Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-03-20 · Heft 12-13 (20.3.1919) · p. Seite 401-402

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 12-13 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
Seite 401-402 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649288--0266-2649609
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

401 VOLK UND LAND 402 — Den deutschen Unterhändlern zur Friedenskonferenz wurde eine Unterkommission für jüdische Angelegenheiten beigegeben. Die Kommission besteht aus Prof. Sobernheim (Vorsitzender des Komitees für den Osten und Referent für jüdische Angelegenheiten im Auswärtigen Amt), Geheimrat Dr. Fuchs (Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens), Richard Lichtheim (ehemaliger Vertreter der Zionistischen Organisation in Kgnstantinopel). — In der 17. Sitzung der deutschen Nationalversammlung vom 28. Februar hielt der unabhängige Sozialdemokrat Dr. Osdar Cohn eine Rede, in der er unter anderm sagte: „Die fremdsprachlichen Teile des Volkes müssen durch die Verfassung geschützt werden. Es fragt sich, ob nicht auch die nationalen Mindei hei ts rechte der Juden in der Verfassung niedergelegt werden. Die Hauptsache ist, daß der Sozialismus auch in die Gesinnung aller! Volksglieder dringt.“ I WIRTSCHAFT Englischer Wirtschaftsbericht „Board of Trade Journal“ vom 13. 2. 19 beschäf tigt sich eingehend mit den Wirtschaftsverhältnissen in Syrien und Palästina und führt u. a. aus: Die Länge der Schienenwege in diesen Ländern beträgt 2080 km, abgesehen von den Kleinbahnen, die von den britischen Expeditionstruppen errichtet wurden. Vielfach wurden die Bahnen im Laufe der Operationen beschädigt. Die Verwaltung der französischen Linien durch die Türken während des Krieges wird erhebliche Schadensvergütungen an diese Gesellschaften erfordern. Immerhin bleibt in Syrien und Palästina ein Eisenbahnnetz bestehen, das gegenüber der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder einen Vorsprung hat, und in dieser Beziehung sind die beiden Länder in günstigerer Lage als Mesopotamien. Im Einklang mit der Fortentwicklung der Länder müssen Lokalbahnen errichtet und die Häfen Alexandrette, Haifa und Jaffa ausgebaut werden. De Bagdad- Bahngesellschaft besitzt eine Konzession für Alexandrette; für Haifa und Jaffa wurde im Jahre 1913 eine Konzession an Frankreich erteilt. De Aussichten für die Verwendung von Wasserkraft zur Elektrizitätserzeugutlg sind günstig, um' so mehr als von allen syrischen Städten nur Beirut und Damaskus elektrische Anlagen besitzen. Für die Ent- und Bewässerung muß viel geschehen, um die Landbebauung voll durchzuführen. Verschiedene Industriezweige, deren Rohstoffe im Lande produziert werden können, sind entwicklungsfähig, u. a. das Mahlen und Pressen von Oel, der Znckeranbau, die Herstellung von Baumaterial, sowie die Alkohol- und Papierfabrikation. Die syrischen Industrien beschränkten sich bisher auf die Seidenspinnerei, die Textilindustrie und die Olivenöl- und Seifenfabrikation, die einige Bedeutung erlangten. De Minenindustrie ist vernachlässigt, das Fehlen inländischen Brennstoffes hindert die industrielle Entwicklung wesentlich. De 'Landwirt sdhaft, von der alles abhängt, liegt infolge der Unsicherheit der Besitzverhältnisse und wiegen des schlechten Steuersystems darnieder. Ebenso wne Mesopotamien, hat der Türke Syrien ruiniert. Eine Ordnung der Besitzverhaltnis&e, eine gerechte Besteuerung und gute Be- ' und Entwässerung dürfte die Produktionsfähigkeit Syriens j heben. *! Der Krieg brachte in Syrien und Palästina viele j Aenderungen hervor. De Straßen wurden — besonders! im Süden — verbessert, ein neuer Zeitabschnitt ist an