Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 10-11 (6.3.1919)
- Date
- 1919-03-06
- Page
- Seite 347-348 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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347 VOLK und LAND 348 lischen Nachbarn im Süden, haben mit der arabischen Nation .ebenso viel oder ebenso wenig gemeinsames, wie die englisch sprechenden Neger von Südamerika mit der englischen Nation.“ Die Tatsachen sind richtig, aber die Folgerungen erscheinen uns unberechtigt. Denn unter den 600 (M)0 Arabern in Palästina zählen die Drusen beispielsweise nur einige Tausend, und man kann daher mit Recht von einer Einheit der palästinensischen Araber sprechen und gleichzeitig die nationale Einheit sämtlicher Araber ablehnen. Auf Seite 89 findet sich eine Statistik des Handels von Jaffa, den er 1911 mit 46,8 Millionen (hier sind wohl Francs gemeint) angibt, 1913 dagegen mit 81 Millionen Francs. Diese letzte Zahl scheint uns nicht richtig zu sein. Der Handel Jaffas wird vor dem Kriege kaum mehr als 40 Millionen Mark bzw. 50 Millionen Francs betragen haben. Auf Seite 88 schreibt Bernstein, daß zirka 4QOOOQ Hektar Boden in Palästina bebaut werden (die gesamte Ausdehnung Palästinas beträgt zirka '30 000 Quadratmeilen, das heißt 3 Millionen Hektar), und auf Seite 93: „Nicht einmal der zehnte Teil des Bodens in Palästina ist der Kultivierung erschlossen“. Nur eins von beiden kann richtig sein. Auf die Araberfrage geht Bernstein leider nur mit kurzen Andeutungen ein. Wir sind durchaus seiner Ansicht, daß „die jüdische Kolonisation“ keinesfalls eine Beeinträchtigung der Fellachenbevölkerung“ bedeutet. Nichtsdestoweniger möchten wir seinen Satz nicht unterschreiben: „Die kleinste jüdische Landwirtschaft gibt zahlreichen arabischen »Landarbeitern die Möglichkeit, in ihr elendes Dasein eine wesentliche immer steigende Verbesserung zu bringen“. Es ist richtig, daß in der bisherigen jüdischen Kolonisation neben 3—4000 jüdischen Landarbeitern zuweilen 8000 bis 10 000 Araber tätig waren, das heißt mehr, als vor der jüdischen Kolonisation auf diesem Boden gelebt haben. Es wird jedoch einer der wesentlichen Punkte bei der Erneuerung unseres Kolonisationswerkes sein, für alle ständigen Arbeiten in den jüdischen Kolonien möglichst Juden zu beschäftigten. Für die Fellachen werden sich hierbei die Lebensbedingungen immer noch dadurch verbessern, daß sie — dem jüdischen Beispiel folgend — immer mjehr zur intensiven Wirtschaftsweise übergeben, daß durch die starke Vermehrung der Bevölkerung die Lebensmittelpreise steigen, und daß auch sie durch ein großzügigles jüdisches Assanierungswerk von ihren schlimmsten Plagien, Malaria, und Trachom, befreit werden. Fritz Sternberg. Paul Behrendt: Die kleinste Landwirtschaft*) Der Verfasser gibt eine genaue Anleitung zur Bewirtschaftung eines Eigenheims mit 1250 Quadratmeter Gartenland, die es dem Siedler ermöglicht, Haus, Stallung und Garten in der zweckmäßigsten Weise und in einträglichster Form einzurichten. Er bemerkt dazu im Vorwort, daß 1250 Quadratmeter ausreichen, um einer Familie von acht Köpfen den gesamten Gemüse-, Kartoffel-, Fleisch-, Fett-, Milch-, Eier-, Butter- und Obstbedarf für das ganze Jahr in Fülle und bester Beschaffenheit für ein Drittel des im Handel für eine unzureichende Menge zu zahlenden Preises zu schaffen. Die Bezeichnung dieser Siedlungsart als Landwirtschaft ist insofern ungenau, als es sich im wesentlichen um Gartenwirtschaft handelt. Ebenso darf die Bezeichnung „kleinste Landwirtschaft“ nicht zu der Annahme verführen, daß diese vom Verfasser nach