden Arbeitern die Sorge für Verpflegung, für Reinerhaltung der Kleidung und der Wohnstätten abnehmen, und ‘die imstande. sind, ihnen nach schwerer Arbeit ein notwendiges Maß von Behaglichkeit zu bieten. Solche Anstalten in rechter Weise zu leiten, wird eine dankbare Frauenaufgabe sein; denn von ihrem ‘Gelingen wird die Durchführung des ganzen Planes abhängig sein. Aber Gele, geübte Frauenhände müssen dabei am Werk sein. Der gute Wille ist zwar eine wesentliche Voraussetzung, aber zum Erfolge führen kann ör nur in Gemeinschaft mit tatsächlichen Kenntnissen und Fähigkeiten. Ein Gleiches ist zu be-