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Volk und Land · 1919-03-20 · Heft 12-13 (20.3.1919) · p. Seite 367-368

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 12-13 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
Seite 367-368 (sequence 10)
Language
German
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VOLK UND LAND 368 wenn man sich nicht anders zu helfen wußte, so nannte man Berlin Mockem Beiß, Posen Mockem Pei und Magdeburg Mockem Mein. Schließlich nennt der russische Jude, wie man bei Scholem Aleichem oft genug findet, die Stadt Kiew jehupetz. Die Volkslieder der Juden in Polen sind oft genug aus Deutschland übernommen. Sie haben dort uraltes deutsches Volksgut in jiddischer Form bewahrt. Aber im echten Volksliedertone haben sie viel Neues geschaffen. Und endlich hat sich ein Reichtum des jüdischen Volksliedes aufgetan, der unerschöpflich zu sein scheint. Noch reicher ist der Schatz an Sprüchen, Sprichwörtern und treffenden fliegenden Redensarten. Im Zusammenhänge mit den jüdischen Volkssagen und Volksmärchen steht auch die Schwankdichtung. Diese ganze Volksdichtung zeigt den innigen Zusammenhang mit der historischen Kultur des Mittelmeerbeckens und zugleich mit der mittelalterlichen Heimat im deutschen Sprachgebiete. _Aehntiches gilt von ihrem Witz und Humor. Nun hat zwar Treitschke behauptet, die Juden hätten nur ätzende Satire und beißende Kritik besessen, jedoch keinen Humor. Er beweist damit nur, daß ihm die Juden völlig fremd waren, daß er sie nur nach den getauften und halbgetauften Juden seiner Umgebung und Freundschaft beurteilte. Ist doch gerade der Humor ein Erbteil des jüdischen Stammes, das es mit keinem zweiten Volke teilt. Der Humor ist so alt wie das jüdische Volk, und so lange er frisch bleibt, wird er auch seine Träger als ein jugendfrisches Volk über alle Fährnisse hinwegtragen helfen. Die Schildbürger und Abderiten leben als Poisner, und noch mehr als Ghelmer Neronim in der jüdischen Volksvorstellung. Die Paffe Ameis, dauert, Nassr-ed-Din Chodscha der anderen haben ihre jüdischen Rivalen in Efrajim Greidicker, Herscheie Estrepoler, Mordche Rackewer (Chabad) und anderen. Und „Chäusek in de Breit“ braucht sich auch nicht zu verstecken. Endlich gehört zu einer Demographie des jüdischen Volkes auch das Urteil, das ihm im Voiksmunde anderer zuteil wird, im Sprichwort, im Volksreim, ja im Kinderreim' anderer Völker. Wenn bei den Huzulen der Glaube verbreitet ist, daß das Beräuchern der Hütte mit den Gebeinen von Juden den Typhus zu heilen geeignet ist, so erklärt das nicht bloß viele Friedhofsschändungen, über die die Juden-aller mittel- und osteuropäischen Länder zu klagen haben, sondern es zeugt überhaupt von dem Verhältnisse der beiden Volksseelen zu einander. Und wenn deutsche Kinder abzählen: 1 2 3 4 5 6 7, Unsere Mutter, die kocht Küeben, Unser Vater, der brät Speck, Kamen drei Juden und fraßen’s weg! so gehört auch die unübersehbare Zahl solcher Kinderreime, in denen die Juden Vorkommen, zu einer vollständigen jüdischen Volkskunde. Vor allem aber gehört hierhin das Volksmärchen der anderen, auch deutsche Märchen, das den Juden so konterfeien will, wie er am Ende des Mittelalters und beim Beginne der Neuzeit dem judenfeindlichen Deutschland erschien. Dahin gehört auch die kirchliche Legende von Theophitus und hundert anderer ähnlicher Legenden. Von den Juden des Ostens macht man sich in Deutschland gewöhnlich pin Bild nach Karl Emil Franzos. Das ist aber eine völlig einseitige, ganz anders echt wirkt die Beschreibung einer jüdischen Hochzeit, wie sie aus Shitomir der gewiß nicht judenfreundliche Ernst Moritz Arndt in seinen Erinnerungen gibt. Da sehen wir wirkliches jüdisches Leben, freilich mit den Augen des Außenstehenden. In der Volkskunde, zumal aber in der jüdischen, kann man deutlich erkennen, wie die gleiche Veranlagung der verschiedenen Stämme auf Grund derselben allgemein menschlichenWurzel zu denselben oder parallelen Vorstellungen und Kulturformen führt. Man muß die ähnlichen Erscheinungen in der Völkerwelt ebenso häufig dyteh autogene Entstehung wie .durch Entlehnung erklären. Oft genug aber kreuzen sich beide Motive; Autochtliones Entstehen, Berührung und Entlehnung, daneben die feste Rassennatur, diese Momente wirken mit einander und gegen einander und tragen dazu bei, nationale Eigenarten zu formen. Die Beschäftigung mit der jüdischen Volkskunde zeigt so recht den Reichtum und die Eigenart des jüdischen Stammes. Niemals etwa isoliert, sondern stets im vollen Strome des Völkerlebens hat sich doch das jüdische Volk eigenartig entwickelt und bildet noch heute eine unzerstörbare körperliche und geistige Einheit. Um das jüdische Volk lieben zu können, muß man es kennen. In diesem Sinne wird die Kenntnis und Pflege der jüdischen Volkskunde dazu beitragen, daß das jüdische Volk das ist und wird, was es zu sein beansprucht, ein DV ein Volk der Ewigkeit, ein ~ Volk' für die Ewigkeit. DAS LUFTFAHRWESEN UND SEINE VERWENDUNG IN PALAESTINA Von Dr. J a Der Zustrom nach Palästina erfolgt aus Ländern, in denen Industrie und Verkehr sich in jahrhundertelanger Zeitdauer von den primitivsten Anfängen zu den jetzigen technischen Vollkommenheiten hinentwickelt haben. Unklug wäre es, auf die Bequemlichkeiten und Erleichterungen der modernen Industrie zu verzichten und etwa aus einem gewissen Idealismus heraus den Motorpflug e s Bi 1 esk i. zu verbannen und mit der Bearbeitung des Bodens so anzufangen, wie man es getan hat, als man von der Ausnutzung von Dampf und Elektrizität noch nichts wußte. Man muß vielmehr darauf bedacht sein, von vornherein nach modernstem Stile Einrichtungen zu treffen. Gerade dies wird unserem Lande dazu verhelfen, den Vorsprung einzuholen, den die vorgeschritteneren Kulturländer durch den

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