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Volk und Land · 1919-03-20 · Heft 12-13 (20.3.1919) · p. Seite 369-370

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 12-13 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
Seite 369-370 (sequence 11)
Language
German
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369 370 VOLK UND LAND längeren Genuß der technischen Neuheiten voraus haben, daß gleich in der ganzen Anlage die neuesten Errungenschaften, deren Kenntnisse mit den in Palästina Einwandernden dorthin zusammenfließen, nutzbar gemacht werden. Es erscheint aann sogar als ein Vorsprung den anderen gegenüber, daß man nicht mit alt hergebrachtem, unmodernen Ballast beschwert ist. Zu den jüngsten technischen Neuheiten gehört das Flugwesen. Vor dem Kriege galt die Aeronautik nur als ein Sport, Vorbehalten einigen mit besonderen Eigenschaften ausgestatteten Wenigen. Sowohl die Motoren-Industrie als auch der konstruktive Körperbau und Steuerorganismus der Flugzeuge waren so beschaffen, daß tatsächlich ein gewisser Mut dazu gehörte, sich mit diesen Apparaten in die Luft zu wagen. Die Leistungen hatten denn auch vorerst nur sportlichen Wert. Infolge des Krieges hat aber die Flugzeugindustrie einen Aufschwung! erfahren, vvie es wohl sonst in Jahrzehnten kaum möglich gewesen wäre. Dadurch, daß das Flugzeug zur Waffe wurde, und die Waffen Völkerschicksale entscheiden sollten, wurde an seiner Vervollkommnung mit fieberhafter Anstrengung gearbeitet. Nicht allein der kühnste Pilot wurde ja der Sieger im Luftkampf und vermochte die beste Aufklärungsarbeit zu leisten, sondern zum größten Teil entschied die wendigere, schneller und besser steigende Maschine. So konnte man dauernd beobachten, wie ein Gegner den anderen auch hierin zu übertrumpfen suchte. Oft war ein neuer Flugzeugtyp nur einige Tage an der Front, um infolge einer daraufhin erfolgten besseren Konstruktion des Gegners wieder von einer eigenen Neuheit verdrängt zu werden. Diese Rivalität im Kampf um Sein oder Nichtsein kam also der Vervollkommung des Flugwesens zugute. Während vor dem Kriege ein Apparat mit einem 30pferdigen Motor mit 1 oder 2 Insassen sich mühsam von der Erde abhob, tragen heute die Riesenflugzeuge 4 Motore mit je 300 Pferdekräften und Belastungen, die einem Gewicht von 30 Personen und mehr entsprechen, durch die Luft. Keine Rekordleistungen sind es 'mehr, wenn 6—7000 m Höhe erreicht werden und Geschwindigkeiten von 150—200 km in der Stunde. Auch die Motorenindustrie hat sich derart vervollkommnet, daß man jetzt bereits von einer Zuverlässigkeit im Betrieb sprechen kann. Defekte werden bei sorgfältiger Behandlung immer seltener, und selbst wenn ein solcher auftritt, ist das Flugzeug im Stande, iifi Gleitflug zu landen. Es mußte kurz auf diese Entwicklung hingewiesen werden, um auch dem Außenstehenden, der in der Fliegerei immer noch etwas Halsbrecherisches zu sehen gewohnt ist, zu zeigen, daß es heute kaum ein wesentlicher Unterschied mehr ist, ob man sich der Eisenbahn oder dem Flugzeug mit einem sicheren Führer anvertraut. Um die eventuelle Verwendungsmöglichkeit von Flugzeugen in Palästina zu prüfen, ist es notwendig. noch einige technische Einzelheiten vorauszuschicken. In erster Linie kommen für den Luftverkehr die üblichen zweisitzigen Flugzeuge (C-Flugzeuge) und die zweimotorigen Großflugzeuge (G- Flugzeuge) in Betracht. Den Luftpostdienst werden die sogenannten C-Flugzeugc*) versehen. Diese sind mit einem 100, 120, 160—260 PS-Motor, englische sogar mit 300 PS-Motor versehen. Ein