gebrochen. De Bevölkerung aber ist fortgezogen, sehr viel Viehüst vernichtet, die Oliven- und Maulbeerbäume wrurden gefällt und der ganze Ueberseehandel unterbrochen. . Blühende Industrien, selbst solche wie die Libanoner Seide und der Jatfaer Oratigeiihandel, verloren ihre Märkte, die Häfen u'aren von der Schiffahrt abgeschlossen, viel Land liegt unbebaut da. De Zukunft des Landes hängt vollständig von den politischen Verhältnissen ab, so daß diese Fragen nicht eher erörtert werden können, bis Ruhe und Ordnung geschaffen ist. — „Egyptian Gazette“ vom 11. 2. 19 läßt sich aus Jerusalem melden: Infolge der teihveisen Wiederaufnahme der Verbindungen zwischen Palästina und der Außenwelt sind die Preise der L e be n s m i t te 1 gestürzt. Mehl ist von 15 auf 8 Piaster pro Rottel (0,44 kg), Zucker von 20 auf 14 Piaster gefallen. Spekulanten, die durch Zurückhalten von Waren während des Krieges sich Vermögen erwarben, haben schwere Verluste. Die ärmeren Klassen sind jetzt glücklich, da sie soviel Brot essen können, wie sie wollen. Viele Firmen und Privatpersonen besitzen noch Hunderttausende in Rubeln, die jetzt zum Kurse von 280 Türkischen Piastern pro Tausend eingetauscht werden. PA LAESTINA Frankreich und die Grenze Palästinas Ein Pariser Korrespondent schreibt dem Jüdischen Korrespondenz-Bureau im Haag: „Ich hatte Gelegenheit eine Karte zu sehen, worauf die Regelung der Palästinafrage — wie Frankreich sie wünscht — durch den Drektor des Kabinetts des französischen Auswärtigen Amtes, das die Syrien- und Palästinafrage behandelt, angegebety. war. Auf dieser Karte sind die Gebiete, die evtl, den Juden zugewiesen werden, Wau ange zeichnet. De Nordgrenze teilt Galiläa in zwei Teile, die Ostgrenze folgt dem Jordantal, die Südgrenze läuft nördlich Hebrons, während die Küste die Westgrenze bildet. Deser kleine Landesteil müßte den Juden abgegeben werden, und dies auch nur unter dem Protektorat Englands, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und Italiens. Das ist alles, was Frankreich den Juden überlassen will . . . .“ Ein Plan zur Erhaltung der alten Stadt Jerusalem Auf Anweisung des heutigen Gouverneurs von Jerusalem ist ein umfassender Plan für die Erhaltung von Alt-Jerusalem und die Erweiterung von. Neu-Jerusälem entworfen und dazu, eine Speziafkarte geschaffen worden. Der Plan teilt die heilige Stadt in vier Zonen ein. De erste Zone schließt die Stadtteile innerhalb der Stadtmauern in sich. Innerhalb dieser Zone wird jeder Neubau streng verboten. Die zweite Zone umschließt das frühere Hotel Kaminitz, das Haus Bogorry, das Haus der syrischen Katholiken, das St. Paulsbospiz, den Baum Gottfrieds von Bouillon, den Gethsemanegarten, die Gräber des Kidrorttales, den christlichen Berg Zion und einen Teil östlich der Straße von Bethlehem nach dem französischen Notre-Dame-Hospiz. Audi in dieser Zone wird nicht mehr gebaut werden; die Gebäulichkeiten, die die alten Wälle berühren, wird tftan niederlegen. De dritte Zone umschließt das französische Haus Notre Dame, die Siedlung der Dominikaner, das Haus Grey Hill, den Oelberg, den Berg des Aergernisses, eien Bahnhof, einen Teil von Nikophonie, die Niederlassung der Rosenkranzschwestern, der Lazansten, der Caritasschwestem. Um innerhalb dieser Zone bauen zu dürfen, muß eine besondere Ermächtigung eingeholt werden, die unter bestimmten Anordnungen erteilt wird. De vierte Zone endlich ist das Gebiet von Neu-Jerusalem. Für diese Neustadt ist ein genauer Plan entworfen mit dem ganzen Straßennetz, öffentlichen Gärten usw. Diese Zone erstredkt sich gegen Norden bis zu den Richtergräben, gegen Westen bis an die St. Jphamistraße

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.