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Volk und Land · 1919-04-03 · Heft 14-15 (3.4.1919) · p. Seite 447-448

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 14-15 (3.4.1919)
Date
1919-04-03
Page
Seite 447-448 (sequence 18)
Language
German
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447 VOLK UND LAND 448 d e s T r a c h o ms undderMalari a liegen. Hier wird sic vor allem als S ch u 1 s c h w e s t e r eine* Rolle spielen; denn der Schlüssel zur Bekämpfung vor allem des Trachoms liegt in den Kindergärten und der Schule. Für die dauernde Kleinarbeit wird hier die Schwester, die unentbehrliche1 Gehilfin des Schularztes werden. Es muß auch grundsätzlich verlangt werden, daß das Lehrpersonal und besonders die Kindergärtnerinnen in besonderen Kursen, die an Ausbildung der Schwestern a«gegliedert werden können, zum Verständnis der eminenten sozialen Bedeutung der sanitären Fragen in Palästina erzogen werden. Ein weiterer großer Zweig der sanitären Frauenarbeit liegt im Ausbau des Hebamme n w e s e n s. Im ganzen sieht es mit diesem Berufe in Palästina noch (recht ttübe aus. Ungleichheit der Ausbildung, Mangel praktischer Erfahrung vor der Niederlassung, ungenügende Entlohnung, Mängel der technischen Ausrüstung und ihrer Ergänzung, drücken den Stand herab. Es gibt schon jetzt vereinzelt ganz ausgezeichnete jüdische Hebammen in Palästina. Im ganzen aber kann es nur besser werden, wenn offentlich(erFürsorge stark eingreift. Ueber die große Bedeutung der Frage für die •Volksgesundheit braucht kein Wort verloren zu werden. Zunächst ist es nötig, daß Gelegenheit zu gründlicher Ausbildung geboten wird. Hierzu müssen in mehreren der großen Städte an den Krankenhäusern besondere Gebärstationen geschaffen werden. Das wird nur möglich sein durch größere Subventionen, damit durch materielle Erleichterungen der bisher ganz seltene Eintritt ins Krankenhaus zur Geburt ermutigt wird. Nur wrenn so genügend Geburten zur Beobachtung kommen, wird man dazu übergehen können, systematische Hebammen-Lehrkurse einzurichten. Die Tätigkeit als Hebamme muß an eine strenge Konzessionspflicht gebunden sein. Bedingung .zur Zulassung ist das Prüfungszeugnis eines solchen Lehrkurses. Bei ausländischen Zeugnissen, deren Herkunft nicht immer sicher zu beurteilen ist, empfiehlt sich eine nochmalige Ueberprüfung. Die zugelassene Hebamme wird aber ihrerseits auch einen Anspruch auf eine erträgliche Existenz geltend machen können. Das Amt ist von so großer öffentlicher Bedeutung, daß die Hebamme als Beamte wenigstens ein Grundgehalt empfangen muß. Um die persönliche Tüchtigkeit zur Geltung kommen zu lassen, wird man daneben Entlohnung im Einzelfall nach festen Sätzen zubilligen. Ich bin durchaus der Meinung, daß, im Gegensatz zu den veralteten und oft unwürdigen Zuständen in Deutschland, die tüchtige Hebamme eine gebildete und mit dem Fortschritt der medizinischen Wissenschaft immer wieder weitergebildete Frau sein muß. Schon aus dem bisher Gesagten geht die große Bedeutung eines Ausbaues des Krankenli ausvvesens hervor. Hier müssen vielfach ganz neue Grundlagen geschaffen werden. Die Unterhaltung der bisher in Palästina bestehenden jüdischen Krankenhäuser beruht auf einem System freiwilliger Spenden, wobei jedes einzelne Institut ganz isoliert sich ein Budget zu beschaffen sucht. Die- ' ses System ist unwürdig und unzureichend. Viele der Hospitäler sind gerade in Zeiten starken An- I dranges genötigt, aus Geldmangel ihre Pforten zu schließen, und fast kein einziges kann den Anspruch erheben, zeitgemäß eingerichtet und modern { verwaltet zu sein. Hier gilt es durchgreifend zu | bessern. Solange das jüdische Gemeinwesen nicht! stark genug ist, seine Krankenhäuser aus öffent- , liehen Mitteln zu unterhalten, wird der privaten , Fürsorge noch ein weiter Spielraum bleiben. Aber sie muß durch dazu berufene Organisationen — und dazu gehört vor allem der Frauenverband — zentralisiert und organisiert werden. Dem unwürdigen System der Spendenjagd jedes einzelnen Instituts muß durch geordnete, feste Subvention i e r u n g ein Ende bereitet werden. Vielleicht wird es das Zweckmäßigste sein, eine besondere, große und geldkräftige Gesellschaft zu begründen, die sich die Unterhaltung und den Ausbau des jüdischen Krankenhäuswesens in Palästina zum einzigen Ziel setzt. Es sollte, meine ich, nicht allzu schwer sein, dann auch für größere Einzelaufgaben, wie Neubauten, Vergrößerungen, Neueinrichtungen, die erforderlichen, beträchtlichen Mittel heranzuschaffen. Einzelne Gruppen des Frauenverbands oder dieser neuen Gesellschaft müßten das Patronat für bestimmte Institute übernehmen und alle ihre Kräfte für diese Aufgabe einsetzen. Ebenso wichtig ist die Anlage und der Ausbau von P o 1 i k I i n i k e n. Auch hier gibt es bisher nur winzige Anfänge. Für die öffentliche Gesundheitspflege aber ist es von ungeheurer Bedeutung, besonders zur Bekämpfung der endemischen Krankheiten, daß in allen größeren Städten Jgut eingerichtete und geleitete jpoliklinische Betriebe, auch für bestimmte Spezialfächer in Tätigkeit sind. Die Kosten solcher Einrichtungen sind nicht unbeträchtlich, da durch angemessene Bezahlung der Acrzte und des Hilfspersonals die grauenhaften Zustände, wie sie bei der ärztlichen Versorgung durch die Chaluke bestehen, vermieden werden. Am dringlichsten sind außer allgemeinen medizinischen Polikliniken solche für Augenkrankheiten, für Säuglingspflege, für Frauen- und für Hautleiden. Es sei endlich noch ein Arbeitsgebiet des Frauenverbandes erwähnt, dessen sanitäre Bedeutung außerordentlich groß ist: das ist die Erziehung der jüdischen Frau in Palästina zu vernünftiger Hauswirtschaft. Hier fehlt es heute vorläufig noch vielfach an den einfachsten Grundlagen. Die allgemeine Sauberkeit des Hauses, die Hvgiene der Küche, dje zweckmäßige Zubereitung der Nahrung, die Kunst der Konservierung von Nahrungsmitteln — all dies und vieles andere muß noch von Grund auf gelehrt werden. Dazu käme noch die Hygiene der Kleidung und Wäsche, die Kinderpflege, die einfachsten Handgriffe häuslicher Krankenpflege. Man begreift die gewaltige Bedeutung aller dieser Dinge für die Volksgesundheit; aber bisher ist so gut wie nichts geschehen, uüi mittelalterlichen Schmutz und Aberglauben aus den Häusern der ärmeren jüdischen Bevölkerung zu vertreiben. Hier kann nur ein energischer häuswirtschaftlicher Unterricht durch Haushaltungsschulen und Musterbetriebe in den Städten und auf dem Lande Abhilfe schaffen. Tür den Koloni-

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