den im Deut- *) Selbstverlag des Deutschen Vereins Arbeiterheim zu Bethel bei Bielefeld 1916. sehen Verein Arbeiterheim zu Bethel bei Bielefeld gemachten Erfahrungen befürwortete Kleinsiedlung eine untere Grenze möglicher Kleinsiedlungen darste.le. Wir erinnern uns der kleinen Schrift von Leberecht Migge, „Jedermann Selbstversorger“*1), die einen Kleingartenbetrieb mit entsprechender Kleinvieh- und Geflügelzucht J schon auf 400 Quadratmetern (Wohnstelle eingesciilossen) | für eine reichlich lohnende Sache hält. Ein Vergleich! beider Siedlungssysteme läßt die Migge’schen Angaben j nicht als zu optimistisch erscheinen. Beide gehen von j dem Prinzip der Selbstversorgung des Siedlers aus, j wobei alle hierauf verwendete Arbeit des Siedlers nebenberuflich ist. Nur seine freie Zeit ist in Anspruch genommen, und die Mitarbeit aller Familienangehörigen. Irgendwelche fremde Lohnarbeit ist ausgeschlossen. Im übrigen trennen sich die beiden Systeme in wesentlichen Punkten, die die erhehliche Verschiedenheit der zu Grunde gelegten Gartengrößen erklärlich machen. Migge nimmt eine fünfköpfige Familie an, während der Behrendt’sche Vorschlag Bedürfnisse einer Familie von acht Köpfen befriedigen soll. Migge denkt an die Versorgung der Siedlerfamilie mit Gemüse, Obst und Frühkartoffeln und den Ergebnissen der kleinsten Vieh- und Geflügelhaltung; weit darüber hinaus versorgt die Eehrendt’sche Siedlung diei Familie abgesehen vom Brot mit allem, was an Lebensmitteln zum Unterhalt erforderlich ist, wobei die Obst- und Kleinviehzucht noch außerdem Verkaufsmöglichkeiten bieten. Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß beide nicht in gleicher Weise die Möglichkeiten eines intensiven Betriebes ausnützen. Die möglichst intensive Gestaltung eines Betriebes erfordert die Nutzbarmachung aller jener Vorteile, die mit der Zusammenlegung vieler gleichartiger kleiner gartenwirtschaftlicher Betriebe verbunden sind und durch die Worte „genossenschaftliche Arbeit“ und „genossenschaftliche Anlagen“, z. B. für Bewässerung, Dungstätte usw. gekennzeichnet werden. Alles dies hat Migge in der mustergültigsten Weise berücksichtigt. Seine Einzelsiedlung ist deshalb nur im Rahmen eines größeren Siedlungsschemas zu verstehen. Behrendts kleinste Landwirtschaft beruht gleichfalls auf dem Grundsatz möglichster Ausnutzung aller sich bietenden Vorteile. Doch sind! diese Möglichkeiten eingeschränkt, einmal durch die im Vergleich zur Migge’schen Siedlung erhebliche Größe des Gartengrundstücks, dann vor allem dadurch, daß die Heimstätte als selbständige Einzelwirtschaft gedacht ist. Das Büchlein behandelt eingehend die zur kleinsten Landwirtschaft gehörenden Betriebe: den Gemüsebau, den Kartoffelbau, die Obstzucht und die Kleinvieh- und Geflügelzucht, und gibt für alles übersiehtüche Ertragsberechnungen. Besonders hervorzuheben ist jenes Kapitel, in dem das Eigenheim mit 1250 qm Land in seinem wirtschaftlichen Ergebnis nach 30 Jahren einer kleinen beengten Mietswohnumg ohne Land gegenübergestellt wird. Diese Gegenüberstellung zeigt mit überzeugender Deutlichkeit, daß außer allen sichtbaren Vorteilen die Eigenheimstätte den Vorzug der größeren Wirtschaftlichkeit hat. Die angegebenen Ziffern mögen durch die Aenderung der Zeitumstände überholt sein. Die aus ihnen gezogenen Schlußfolgerungen verlieren dadurch nicht an Beweiskraft. Es bedarf kaum eines Hinweises, welcher Wert dieser und ähnlichen Schriften zur Förderung der Kleinsiedlungen zukommt, und welche Bedeutung sie gerade für uns in diesem Zeitpunkt haben. (L. W. *) Vgl. „Volk und Land“, S. 59/60.