allzu •) Die Bezeichnungen C-Ftugzeuge, G-Fhigzeuge sind von den deutschen Militärbehörden eingeführt und werden hier der Kürze halber angewandt starker Motor empfiehlt sich aber weniger wegen des größeren Betriebsstoffverbrauchs. Auf die schnellere Steigung, die durch den stärkeren Motor erreicht wird, undi die für den Kriegsdienst wesentlich war, kommt es für den friedensmäßigen Luftverkehr nicht an. Es besteht zwar auch ein Unterschied in der Geschwindigkeit, dieser fällt jedoch seinei* verhältnismäßigen Geringfügigkeit wegen wenig ins Gewicht. Nehmen wir also das im Betriebs- und Anschaffungspreis rentabelste 160 PS- C-Flugzeug: Ein solches kann außer dem Betriebsstoff für 1 Stunde und etwas mehr eine Nutzlast von zirka 500 kg mitfuhren. Es kann natürlich auch Betriebsstoff für längere Flüge — bis zu 4V2 Stunden — aufgefüllt werden. Dann würde sich die Nutzlast verringern. **) Da aber dieses Flugzeug in der Stunde durchschnittlich 120 km zurücklegt, und innerhalb dieser Entfernung wohl eine Landung an einem Verkehrspunkte vorgenommen wird, ist Gelegenheit zur Ergänzung des Betriebsstoffes gegeben. Von der Nutzlast von 500 kg geht noch das Gewicht der Insassen ab. Für kleinere Postflüge auf bekannten Strecken ist ein Beobachter nicht erforderlich. Es können also auf diesen Maschinen noch Lasten im Gewicht von über 400 kg mitgeführt werden. Die modernen G-Flugzeuge stehen den leichteren C-Flugzeugen an Geschwindigkeit und Beweglichkeit kaum nach. Sie sind im Betrieb teurer, da sie 2 Motore, gewöhnlich von je 200—300 PS, enthalten. Die mitzuführende Nutzlast betragt 1000 kg. 20 Ztr. bedeuten immerhin ein beträchtliches Nutzlastgewicht. Bei weiterem Ausbau des Luftverkehrs kämen dann die sogenannten Riesenflugzeuge in Frage. Diese werden durch 4 Motore betrieben und sind auch im Anschaffungspreis eriieblich teurer. Ihre Nutzlast ist natürlich eine vielfach höhere. Die Kenntnis dieser technischen Zahlen ist notwendig, um zu prüfen, ob das Flugwesen für Palästina nutzbar gemacht werden kann. Es genügt schon die theoretische Kenntnis des Landes und der Verhältnisse dort, um diese Frage dahin zu beantworten, daß kaum anderswo der Luftverkehr so ungemeine Vorteile bringen kann wie gerade in dem zu kolonisierenden Palästina. Die mangelhaften Verkehrsverhältnisse im Lande selbst sind bekannt. Es wird kaum möglich sein, im gleichen Tempo mit der Einwanderung Verkehrsstraßen und Bahnen anzulegen. Die Gefahr besteht, daß siCh alles auf die Geländestreifen zusammendrängen wird, die sich den vorhandenen Verkehrswegen anschmiegen. Der Grundstückspekulation ist dadurch Tür und Tor geöffnet, während das abseits liegende Land einer ungesunden Wertlosigkeit verfällt Ruppin bemerkt ganz richtig in seinem (bisher nur als Manuskript gedruckten) Buche „jüdische Zukunftsarbeit in Palästina“: „Kolonien mit schlechter Verkehrverbindung verkümmern geistig.“ Die Gefahr der geistigen Verkümmerung ist für den jüdischen Landarbeiter in den vom Verkehr abgelegenen Gebieten wohl die größte. Und da ist das Flugzeug das gegebene Mittel, um diesem Uebelstand abzuhelfen. Nicht allein in der Schnelligkeit liegt ja der Fortschritt, sondern vor allem in der Außerachtlassung jeglicher Bodenhindernisse, in der Unabhängigkeit von Straßen und gangbarem Gelände, Von Jaffa bis zu dem mitten fm Ostjordanland gelegenen Es jSalt sind es 90 km Luftlinie, die von dem Flugzeug in 3/4 Stunden zurück- •*) Bei voll aufgefüllten Tanks noch etwa 330 kg Nutzlast. 1

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