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Volk und Land · 1919-03-20 · Heft 12-13 (20.3.1919) · p. Seite 383-384

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 12-13 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
Seite 383-384 (sequence 18)
Language
German
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383 384 VOLK UND LAND In einem kunstgewerblichen Betriebe, für den die Vorarbeiten zu einem sehr großen Teile bereits vorliegen, ließen sich bei einer Kapitalaufwendung von etwa 250 000 Frcs. leicht zwischen 100 und 200 Arbeitskräfte beschäftigen. Die Hauptartikel würden sein: verschiedene Gegenstände der Schmuckindustrie, der Metall-, Treib- und Aetzarbeit, Artikel in Holz, Elfenbein und Stein, ferner Spitzen, Stickereien und Teppiche. Für solche Metall- und Schmuck arbeiten wie auch für die Spitzenindustrie liegen ermutigende Erfahrungen bereits vor. Die Stickereii n d u s t r i e steht im Orient ebenfalls bereits in Blüte, wenn auch bisher nicht im jüdischen Kreise. Die Tepp ich Industrie hat durch den Krieg neue Aspekte gewonnen und wird sich bei Beschränkung auf gewisse gangbare Artikel gut bewähren. Für diese kunstgewerblichen Industrien ist verhältnismäßig wenig an Maschinerie und Material erforderlich. Die Arbeit spielt die HauptrolEe. Bei entsprechender Organisation des Absatzles kann mit geringem Betriebskapital ein beträchtlicher Umsatz und damit die Beschäftigung vieler im Haupt- und Nebenberufe erzielt werden. Von erheblicher Bedeutung kann auch eine Textilindustrie werden, deren Einzelheiten sich aber nach der Entwicklung der Marktverhältnisse richten müssen, die vorerst noch schwer zu beurteilen ist. Dagegen kann als feststehend angesehen werden, daß eine T r i - kotagenindustrie lohnende Beschäftigung für viele Leute geben würde. Auch Schuhfabrikation und einige Spezialitäten der Konfektionsindustrie kommen in Betracht. In Verbindung mit allgemeinen kolonisatorischen Erfordernissen kämen auch Töpferei, Korbflechterei, Klempnerei und Herstellung von Drahtgeweben in Frage. SOZIALES UND KULTURELLES. Die geplante Kolonie ist von vornherein und ausgesprochenermaßen als ein Zentrum unserer neuen Kolonisation mit vorbildlichen sozialen und kulturellen Verhältnissen gedacht. In letzterer Hinsicht würde die Einrichtung einer größeren oder kleineren Buchdruckerei (mit Setzmaschinen) und Buchbinderei sehr förderlich sein. Die Schuleinrichtuiugen. der Kolonie werden durch Angliederung von Er zi ehungsan stalten wie I nt e rnat, Wai senh a u s, eine praktische Lehranstalt für Kleinlandwirtschaft, Gemüsebau etc., Haushaltungsschule, Kindergärtnerinnenschule, Spi tze n s chu l e und dergleichen auszubauen sein. Eine Kolonie solchen. Charakters würde nicht nur erwerbende Ansiedler araziehen, sondern auch Rentiers und dergleichen. Das Hotel wesen kann ebenfalls in Betracht gezogen, werden, besonders wenn die Lage der Kolonie sich zu einem Zentrum der T o u r i s t i k eignet. Auf dieser Grundlage könnten wir mit einer Kolonie rechnen, die im wesentlichen drei Arten von Ansiedlern (und entsprechend Heimstätten) beherbergen würde: Arbeiter, Kolonisten und „Kapitalisten.“ DIE ARBEITER. Die Arbeiter-Wohnstätten könnten — unbeschadet weitergehender Möglichkeiten — von vornherein auf innerhalb eines halben Hektars veranschlagt werden., Da bei dem in Palästina besonders wichtigen Gemüsebau eine Fläche von "Vto ha (schon niit etwas Obstbau, Hühnerzucht usw.) genügt, um bei richtiger Bearbeitung eine Familie reichlich zu ernähren, so ist unser Lahdausmaß sicher groß genug. Auch der Hausbau läßt sich gut innerhalb 1000 Mark pro Heimstätte bewerkstelligen, von welcher Summe noch ein sehr großer Teil auf die eigene Arbeit der dabei beschäftigten (vorwiegend ungelernten) Arbeiter entfallen kann. Die Arbeiterschaft einer solchen Kolonie kann innerhalb sehr kurzer Zeit dazu gelangen, mit minimaler Miete und Pacht (voraussichtlich weit innerhalb 150 Fros. im Jahr) zu wohnen und zu wirtschaften, aus dem eigenen Landstück den vollen Bedarf der Familie zu ziehen uraa bei den verschiedenen Industrien eine Auswahl von Arbeitsgelegenheiten zu finden, die eine lohnende, freie und selbständige Verwertung der Arbeitskraft gewährleisten. DIE KOLONISTEN. Die Kolonisten, d. h solche, die neben ihrer Arbeitskraft mit ein wenig Kapital kommen., werden in einer prinzipiell auf kleines Landmaß angelegten Kolonie durchschnittlich nicht mehr al*s 1 ha Boden brauchen. Für diese Fläche amelioriertm und eventuell schon bepflanzten Landes nebst einem Haus (das bei normalen Ansprüchen nicht besser zu sein braucht als die bereits in sehr zweckmäßiger Ausführung vorgesehenen Arbeiterwohnungen) wird je nach den Umständen nicht mehr als 2500—5000 Mark anzusetzen sein. Dabei gibt es selbstverständlich auch Möglichkeiten zwischen den beiden vorgenannten Typen. DIE „KAPITALISTEN“. Wie die „Kapitalisten“ und kleinen Rentner sich einrichten werden, braucht uns hier weniger zu beschäftigen. Im allgemeinen wird zu empfehlen sein, daß auch diese eine E rw e rb s -Heimstätte bevorzugen. Eine intensive Baumzucht kann auch ohne eigene Arbeit Erträge von 1—2000 M. pro Hektar abwerfen. Beim Hausbau sind für diese Klasse von Ansiedlern schwer Grenzen zu setzen, doch dürfen 1000 M. pro Zimmer ein sehr hoher Preis auch für beste Bauart sein. GROESSERE UNTERNEHMUNGEN. Neben den erwähnten teils landwirtschaftlichen, teils industriellen Berufen kämen noch größere Unternehmungen in Betracht, die — ohne auf dem Terrain der Kolonie betrieben werden zu müssen — doch als Unternehmen mit ihr verbunden sein können. In dieser Hinsicht kämen besonders in Frage eine Zementindustrie und Holzindustrie größeren Stiles. Die letztere könnte für die Zukunft in bochlohnender Weise sich ihr eigenes Material vorbereiten, indem HoIzanj>flanzungen größeren Umfanges vorgenommen werden. Auch eine rationelle Wollschafzucht (mit Futteiibau etc.) würde sehr rentabel sein. DIE G ES A MT KOB T E N. In Nachstehendem soll eine Uebersicht über die voraussichtlichen Gesamtkosten, die für die Ausführung dieses Planes in Frage kommen, geboten werden. Uebersicht der Gesamtkosten. Allgemeines. Grund und Boden (300—600 ha) wahrscheinlich schon einschließlich einiger AmeLiorationen . 100 000 M. Weitere Ameliorationen und allgemeine Aufschließungsasrbeiten ... 100 0C0 „ Erste Arbeiterhäuser und Bauten für Betriebszwecke, Gemeindehaus und dergleichen .. 100000 „

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