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Volk und Land · 1919-04-03 · Heft 14-15 (3.4.1919) · p. Seite 445-446

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 14-15 (3.4.1919)
Date
1919-04-03
Page
Seite 445-446 (sequence 17)
Language
German
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445 VOLK und LAND 44b Unmittelbar nach Regelung unserer gesetzlichen Befugnisse müssen Scharen ungelernter Ar beiter unter Führung von Fachleuten zum Aufbau provisorischer Unterkunftsräume im Einvvanderungshafen entsandt werden. Sofort nach deren Beendigung müssen diese Gruppen, eventuell vermehrt durch vorsichtig organisierten Zuschuß, im Lande Unterkunft vorbereiten, und drei Monate nachher muß die erste Gruppe mit dem festen Ziel ihrer Aufgabe das Land betreten. Jedoch hier j dürfen wir der Initiative des Siedlungsamtes nicht .! vorgreifen. Bauen aber sollten wir lieber heute als morgen. Die geschlossenen Transporte sind, wo es die Ausdehnung des Landes notwendig macht, vom Auswanderungsamt über Etappen zu leiten und demnächst zum Auswanderungshafen. Wie sagt doch Herzl so schön: „Jede Gruppe hat ihren Rabbiner.“ Ein wunderbarer Gedanke, aber ich fürchte, die Wirklichkeit wird sich mit einem Weniger begnügen müssen. Wir brauchen jeweils eine vom Amt mit allen erforderlichen Instruktionen i für den Einzeltransport versehenen Begleiter, j der den Emigranten für den eigentlichen Transport! jede Last und jedes Denken abnimmt. Dieser j Posten wird nur von solchen Personen besetzt werden können, die über ein gründliches Wissen in allen einschlägigen Fragen verfügen und außerdem rechtlich als Vertreter entweder des jeweiligen j Ausw'anderungsamtes oder des Einwanderungsj amtes auftneten können. Daß im übrigen die ver- I hältnismäßig kurzen Transporte noch viel Zeit für eine geistige Vorbereitung der mit neuen Eindrücken lind vielerlei Erregungen belasteten Emigranten übrig lassen, will mir nicht scheinen. Die Hebung der ,,Stimmung“ müßte wohl schon früher erfolgen. Doch wäre es wohl schön, wenn jede Gruppe einen wirklichen Rabbiner hätte. Das Auswanderungsamt soll auch — soweit nicht der Transport in eigener Regie in Betracht kommt — die Transport vertrage mit den Schiffsgesellschaften abschließen. Hierfür wäre ein einheitliches, den Einwanderungsgesetzen angepaßtes Schema aufzustellen. Ueber die Art der Verträge lassen sich zu gegebener Zeit noch viele Vorschläge machen. Ganz nebenher sei noch erwähnt, daß sich die Auswanderungsämter durch Nichtemigranten, d. h. Besucher, 3tudienreisende, aus der Errichtung eines Verkehrsamtes usw. eine ganz brauchbare Einnahmequelle schaffen könnten. Es wird ja bald modern werden, eine Palästinareise zu machen. Geb’s Gott, daß das neue Gesetz nicht so lang wird, wie dieser Aufsatz. Es läßt sich aber manches kürzer erledigen, wenn über die Praxis der eigentlichen Wanderungs- und Transportfrage erst etwas mehr Klarheit geschaffen wird. Diese Ausführungen wollen etwas dazu helfen. Außerdem wollen sie mittelst einet^ kleinen Auslese aus Praxis und persönlichen Erfahrungen vor der Unterschätzung dieser Probleme warnen. SANITAERE AUFGABEN IN PALAESTINA Von Dr. Elias Auerbach (Haifa). Mit dem zu erwartenden Anwachsen der jüdischen Siedlung in Palästina entstehen dem Jüdischen Frauenverbamd große Aufgaben. Hier will ich nur diejenigen erwähnen, die auf sanitärem Gebiete liegen. Das Wichtigste i t die Organisation des | Krankenschwesternstandes. Bisher mußden die jüdischen Krankenhäuser ihre Schwestern aus Europa nehmen, nur hie und da konnte daneben ein besonders geeignetes Mädchen aus dem Lande selbst zur Hilfsschwester ausgebildet werden. Das ergab ungesunde Zustände. Es muß die Möglichkeit zur Ausbildung von Schwestern im Lande selbst geschaffen werden. Dazu wird es nötig sein, daß der Verband in dauernder Verbindung mit den jüdischen Krankenhäusern in Palästina steht, um einen Ueberblick über vorhandene Lehrstellen und offene Schwesternstellen zu haben. Den .Krankenhäusern, die zur Ausbildung von Schwestern bereit sind, müssen für die Lehrzeit (1—1U> Jahre) Subventionen für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden. Für später wäre die Begründung einer i besonderen Schwesternschule in Jerusalem I ins Auge zu fassen. Sehr wünschenswert ist auch j die Schaffung von Kursen ebenfalls in Jeruj salem — zur Ausbildung von Laborantinnen und Apothekenschwestern.; Wichtig ist es, von Anfang an die Organisierung der Schwestern in die Hand zu nehmen. Sie müssen zu einem Verband oder Orden zusammengefaßt werden, der sich um ihre persönlichen und-i>eruflichen Verhältnbse kümmert. Eine leitende, erfahrene Schwester muß sich ganz diesen Aufgaben widmen können. Ein Schwesternheim muß begründet werden, das allen i Schwestern des Landes zur Erholung von ihrer schweren Berufsarbeit die Möglichkeit bietet und auch den Schülerinnen bis zu ihrer festen Anstellung Unterkunft gewähren kann. An den Orden ist eine Versicherung für den Krankheits- und Erwerbsunfähigkeits-Fall anzugliedern. Der Orden muß auch für die Fernhaltung und Ausscheidung ungeeigneter Elemente sorgen. Ist die Organisation einmal gut durchgeführt, so w'ird dann durch ihre Hand die ganze Verteilung und Anstellung von Schwestern gehen. Außer an Krankenhaus-Schwestern wird ein starker Bedarf an Gemeindeschwestern eintreten. Sie dienen in den Kolonien vor allem der Krankenpflege; in den Städten werden sie außer der Privatkrankenpflege auch große andere Aufgaben in der sozialen Fürsorge zu übernehmen haben. Das Wichtigste wird die Sauglingsj f.ü rs o r ge sein. Heute ist die Säuglingssterblich- | keit in Palästina noch erschreckend hoch, und darum | der Kampf gegen sie eine der dankbarsten und j größten Aufgaben. Er wird vor allenf durch Säuglingsfürsorgestellen, Beratungsstellen für Mütter, | dann aber auch durch Anleitung zu vernünftiger Säuglingspflege von Haus zu Haus zu: führen sein. — In ganz ähnlicher Richtung wird die Arbeit der Gemeindeschwester bei der Bekämpfung

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