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Volk und Land · 1919-03-06 · Heft 10-11 (6.3.1919) · p. Seite 335-336

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 10-11 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 335-336 (sequence 26)
Language
German
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VOLK UND LAND 336 335 «.«ra-T.--:- ==■■■ --.r^-^====== WIRTSCHAFT Erdöl in Mesopotamien In der Fachzeitschrift „Petroleum"*) gibt Herr Zivil- Ingenieur Siegmund von Bieleski einen Bericht über seine im Jahre 1916 im Aufträge der türkischen Heeresleitung durchgeführten Untersuchungen der Erdölvorkommen in dem „Irak" genannten Teile Arabiens. In einer dem Bericht beigegebenen Skizze sind alle in Frage kommenden Orte aufgezeichnet. Sie Hegen in der Hauptsache am Tigris oder in der Nähe desselben. Gayara, die größte Erdölgrube, liegt Vi Stunde vom rechten Tigrisufer entfernt. Die ganze Einrichtung dort ist mehr als primitiv. Die Tagesausbeute soll zirka 1000 kg betragen. Die Anzahl der bei der Erdölgewinnung beschäftigten Arbeiter beträgt fünf (!). Die Destillationsanlage ist am gleichen Ort. Auch diese ist durchaus unzweckmäßig. Die Analyse dieses Erdöls und auch das der anderen Gruben ist von Herrn Direktor Wunsch im Laboratorium der Wien-Fk>ridsdorfer Petroleumraffinerie A.-G. ausgeführt worden und ist in dem ^erwähnten Aufsatz mitgeteilf. Das Rohöl scheint danach zu Hoffnungen für die Zukunft zu berechtigen. Das Destillat der Grube Gayara wird nach Mossul mittels Eselkarawanen geschafft, was zwei Tage in Anspruch nimmt. Nach Bagdad wird das Petroleum auf dem Tigris mit Flößen befördert. Reisedauer je nach dem Wasserstand 3—12 Tage. 35 km oberhalb Gayara, auch atn rechten Tigrisufer, liegt Hamam Ali (Alis Bad), das durch seine Schwefelquellen und durch Asphaitvorkommen berühmt ist. Der Asphalt, der nicht regelmäßig gewonnen wird, findet als Mörtelersatz beim Häuserbau sowie beim Straßenbau seine Verwendung. Die Erdölgrube Corato ist in der Wüste, ungefähr 15 km nordwestlich vom persischen Städtchen Kasr-i- Schiriii gelegen. Dortselbst hat eine englische Gesellschaft die Konzession erworben und ungefähr im Jahre 1905 mit den Vorarbeiten begonnen. Es sind drei zirka 1000 Fuß tiefe Bohrlöcher nach dem kanadischen System niedergebracht. Zu dieser sehr modern eingerichteten Anlage gehören noch eine Wasserbeschaffungsanlage, eine mechanische Werkstatt mit Dampfbetrieb und eine Destillerie. Angeblich sollen die Engländer einige Monate vor Kriegsbeginn wegen Konzessions- Streitigkeiten die Grube verlassen, haben. Der berichterstattende Ingenieur fand die Bohrlöcher vernagelt vor. Die Ausbeute dieser Grube beträgt zirka 600 kg täglich. Die Verwaltung liegt jetzt in den Händen eines türkischen Beamten. Auf dem Wege von der Grube Gorato nach dem Städtchen Tuz Charmato liegen die berühmten Kohlenbergwerke von Selahije (bei Kifri), die militärisch verwaltet werden. Auch die Arbeiter sind Soldaten. Das Merkwürdigste ist, daß dort nicht Kohle, sondern reiner Asphalt gefördert wird, welcher als Steinkohle nach Bagdad kommt und dort hauptsächlich von der Tigrisflotille als Brennstoff verwendet wurde. Auch in dieser Grube ist die Förderung so primitiv wie möglich. Von 700 militärischen Arbeitern sollen monatlich 800 bis 1000 Tonnen „Kohle" gefördert werden. Der Selbstkostenpreis dieses Materials loko Bagdad beträgt acht türkische Pfund pro Tonne. In der Nähe von Tuz Charmato befindet sich die Erdölgrube Pelkaneh. Das Oel wird hier, wie überall, mit der Hand in ein Gefäß geschöpft, welches aus einer Hammelhaut besteht. Die Gesamtausbeute dieser Grube soll täglich zirka 700 kg betragen. In Tuz Charmato ist eine staatliche „Saline", die soviel Salz liefert, daß die Bedürfnisse des Ortes *) Zeitschrift für die gesamten Interessen der Petroj leum-Industrie und des Petroleum-Handels, XVI. Jahrg., i Nr. 8. Berlin W. 62, Courbierestr. 