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Volk und Land · 1919-03-20 · Heft 12-13 (20.3.1919) · p. Seite 397-398

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 12-13 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
Seite 397-398 (sequence 25)
Language
German
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307 30S VOLK UND LAND kann für jenen anderen großen Teil, der jetzt in Osteuropa vor der Katastrophe steht, in der geschilderten Weise Hilfe bringen, wenn er sich der Rolle bewußt wird, die ihm die gegenwärtige Lage zuweist. D. T. Die jüdische „Autonomie“ in der Ukraine Das neugeschaffene Ernährungsamt ist ausschließlich aus Landwirten aus den Dörfern zusammengesetzt, die ein Interesse daran haben, die Einfuhr zu erschweren, um den Landwirten hohe Gewinne zu verschaffen. Trotz mehrmaliger mündlicher und schriftlicher Urgenzen will das Ernährungsamt von einer Ernennung V9« Juden als Beiräte für dieses Amt nichts hören, obwohl die Juden 56 o/o der Stadtbevölkerung ausmachen. In der Stadt und in der zirka 10 Kilometer von der Stadt entfernten Gemeinde Stebmik ist je eine Saline vorhanden, welche auch im Kriege größere Quantitäten von Salz zu exportieren pflegten. Die Verwaltungen dieser Salzwerke geben jedoch den Juden und oft sogar den jüdischen Konsumvereinen kein Salz aus und bewirken dadurch, daß ein Kilogramm) Salz, das bis zum 1. November 1918 32 Heller, jetzt offiziell 1,50 Kronen kostet, lediglich im Schleichhandel zu 4 bis 5 Kronen zu bekommen ist. Deser Schleichhandel wird ausschließlich von Ukrainern betrieben, da nur diese Salz in den Salinen bekommen. Im Schulwesen negiert die Drohobyczer Gymnasialdirektion, die den Juden auf Grund der proklamierten nationalen Autonomie zustehenden Rechte und verlangt die Erteilung des Religionsunterrichts in ukrainischer Sprache. Ebenso erklärt der Bezirksschulinspektor, daß ihm von einer Anstellung von hebräischen Lehrern an der hebräischen Volksschule auf Staatskosten nichts bekannt sei. Der Jüdische Nationalrat in Drohobycz hat bei Gründung des Naphtharates verlangt, daß in diese Körperschaft auch zwei Vertreter der Juden aufgenommen werden und motivierte dies damit, daß die Juden der Westukraine mit zirka 25 °/o . an der Naphtha-Industrie interessiert sind. Ein diesbezügliches schriftliches Gesuch, das vor drei Monaten überreicht worden ist, blieb bisher unbeantwortet, und auf eine mündliche Urgenz erwiderte ein maßgebendes Mitglied) des Nationalrates: „My ne potrebujemp waszoi kontroli“ (wir brauchen nicht Eure Kontrolle). So sieht die Autonomie in der Praxis aus. Das zukünftige Arabien und die Juden De Entente plant die Schaffung eines besonderen arabischen Staates, der außer dem eigentlichen Arabien auch die Gebiete zwischen Damaskus und Bagdad umfassen soll. Nach den, „Times“ vom 6. Februar 1919 wird das neue Reich freie Handelszugänge zum Mittelmeer und dem indischen Ozean mit seinen Ausläufern erhalten. Es wird schwerlich ein einziges, zusammenhängendes oder einheitliches Reich werden, vielmehr eine Art Staatenbund unter Führung des Königs des Hedsdhas, mit England als Protektor. Voraussichtlich wird den Juden in Arabien eine große Rolle zufallen. Das Judentum soll Palästina, das nicht zu Arabien gehört, vollkommen überwiesen erhalten, es darf dort keine Irredenta geben. Dia aber Palästina zu klein ist, werden, die Juden in dem1 neuen arabischen Staate volle Bewegungsfreiheit finden müssen. Es gibt beträchtliche jüdische Gemeinden im Jemen, andererseits auch viele Araber außer Landes. Der Vertreter des Hedschas in Paris, Emir F a i s u 1, erklärte Ausfragern gegenüber, daß das Hedsdias-Reich keine Hegemonie in der Levante erstrebe und auch keine territorialen Eroberungen wünsche. Er verlange lediglich, daß der Wilsonsche Grundsatz von dem Selbstbestimmungsrecht der kleinen Völker auch auf die Araber in Kleinasien angewendet werde, die Anspruch auf die gleiche Behandlung hätten, wie Griechen, Serben oder Bulgaren. („Ueberseedienst.