Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 12-13 (20.3.1919)
- Date
- 1919-03-20
- Page
- Seite 391-392 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Beirut 2× ep/1047833
- Aleppo 1× ep/1047811
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Glücklicherweise besteht aut der Friedenskonferenz keine Meinungsverschiedenheit über die Gerechtigkeit der jüdischen Forderungen, aber die Friedenskonferenz muß mehr tun, als nur das Prinzip proklamieren, daß die Juden volle Freiheit haben müssen, Palästina als ihr Heim aufzubauen. Die Konferenz muß jeden Beistand leisten, der dazu notwendig ist. Wenn der Weg frei ist, kann man vertrauen, daß das jüdische Volk, das so fähig ist, sich für Ideale zu opfern, zu seinem Ziel gelangen wird.“ „Evening News“, die früher antisemitisch waren, schreiben: „Von allen Fragen, die die Friedenskonferenz beschäftigen, übertrifft keine' an Wichtigkeit die des Zionismus, der das Herz der jüdischen Frage ist: Er beseelt das Judentum und die äußere Welt mit jüdischen Aspirationen, die alt wie die Diaspora sind1 und fordert Sympathien und Zustimmung derjenigen, die ihn behandeln. Kein Staatsmann ist fähig zu regieren, außer, wenn er das Judenproblem studiert hat. Kein Problem ist so schwer zu verstehen., wie das jüdische. Sind die Juden eine Rasse, eine Nation oder ein Glaubensbekenntnis? Tatsächlich sind alle drei Faktoren vorhanden. Die wichtigste Kraft des Zionismus liegt in seiner Aufrichtigkeit. Die Juden haben mehr für die Zivilisation geleistet, als alle anderen Völker, die Griechen vielleicht ausgenommen. Sie haben das Recht, auch einmal zu zeigen, was sie leisten können. In dem Augenblick, wo die freien Nationen eine neue Welt schaffen, kann das Streben der Juden nicht ignoriert werden, und jetzt, wo der türkische Gifthauch beseitigt ist, müssen ihre Wünsche erfüllt werden. Damit der Zionismus erfolgreich sei, müssen die Führer, die für sich selbst Gerechtigkeit fordern, auch gegen andere gerecht sein. Die Nichtjuden müssen-die Juden als Brüder behandeln, damit der Judenname ein Ehrenname sei und die menschliche Achtung erwecke.“ Der palästinensische Staat „Times(( schreiben: „Die Friedenskonferenz steht also vor der Aufgabe, in Palästina eine politische und administrative Organisation zu schaffen, welche den Juden aller Länder gestattet, ihre nationale Heimstätte aufzubauen, ohne die Rechte der anderen Nationalitäten, welche das Land bewohnen, zu beeinträchtigen. Für eine aufgeklärte Regierung, welche von Rassevorurteilen frei ist, sollte das keine schwierige Aufgabe sein, ganz gleich, welcher der Mächte das Mandat zur Verwaltung übertragen wird. Die Zionisten selbst bemühen sich1 sorgfältig, allen Verwicklungen, welche sicht aus einer Berührung mit den religiösen Problemen Palästinas ergeben könnten, auszuweichen. Sie erkennen offen an, daß die heiligen Stätten der Christenheit einem christlichen Körper anvertraut werden müssen und ebenso, daß das Empfinden der Mohamedaner in bezug auf Jerusalem und die Omar-Moschee, respektiert werden muß. Die christliche Meinung wird ihr hauptsächliches Interesse auf die Obhut und Erhaltung der geheiligten christlichen Stätten wie die Geburtskirche in Betlehem, das Heilige Grab in Jerusalem und die Ansiedlung in Nazareth, legen. Es ist nur gerecht, daß besondere Vorkehrungen getroffen werden, diese Fragen in befriedigender Weise zu lösen und was die Bestrebungen der Juden und Araber anlangt, liegt nur wenig Grund zu Befürchtungen für einen Konflikt dieser beiden Rassen vor. Schlechtinformierte Leute neigen zu der Annahme, daß die Zionisten die Errichtung einer jüdischen Regierung in Palästina beabsichtigen. In Erwiderung hierauf muß bemerkt werden, daß keiner der zionistischen Führer je einen derartigen Anspruch1 gestellt hat und es dürfte auch kein derartiger Vorschlag von der Friedenskonferenz angenommen werden. Die Regierung Palästinas wird voraussichtlich vorläufig von einer Großmacht der Alliierten als Bevollmächtigter des Völkerbundes geführt werden. Der späteren Zukunft muß die Entwicklung der Dinge anheimgestellt werden. Die gewählte Macht wird verantwortlich sein für die Erhaltung der Unparteilichkeit und der automatischen Entwicklung der verschiedenen Rassen und Religionen, welche den palästinensischen Staat bilden werden.“ Frankreich und Syrien „Le Temps“ vom 19. Februar. „Keiner von den französischen Seeleuten, die am 6. Oktober 1918 in Beirut landeten, wird je den furchtbaren Anblick jener vielen hundert Unglücklicher vergessen, die sich damals mühsam durch die Straßen schleppten in der Hoffnung, Im Gassenkot doch noch etwas Eßbares zu finden, und die der Tod überall hinsinken ließ, wo ihre Kräfte sie verließen. Das Vilajet Beirut, das vor denn Kriege mehr als 700 000 Einwohner zählte, ist bis auf 550 000 Seelen herabgesunken, die Stadt selbst hat allein 50 000 Menschen verloren. Im Libanon ist ein volles Drittel der Bevölkerung nicht mehr vorhanden. Inzwischen sind Wochen vergangen, von diesem Bilde der Verzweiflung ist kaum etwas übrig geblieben. .... Wenige Tage nachdem die feindlichen Truppen aus Palästina und Syrien herausgeworfen waren, wurde die Militärverwaltung in den besetzten Gebieten eingerichtet und das ganze Land in folgende drei Zonen eingeteilt, bis der Friedensvertrag darüber endgültig befinden würde: 1. die Nordzone, unter französischem Oberkommando, umfaßt Stadt und Sandscbak Beirut, das selbständige Gouvernement des Libanon, die" Sandschaks Tripolis, Lattakieh und einige Bezirke, die zum Vilajet Aleppo-Antiochien gehören; 2. die Südzone, unter englischem Oberkommando, umfaßt die Sandschaks Jerusalem, Nablus und Akko; 3. die Ostzone, unter dem Befehl des Scherif, umfaßt die Vilajets Aleppo und Damaskus, sowie die Bezirke Baabeck, Rajok und Haslaya. Das Verwaltungssystem, das gleichmäßig in allen drei Zonen zur Anwendung gelangte, paßte sich nach Möglichkeit dem von der türkischen Regierung bisher befolgten an. So war es möglich, sich aller derjenigen Behörden weiter zu bedienen, die im Lande geblieben waren. Zwei Aufgaben waren es, welche die Militärverwaltung als besonders dringend zunächst in Angriff nahm: die ausreichende Ernährung der unterernährten Bevölkerung und die Durchführung der notwendigen