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Volk und Land · 1919-03-20 · Heft 12-13 (20.3.1919) · p. Seite 381-382

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 12-13 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
Seite 381-382 (sequence 17)
Language
German
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381 VOLK UND LAND 382 PROJEKT EINER JUEDISCHEN GROSS - SIEDLUNG IN PALAESTINA AUF GRUNDLAGE KLEINER LANDWIRTSCHAFTSBETRIEBE UND VERSCHIEDENER INDUSTRIEN*) VORBEMERKUNG. Wir unterscheiden bei dem nachstehenden Entwurf zwei verschiedene Stadien: 1. Eine Gesellschaft auf Anteile zur Gründungeiner Kolonie. 2. Die Schaffung: von Heimstätten für die Mitglieder und für Außenstehende. Hierbei wird angenommen, daß die Mitglieder der Gesellschaft die Absicht haben, früher oder später nach Palästina überzusiedeln, und! in der von der Gesellschaft zu gründenden Kolonie sich Heimstätten errichten zu lassen. Eine formelle Verpflichtung wird nicht auf erlegt; die Nichtübersiedelung bringt den Betreffenden keine Nachteile. Diejenigen, die übersiedeln, können sich ihre Heimstätten durch ein besonderes Unternehmen der Gesellschaft vorbereiten, herrichten und verwalten lassen, wobei ihnen nur die Selbstkosten mit einem kleinen Aufschlag (für Regiespesen usw.) berechnet werden. Von Nichtmitgliedern werden Preise verlangt werden, die sich nach den im Lande üblichen richten werden. Allenfalls haben die übersiedelnden Mitglieder den Vorteil, daß sie sich persönlich um die Unternehmungen der Gesellschaft kümmern und ihnen (und sich selbst) dadurch zu höherer Rentabilität verhelfen können. GRUNDLAGEN. Der leitende Gedanke bei diesem Plane ist die Schaffung einer dicht bevölkerten Kolonie von mindestens tausend Seelen nach Art der Gartenstädte oder des Industriedorfes, wobei also von vornherein eine größere Anzahl verschiedener intensiv - landwirtschaftlicher und industrieller Betriebe in Aussicht genommen ist. Die geschäftliche Grundlage soll die der Genossenschaft sein, bei der jeder einzelne Geschäftsanteil an der Gesamtheit der Betriebe beteiligt ist. Auf diese Weise wird das Risiko des Einzeluntemehmens wesentlich verringert. Dabei werden solche Unternehmungen in Betracht gezogen, die bei hervorragender kolonisatorischer Eignung auch eine hohe Rentabilität versprechen. Die Gesamtbeteiligung jedes Anteils bewirkt, daß selbst einzelne Fehlschläge oder Enttäuschungen eine hohe Rentabilität des Gesamtuntemehmens nur wenig beeinträchtigen können. Der Einzelanteil betragt 1000 M., wodurch auch den Arbeitern der ^Eintritt in die Genossenschaft (evtl, auch in anderer Form als durch Bareinzahlung) ermöglicht wird. Eine Begrenzung der Beteiligung nach oben findet nicht statt. Dagegen soll das Stimmrecht der Großaktionäre zweckmäßig beschränkt werden. Außerdem können Gründeranteile ohne Gewinnbeteiligung vorgesehen werden, um den Charakter des Unternehmens sicherzustellen. ERSTE KOSTEN. Für die vorerst tausend Seelen einer halbindustriellen Bevölkerung würde bereits eine Landfläche von 100 ha (V10 ha pro Kopf etwa Va ha pro Familie) genügen. Wir nehmen zur Vorsicht ein Areal von zwischen 300 und 600 ha in Aussicht, das für ungefähr 120 000 Fros. zu habensein wird. Für Arnelioration können vorläufig nochmals 120000 Frcs. in Aussicht genommen werden, weitere 120000 Frcs. an ersten Baulichkeiten für die Arbeiter und für gemeinsame Zwecke des Unternehmens. DIE LANDWIRTSCHAFT. Wir denken an die intensivsten Formen der Landwirtschaft auf kleinsten Flächen. Am besten wäre es, wenn die einzelnen Parzellen von vornherein für Kolonisten und Arbeiter gleich groß und zwar mit etwa 1 ha angenommen werden. Auf diesen Erwerbsheimstätten wäre Gemüsebau, Geflügel- und Kleintierzucht sowie Obstbau vorwiegend für den eigenen Bedarf (wofür ein Zehntel der Fläche reichlich genügt) zu betreiben, die restlichen neun Zehntel könnten der Baumzucht — vorwiegend für Verkaufszwecke — dienen. Bei einer solchen Bewirtschaftungsart läßt sich der größere Teil des Nahrungsbedarfes mit ganz geringem Aufwand an Zeit und Arbeit decken, während das Verkaufsprodukt bei voller Ertragsreife der Bäume leicht auf 1000—2000 Mk. (und mehr) gesteigert werden kann. ' 1 i . f.’! i: f v| Ackerbau und Viehzucht, sowie Anbau von Faserpflanzen usw. brauchen nicht notwendig mit der Kolonie verbunden zu sein, könnten aber in genossenschaftlichem Betriebe an der Peripherie der Kolonie oder in ihrer Nähe betrieben werden. Auch hierfür sollten nur höchst intensive Arbeitsweisen in Betracht gezogen werden, wodurch bei höchsten Erträgen wesentliche Ersparnisse an Fläche und Arbeit ermöglicht werden. (Weiteres Landwirtschaftliche siehe unter „Größere Unternehmungen/') INDUSTRIEN. Bei den geplanten Industrien sollen in erster Linie solche in Betracht kommen, die bei geringem Kapitalerfordemis möglichst viel Arbeitskräfte beschäftigen können, ferner solche Industrien, bei denen eine besondere Eignung des jüdischen Elements, sowie hinsichtlich der Bedürfnisse des Landes und der allgemeinen Kolonisation vorliegen. Als eine Hauptindustrie, die für die Kolonie nicht nur während ihrer Errichtung und -ihres Ausbaus, sondern auch weiterhin gute Aussichten bietet, betrachten wir die Bauindustrie mit ihren verschiedenen Nebenzweigen. Die Fabrikation von Baumaterialien, die Bau- und Möbeltischlerei sind in Palästina schon im allgemeinen günstige Industrien. Die Uebernahme in eigene Regie wird den Aufbau einer solchen Kolonie sehr begünstigen. Eine kleine Fabrik oder Werkstatt für Eisenmöbel (Bettstellen, einfachere eiserne Bauteile usw.) könnte angegliedert werden. An zweiter Stelle empfehlen wir diejenigen 1 a n d - wirtschaftlichen Industrien, die in einer solchen Kolonie am Platze wären, Mahlmühlen, Konservenfabriken, OeIpressen. Auch industriell betriebene Baumschule, Hühnerzucht und Fischzucht (mit industrieller Fischverwertung) würden sich gut eignen und jedenfalls eine gute Rentabilität ergeben. Von sonstigen Industrien empfehlen sich in erster Linie die folgenden: *) Diese Ausarbeitung will nicht mehr sein als eine gute allgemeine Grundlage. Sie wendet sich an solche, die entschlossen sind, sich in Palästina zu betätigen, und denen die bisher übliche Auffassung von nur landwirtschaftlicher Betätigung nicht genügt. Nach Zusammentritt der Gesellschaft soH ein gewählter Ausschuß an Ort und Stelle einen fester umrissenen Plan unter Berücksichtigung neu hinzukommender Gesichtspunkte imd wünsche feststellen. Davis Trietsch.

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