“) Die erste jüdische Tageszeitung in deutscher Sprache erscheint seit einiger Zeit in Wien unter dem Titel „Wiener Morgenzeitung“. Geschaffen als notwendiges Kampfmittel des nationalen Judentums in Deutsch-Oesterreich, zunächst für den Kampf um die Nationalversammlung, späterhin für den politischen Kampf überhaupt, stellt die Zeitung eine vorzügliche Waffe dar, deren sich ihre Leiter in. außerordentlich geschickter Weise zu bedienen wissen. Wenn es gelingen könnte, in Wien, das von jeher die Hochburg der Assimilation gewesen ist, in Ing. Stricker einen jüdisch-nationalen Abgeordneten in das Parlament zu entsenden, so ist dieser Erfolg nicht zuletzt dem Einflüsse der „Wiener Morgenzeitung“ zuzuschreiben. Es dürfte diesem Blatte leicht gelingen, sich nicht nur in der österreichischen Judenheit, sondern auch in der westeuropäische Jude seine Kenntnis) der politischen der den Aufgaben gerecht wird, die sie sich gestellt hat. Es berührt überaus sympathisch zu beobachten, wie sehr sich dieses jüdische Blatt in jeder Beziehung vorteilhaft auszeichnejt vor den allermeisten österreichischen Tageszeitungen. De besten Traditionen reichsdeutscher Journalistik sind hier vereint mit jener leichten Beweglichkeit und Eleganz des Ausdrucks, die einen leider nur sehr einseitigen Vorzug der Wiener Presse bis auf den heutigen Tag bildet. Der Einfluß einer jüdischen Tageszeitung auf die Judenheit Deutsch-Oesterreichs kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Immer wieder empfindet man es als einen schweren Mangel, daß die Quellen, aus denen der weseurtopäisdie Jude seine Kenntnis der politischen und kulturellen Welt, die ihn «umgibt, schöpft, nicht dieselben sind, wie diejenigen, aus denen er in jüdischen Fragen seine Orientierung erhält Eine jüdische Tageszeitung trägt im außerordentlichen Maße dazu bei, das Denken und Empfinden ihrer Leser dahin zu erziehen, daß sie ihr Leben in seiner Alltäglichkeit und in seiner Totalität als von jüdischen Werten durchdrungen empfinden. Für die Nationalisierung einer stark assimilierten westeuropäischen Judenheit dürfte es kein besseres Mittel geben, als eine jüdische Tageszeitung. Daß die nationaljüdische Sache in den Augen der österreichischen Politiker ein ganz anderes Gewicht dadurch erhält, daß ein auf der Höhe seiner Aufgabe stehendes Organ sie wirkungsvoll vertritt, bedarf keiner Erwähnung. Für den Fall, daß der Anschluß Deutsch-Oesterreichs an das Reich Wirklichkeit wird, bietet sich der „Wiener Morgenzeitung“ in naher Zukunft die Aufgabe, auch den reichsdeutschen Nationaljuden als Organ zu dienen. Aber schon heute dürfte es sich für jeden politisch Interessierten empfehlen, sich durch ihre Lektüre ein klares Bild der jüdischen Verhältnisse in Oesterreich zu verschaffen. Besonders sei darauf aufmerksam gemacht, daß die „Wiener Morgenzeitung“ besonderes Gewicht auf eine ausführliche Berichterstattung über die Lage der Juden in den östlichen Nachbarstaaten (Polen, Ukraine) legt. Kultusgemeinde und Volk$gemeinde Anläßlich der Veröffentlichung des Aktionsprogrammes der österreichischen Sozialdemokratie, spricht die „Wiener Morgenzeitung“ in einem Aufsatz über die Bedrohung der jüdischen Gemeinden durch

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