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Volk und Land · 1919-03-20 · Heft 12-13 (20.3.1919) · p. Seite 361-362

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 12-13 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
Seite 361-362 (sequence 7)
Language
German
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361 VOLK UND LAND 362 die jüdische Volkskunde ist bisher nur einmal geschrieben worden und zwar von einem Nichtjuden. Der große darauf verwendete Fleiß vermag den Mangel nicht zu beseitigen, der darin liegt, daß der Verfasser der jüdischen Volksseele fremd und nahezu schroff gegenübersteht. Sein Verdienst soll nicht geschmälert werden, wenn gesagt werden muß, daß diese jüdische Volkskunde längst veraltet ist, aber auch bei ihrem Erscheinen durchaus nicht dem Wissen entsprach, das man von Juden und Judentum hatte. Die neuere Volkskunde ist zu dem Standpunkte zurüdegekehrt, daß alle Völker und Rassen einer gemeinsamen Wurzel entspringen. Sie ist nicht der Meinung, daß zu verschiedenen Zeiten oder an verschiedenen Orten der Mensch verschiedenen tierischen Formen entsprungen sei. Vielmehr kommt die Völkerkunde mehr und mehr von dem Standpunkte ab, wie er in voreingenommenen Kreisen besonders in Amerika ungefähr vertreten wurde, daß nämlich das Menschengeschlecht, um es grob auszudrücken, zum mindesten von einem weißen . und einem schwarzen Affenpaare abstamme. Die Lehre von der Einheitlichkeit des ganzen Menschengeschlechts, wie sie sich im ältesten Judentum ausprägt, daß nämlich alles, was Menschenantlitz trägt, die Nachkommen eines einzigen Menschenpaares darstelle, steht den modernen Anschauungen durchaus nicht fern. Diese gemeinsame Abkunft ■ •aller Völker wird mehr noch als durch körperliche Merkmale dadurch wahrscheinlich gemacht, daß die absonderlichsten volkstümlichen Vorstellungen völlig unabhängig voneinander bei den verschiedensten Völkern aus den entlegensten Stellen der Erde deutlich in die Erscheinung treten. Ehe gemeinsame Abkunft aller Völker wirkt gemein-* same . Kulturelemente ebenso bei hochstehenden Kulturvölkern Wie bei primitiven Nationen. Für das Tun und Lassen des einzelnen Menschen sind drei Momente maßgebend. Erstens der Charakter, dann die Erziehung, endlich das Milieu, in dem der Mensch aufwächst und lebt; am meisten aber der Charakter. Das ist nicht anders beim Kollektivindividuum, beim Stamme oder der Nation, als beim Einzelmenschen. Zwei Elemente sind es nun, die in der Kulturentwicklung und im inneren Seelenleben der Völker zusammen wirken. Das erste ist die gleiche Veranlagung, die gleiches Denken bei gewissen Entwicklungsstufen hervorruft, .das andere, die Uebertragung von Stamm auf Stamm durch unmittelbare und mittelbare Berührung. Diese beiden kreuzen sich mit der.doch vorhandenen in unübersehbarer Vergangenheit erworbenen Rassenanlage, die, wo keine Rassenmischung beobachtet werden kann, in historisch zu überblickenden Zeiten konstant geblieben ist: Die Volkskunde beobachtet das Volk wie es ist, nicht wie es sein sollte. Wenn wir uns vorstellen wollen, welche sittlichen und intellektuellen Anforderungen wir an das jüdische Volk stellen wollen, so müssen wir in sein großes und umfangreiches Schrifttum, vor allem in sein weltbewegendes Gesetz und sein welterschütterndes Prophetentum hinabsteigen. Aber die Volkskunde stellt keine Forderungen, sondern macht Beobachtungen, Deshalb darf sie vor allem nicht den Irrtum begehen, in dem Judentum eine Religion und in der,Juden-. heit eine bloße Glaubensgemeinschaft zu sehen. Das Judentum ist unendlich viel mehr. Es wird in tausend verschiedenen Lebensäußerungen gelebt. Es ist, obwohl es das Land verloren hat, das d(e Wiege seiner Geschichte war, und wenngleich es nicht mehr eine einigermaßen einheitliche Umgangs¬ und Familiensprache redet, doch ein unverkennbares Volk geblieben. Daraus erwachsen seine unverkennbaren Vorzüge, aber auch selbstverständlich die ihm anhaftenden Schwächen. Neben seinem Glauben, der eine Welt überwunden hat, hat es einen ebenso lebendigen Aberglauben. Nur ist das religiöse Element, das in ihm herrscht, originär aus seinem eigenen Innern her vor gegangen. Der Aberglaube, dem es anhängt, ist zum allergrößten Teil fremden Ursprungs. Das Judentum hat der Welt einen Glauben gegeben, hat aber seinerseits von aller Welt Aberglauben empfangen, so daß es oft schwer hält, den jüdischen Glauben rein zu halten. Es ist keine Frage, daß die Furcht, zu dreizehn an einem Tische zu sitzen, ein Gewächs ist, das auf rein christlichem Boden erwuchs. Als der Heiland der christlichen Gemeinschaft mit seinen zwölf Jüngern sich zum Abendmahl niedergesetzt hatte, begann seine Leidensgeschichte, die mit seinem baldigen gewaltsamen Tode endete. So wurde die Dreizehn zur Unglückszahl, unmittelbar aus deiji Christentum heraus. Gleichviel gibt es viele Tausende von Juden, die vor dieser fürchterlichen Dreizehn die gleiche schreckliche Angst haben .wie ihre christliche Mitwelt, und zwar vornehmlich in den Ländern, in denen sich die Juden viel darauf zugute tun, ganz besonders gebildet und aufgeklärt zu sein. Und doch haftet, der Dreizehn im jüdischen Schrifttum? kein Begriff des Unglücks an, allenfalls aber der einer gewissen Heilige keit. Der Jude läßt eben den umgehenden christlichen Aberglauben um so voller auf sich wirken, je mehr er sich von seinem geistigen jüdischen Zentrum entfernt hat. Schon in der alten jüdischen Gesetzgebung wird die Tagewählerei streng verpönt. Die jüdische Ueberlieferung läßt den Nichtjuden Haman durch das Los den günstigsten Tag für seine Unternehmung wählen, zeigt aber auch, wie hinfällig solches Wählen eines günstigen Tages wäre. Trotzdem konnte es das Judentum nicht vermeiden, daß auch bei seinen Söhnen die .Tagewählerei Eingang fand und sogar bei den biblischen Worten eine Stütze für sich suchte. Es gibt Juden genug, die nichFden Mut haben würden, an efnein Freitage eine Hochzeit zu veranstalten. Mit'Vorliebe wird der Dienstag dazu auserwählt. Als Begründung wird angeführt, daß der Dienstag von besonders guter Vorbedeutung wäre, weil bei der Schaffung Gott das Gutbefinden seiner Welfschöpf uhg zwiefach festgestellt habe. Immer ijrid immer wieder schärft das mosaische Gesetz den Juden ein-, sich von derartigem Aberglauben-fernzuhalten. Treibt nie Zeichendeuterei nach Wölkehr erklärung (Lev. 19,26). Wendet euch nicht zu Todesbeschwörungen und Weissagereien, sucht sie nicht auf, so daß ihr euch dadurch verunreinigt (Lev. 19,31). Wenn freilich Horaz sagt: Credat Judaeus Apella, so ist dies keineswegs ein Beweis, daß .die Juden. sejper.Zeit, besonders abergläubisch .gewesen:

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