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Volk und Land · 1919-03-20 · Heft 12-13 (20.3.1919) · p. Seite 371-372

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 12-13 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
Seite 371-372 (sequence 12)
Language
German
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371 VOLK UND LAND 372 gelegt werden. Die in den Küstenhäfen ankommende Post, die in den Städten erscheinenden Zeitungen sind also am selben Vormittag auch noch in der entlegensten Kolonie. Ein lebhafter Nachrichtenaustausch zwischen Küste und Hinterland wird ermöglicht. Der Landbewohner kann die Bibliotheken in der Stadt bequem benutzen, indem der Luftpostdienst den Tausch der Bücher vermittelt, geschäftliche und familiäre Mitteilungen gelangen aufs schnellste von überall her nach überall hin. Im Laufe der Zeit wird der Erfindungsgeist den Ausbau der Flugzeuge, an denen ja bis jetzt nur im Hinblick auf die Zwecke des Krieges gearbeitet wurde, zu weiteren Dienstleistungen geeignet machen. So hat z. B. Ruppin in dem oben angeführten Buche darauf hingewiesen, daß auch neue Kolonien zwecks gesicherten Absatzes der leicht verderblichen Produkte (Milch, Obst) nicht zu weit von Eisenbahnen, Häfen oder Städten mit zahlreichen jüdischen Konsumenten angelegt werden dürfen. Diese Produkte würden bei den klimatischen Verhältnissen Palästinas auf keinen Fall einen Landtransport von auch nur etwas längerer Dauer ertragen. Großen Gebietsteilen wäre damit schon das Urteil ihrer Ungeeignetheit für Besiedlung gesprochen. Ein leichtes wäre es da z. B. spezielle Milch-Flugzeuge zu bauen. Diese müßten Tanks enthalten, in die die Milch am Abgangsort eingefüllt und am Bestimmungsort wieder ausgelassen würde. Es lassen sich so etliche Hundert Liter schon in dem leichten C-Flugzeug transportieren, und die auf diese Weise beförderte Milch bleibt nicht nur deswegen frisCh, weil sie nur einen kurzen Transport zu uberdauern hat, sondern der Lufttransport erzeugt auch infolge des Luftzuges eine erhebliche Kühlung, die auch zur Frischhaltung beiträgt. Selbstverständlich müßten sich dann mehrere Kolonisten oder Kolonien zur Unterhaltung eines solchen Flugzeuges, das ja dann zugleich die Post usw. besorgen kann, zusammen schließen. Ueber die Organisation wäre ja überhaupt noch später zu sprechen. Hier sei erstmalig im allgemeinen auf die Nützlichkeit, ja sogar, wie das eben Angeführte zeigt, Notwendigkeit des Luftverkehrs hingewiesen. Nicht nur für den Verkehr im Lande bietet das Luftfahrwesen außerordentliche Vorteile, sondern auch für den Verkehr außerhalb des Landes. Sicherlich wird die englische Regierung eine Luftverbindung zwischen Aegypten und Indien einrichten. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung wäre es, wenn Palästina sich als Zwischenstück in diese Verkehrslinie hineinschiebt und zwar durch» Anlage von Flughäfen und durch Uebernahme einer Etappen-Strecke; denn diese Flüge müssen in Etappen zerlegt werden, so, daß beispielsweise eine „Luftpost-Direktion“ den Dienst zwischen Kairo und Gaza versieht. Dort wird die Post umgeladen in ein Flugzeug der „Jüdischen Luftpost-Linie“, die, wieder in einzelnen Etappen imneihalb des eigenen Betriebes, den Weitertransport über Damaskus, Palmyra bis nach Anah am Euphrat oder aber nach Aleppo übernimmt Also auch der Verkehr mit den mehr oder minder entfernten Nachbargebieten, der in noch erhöhtem Maße durch unzulängliche Straßen- und Bahnbeschaffenheit erschwert ist, wird sich erheblich lebhafter gestalten. Schließlich sei noch auf ein weiteres hingewiesen. Man berechnet jetzt bereits, ob das uns zur Verfügung stehende Land genügen wird, um die