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Volk und Land · 1919-03-20 · Heft 12-13 (20.3.1919) · p. Seite 373-374

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 12-13 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
Seite 373-374 (sequence 13)
Language
German
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373 VOLK UND LAND 374 Erwähnt sei noch, daß durch photographische Aufnahmen aus dem Flugzeug Landkarten hergestellt und Grundstücksgeschäfte erleichtert .werden können, da ja die Abgrenzungen der in Frage kommenden Parzellen aus der Vogelperspektiv-Aufnahme gut ersichtlich sind. (Schließlich sei ruoch darauf hingewiesen, daß sich neue Betätigungsgebiete eröffnen. Es müssen Leute vorhanden sein zur Instandhaltung und Verwaltung der Landeplätze, Monteure, Tischler usw. werden für Reparaturwerkstätten benötigt. Selbstverständlich kommt hierfür vorerst keine große Anzahl in Frage; es ist aber eben e'in Glied im Ganzen. Auch die Begründung einer Fliegerschule käme in Frage, in der junge Leute sich zu Flugzeugführern für den Luftpostdienst ausbilden lassen könnten. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß ein solches Unternehmen in absehbarer Zeit von irgendeiner Seite in Angriff genommen wird. Zu bedauern wäre es, wenn hier etwa einer anderen Nation ein wichtiges Tätigkeitsgebiet in Palästina und eine gute Einnahmequelle, die dann das Geld aus dem Lande herausführen würde, überlassen werden sollte. DIE JUEDISCHE KOLONISATION IN ANATOLIEN Von Nathan ben Nathan. Die jüdischen Besitzungen in Anatolien können in drei Abschnitte eingeteilt werden, von denen jeder seine Eigenart hat, nicht nur in bezug auf die Ups^che seiner Entstehung, sondern auch in bezug auf sein Werden, sein Schicksal, und seine Bedeutung für» die Zukunft. In erster Linie kommen diejenigen Kolonien in Betracht, die ihr Entstehen einer spontan sich entwickelnden Emigrations- und Kolonisationsbewegung in den Ländern der jüdischen Unterdrückung verdanken. Ihre Geschichte ist besonders lehrreich. Was die Geschichte der ersten drei Kolonien, Kral Arman (später Warburg-Köj genannt.) •), S a z i 1 a r und M a a m u r e betrifft, so verweise ich auf den Abschnitt „Einige Kapitel zur jüdischen Kolonialgeschichte“ in Trietschs „Jüdische Emigration und Kolonisation“. Hier sei nur ganz kurz ihre Geschichte erzählt. Um das Jahr 1899 entstand aus Anlaß der Unterstellung der Insel Kreta unter einen christlichen Gouverneur (einem griechischen Prinzen) eine Rückwanderung jener Mohammedaner, die nicht unter christlicher Herrschaft sein wollten, nach den dem osmanischen Reiche verbliebenen Gebieten der europäischen und vor allem der asiatischen Türkei. Diese Bewegung griff auch aut die unter rumänischer Herrschaft (früherem türkischen Gebiet) wohnenden Mohammedaner über. Die türkische Regierung unterstützte diese Emigration, indem sie den Einwanderern Land zur Ansiedlung anwies und sie bis zur ersten Ernte leidlich unterstützte. Die Muhadschirs (so wurden die Rückwanderer genannt) ließen sich in zahlreichen Muhadschirdörfern (Muhadschir-Köj) nieder, die einen recht trostlosen Eindruck machten. Nun entschlossen sich jüdische Einwohner der Stadt Tulcea in Rumänien, an dieser Rückwanderung, da auch sie ja Untertanen der Türkei gewesen waren, teilzunehmen und gleiche Rechte und Begünstigungen, wie sie ihren mohammedanischen Schicksalsgenossen gewährt wurden, zu verlangen. Die Regierung nahm die jüdischen Einwanderer wohlwollend auf, wies ihnen unentgeltlich Boden an und unterstützte sie einigermaßen. Die Einwanderer ließen sich in drei Dörfern nieder. Der Mangel an irgendwelchen Mitteln und die erst spät, nach wiederholtem Drängen, von der Ica gewährte Unterstützung waren die Ursache des unsagbaren Elends, das die Kolonisten zu ertragen hatten. Die Ungunst des Klimas, die Unfruchtbarkeit des Bodens und, wie mir der Vertreter der Ica, Herr ■*) Nach dem Vorsitzenden des E. A. G. der Zionistischen Organisation, der an dem Schicksal der Kolonie regen Anteil nahm und sie längere Zeit aus eigenen Mitteln unterstützte. Agronom Ni-ego, versicherte, auch die Unfähigkeit der Kolonisten, w’aren die Ursachen, die das erste Dorf, Kral Arman, schon früh verkümmern ließen. Vor allem war es die große Entfernung vo£ jeder größeren Siedlung, die eine intensive Wirtschaft (Milchwirtschaft, Gemüse) unmöglich machte. Für die Ackerbauwirtschaft waren aber weder der Boden noch die Kolonisten geeignet. So kam es, daß die ersten Kolonisten das Dorf verließen. Nicht anders erging es 15 Familien aus Rußland, die dann ihre Stelle einnahmen. Auch sie hielten der Ungunst der Verhältnisse nicht stand und verließen nach einer Zeit mühevollen Ringens das Dorf, welches jetzt nur noch von drei Wächtern der lea, die den Grund und Boden des Dorfes erworben hat, bewohnt wird. Das zweite Dorf, S a z i 1 a r, zeichnete sich sowohl durch seine günstige Lage (in der Nähe der Eisenbahn, nicht weit von dem Gordion des Altertums) wie auch durch den fruchtbaren Boden aus, der für Getreide und auch für Viehwirtschaft besonders geeignet ist. Mehrere fischreiche Bäche und Flüßchen bewässern den Boden und fruchtbare Felder und gute Weiden sind in genügender Menge vorhanden. Wenn aber auch dieses Dorf nicht recht zum Gedeihen kam, und von den ersten Bewohnern nur noch 10 Familien zurückgeblieben sind, so muß die Erklärung hierfür ebenso wie bei Kral Arman in der Mittellosigkeit der Kolonisten, der lauen Unterstützung der Ica*) und der Entfernung von einer großen jüdischen Gemeinde, die den Kolonisten einen moralischen und kulturellen Rückhalt hätten bieten können, zu suchen. Es wird behauptet, daß das moralische Niveau der Kolonisten aller dieser Dörfer unter dem Einfluß der benachbarten Dörfer sehr gelitten habe. Die Kolonisten, die den unteren Volksschichten entstammten, vermochten nicht, als kleine Minorität in dieser kulturlosen Einöde die Kraft aufzubringen, aus sich selbst heraus eine Kulturoase zu schaffen. Das materielle Elend wird wohl in erster Linie daran schuld gewesen sein. Auch Sazilar erfreute Sich in den letzten Jahren vor dem Kriege einer erneuten Aufmerksamkeit der jüdischen Auswanderer aus Rußland, von denen einige unter sehr ungünstigen Verhältnissen dort weiter ausharren, so daß Sazilar zurzeit noch von über 20 Familien bewohnt ist. Das dritte Dorf, Maamure, ist auf Boden be- *) Wie sehr die Tätigkeit einer Gesellschaft nidit von ihren Prinzipien, sondern von dem guten Willen und der Tatkraft der ausführenden Organe abhängt, läßt sich durch Beispiele der Tätigkeit der Ica-Organe in Konstantinopel illustrieren.

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