3. j befriedigt werden mul auch noch Salz ausgeführt werden kann. Der Ort Hit am Euphrat ist als Fundstelle für „Erdpech" bekannt. Der Asphalt findet als Mörtel beim Häuserbau, aber auch an anderer Stelle mannigfache Verwendung. Wasserkrüge und Trinkbecher werden aus Stroh geflochten und mit Asphalt verpicht. Strohkähne mit Asphaltdichtung werden im Lokalver kehr auf dem Tigris verwendet. Georg Israel. Wirtschaftlicher Boykott in Tschecho - Slovakien Die von dem rührigen „republikanischen" wirtschaftlichen Klub für Prag lange zuvor propagierte Versammlung nahm einen stürmischen Verlauf. Stürmisch — insofern man gegen alle nichttschechischen Kaufleute ungehindert den Wirtschaftsboykott ausrief. Man meinte vornehmlich die jüdischen Kaufleute, aber auch die jüdischen Aerzte, Advokaten, Ingenieure, und gab dieser antijüdischen Tendenz unverhohlen Ausdrück. Offenbar wollte man mit der Propagierung des Antisemitismus beginnen, noch ehe die Juden als eigenes Volk in der ganzen Welt behandelt werden. Denn wenn man sie nach alter Methode zu den Deutschen warf, konnte man sie leichter, ja mit Siegerlust bekämpfen. Bezeichnend bleibt es, daß man, um den gerechten Zorn ethisch zu begründen, von einem solchen Boykott auf der ganzen Linie eine Hebung der nationalen Kultur sich verspricht. Darum wurden auch die leitenden tschechischen Kreise »in der Versammlung hart hergenommen, weil sie sich zu diesem Prinzip nicht bekennen. Dazu bemerkt die „Selbstwehr", Prag: „Wenn die Delegierten der Pariser Konferenz zur Hebung des Nationalglückes einen gegenseitigen Boykottvertrag schließen wollten, dann würden wir in die imperialistischen Zeiten vor dem Kriege zurückgehetzt und es bedürfte eines neuen Weltkrieges und eines neuen, jetzt so gefeierten Wilson, um die Menschheit zur Vernunft zu bringen. Wie müßte wohl ein Staatswesen oder ein Volk heute enden, das von allen andern boykottiert würde! Sollte nicht zumindest diese eine Erkenntnis die Frucht der letzten Jahre sein, daß wir alle geistig und wirtschaftlich gegenseitig aufeinander angewiesen sind?" Der Kapitalwert der jüdischen Kolonien Ueber den Wert der jüdischen Kolonien in Palästina sind sehr verschiedene Ansichten verbreitet. Einigermaßen fest steht nur, daß die Aufwendungen des Baron Rothschild etwas über 60 Millionen Frcs. betragen haben, und daß einschließlich der von den Ansiedlern selbst aufgebrachten Mittel, der Aufwendung von nicht ansässigen Besitzern und der Zuschüsse von Kolonisationsvereinen und dergleichen die in das gesamte Ansiedlungswerk hineingesteckten Gelder annähernd 100 Millionen Frcs. betragen haben dürften. Angesichts der häufig nicht sehr praktischen Arbeitsweise und Kapitalinvestierung brauchte nun der gegenwärtige*) Wert keineswegs den Aufwendungen zu entsprechen. Um das Jahr 1900, als die Kolonisation in Palästina einen krisenhaften Zustand erreicht hatte, schätzten viele den gesamten Geldaufwand als verloren. Seit dem neuerlichen Aufschwung haben andere ziemlich phantastische Werte genannt. Der landwirtschaftliche Besitzstand der Juden in Palästina vor dem *) Hierbei ist der Zustand vor Kriegsbeginn gemeint.

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