Massen aufzunehmen. Aber selbst, wenn dies der Fall ist, wird sich der jüdische Unternehmungsgeist weitere Betätigungsfelder suchen. Von Palästina ausstrahlend wird er sich über den gesamten vorderen Orient ausbreiten. Im Kaukasusgebiet gibt es beispielsweise noch nicht erschlossene Erdgüter in ungeahnter Menge. Wenn ein jüdisches Zentrum in Palästina geschaffen ist, werden von dort aus genügend Unternehmungslustige sich finden, um in diesen gesegneten Gefilden Kolonien zu begründen. Es muß dafür gesorgt werden, daß diese Kolonien in) steter reger Verbindung mit dem Mutterlande bleiben. Um diese aufrecht zu erhalten, wird das Flugzeug wohl überhaupt das einzige Mittel sein. Es sind hier wahllos einige Einzelheiten herausgegriffen worden, um auf die Nützlichkeit, und Notwendigkeit des Luftverkehrs für Palästina hinzuweisen. Sicherlich wird man noch manches dem hinzufügen können. Es bleibt nur noch die Frage offen, ob sich diese Betriebe rentieren werden. Nun, — das Risiko, dem man sich hierbei aussetzt, ist kein sehr großes. Für die Anschaffung von Flugzeugen ist der Zeitpunkt günstig, da die Fabriken der verschiedenen Länder angefüllt sind mit Kriegslieferungen, für die jetzt trotz der Einrichtung von Luftpost-Linien keine genügende Verwendung mehr vorhanden ist. Der Betrieb selbst wird ein billiger werden, da ja in Palästina und in der nächsten Nachbarschaft sich Erdölquellen befinden, die den Betriebsstoff liefern. Dieser würde sich also billiger stellen als in Deutschland unter normalen Verhältnissen die in Deutschland gewonnene Kohle, deren Förderung kostspieliger ist. Die Rentabilität veranschaulicht sich aber besser an einem Zahlenbeispiel: Ein Postflugzeug nimmt Briefsendungen im Gesamtgewicht von 200 kg mit. Wenn man das Gewicht des einzelnen Briefes auf 50 g ansetzt, so ergibt dies 4000 Stück Briefsendungen. Als Portosatz seien 20 Ctms. — für die schnelle Beförderungsart ein wohl durchaus nicht zu hoher Satz, der bei späterer Verbilligung des Betriebsstoffes noch herabgesetzt werden kann, — angesetzt. Für 4000 Briefe wären also an Porti 800 Frcs. zu vereinnahmen. An Betriebsstoffkosten für einen Flug von Haifa nach Damaskus (zirka* 1 Stunde) können zirka 25 Frcs. in Rechnung gesetzt werden. (Dieser Betrag ist reichlich bemessen, auch unter der Annahme, daß der Betriebsstoff von auswärts erst noch bezogen wird.) Für andere Unkosten: Gehälter, Maschinenabnutzung, Bruch- und Reparaturrisiko seien noch 175 Frcs. ausgesetzt, so daß also der Einnahme von 800 Frcs. ein Kostenanschlag von 200 Frcs. gegenübersteht. Als Tageseinnahme würde sich diese Summe verdoppeln, da der Rückflug in der gleichen Art berechnet werden kann. Selbstverständlich sind auch größere Strecken am Tage in einem Hin- und Rückflug zurückzulegen. Gewiß kann eingewendet weiden, daß diese Belastung nicht immer mitgeführt wird. Dem ist aber entgegenzuhalten, daß dafür ein anderes Mal die Belastung eine weit höhere sein kann, und daß auf den Zwischenstationen ein steter Austausch des Inhalts erfolgt. Günstigenfalls kann sich die Einnahme also erheblich erhöhen. Einem weiteren Einwand, daß hier die Kosten nur für zirka 1 Stunde Flugdauer angesetzt sind, ist zu erwidern, daß doch die Betriebssfoffkosten nicht wesentlich ins Gewicht fallen, der Risiko- und Gehälterposten aber ziemlich der gleich bleibt, und andererseits bei Postsachen auf größere Entfernungen auch mehr Porto erhoben werden kann. Die Annehmlichkeiten, die die Luftpost bietet, wurden jedenfalls eine allgemeine Inanspruchnahme zur Folge haben, und neben der Nützlichkeit ersteht hier noch eine „staatliche“ Einnahmequelle.

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