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Volk und Land · 1919-03-06 · Heft 10-11 (6.3.1919) · p. Seite 337-338

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 10-11 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 337-338 (sequence 27)
Language
German
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337 Kriege wurde auf Grund verschiedener Schätzungsmethoden auf rund 100 Millionen Frcs. angegeben. Eine ungefähre Bestätigung dieser Ziffer kann man in der Wertberechnung der deutschen landwirtschaftlichen Ansiedlungen in Palästina erblicken, die Ruppin in „Syrien als Wirtschaftsgebiet1**) zusammengestellt. Hiernach zählen die fünf deutschen Kolonien (Sarona, Wilhelma, Bir Salem, Betlahm und Um el amed) insgesamt 624 Seelen bei einem Landbesitz von rund 3300 Hektar, und der Vermögenswert der Ansiedlungen wird auf 8 Millionen Frcs. angegeben. Dies entspräche im Durchschnitt etwa 2400 Frcs. auf den Hektar und rund 12 800 Frcs. auf den Kopf der Bevölkerung. Nun umfaßt das jüdische Ansiedlungswerk in Palästina etwa 10000 Seelen (ohne die rund 2000 landwirtschaftlichen Arbeiter) und eine Fläche von etw'a 55 000 Hektar. Bei gleicher Bewertung wie oben kämen sowohl nach der Kopfzahl wie nach der Fläche des jüdischen Ansiedlungswerkes 130 Millionen Frcs. heraus. Da man aber den Wert der jüdischen Kolonien um ein ungefähres Viertel geringer veranschlagen muß als den der deutschen Ansiedlungen, deren Grundlage meist gesünder war, so kommt man wieder so ziemlich auf den oben geschätzten Wert von rund 100 Millionen Frcs. Uebrigens hat schon um 1900 Dr. Hugo Grothe in einer Arbeit über „Die deutschen Kolonien in Palästina“ eine Wertberechnung aufgestellt, bei der für die Templerkolonie „Jaffa“ der Landbesitz wie folgt berechnet ist: Wert per Hektar 14 ha Ackerland 36 000 Frcs. (2570 Frcs.) 32 „ Weinberge 96 000 „ (3000 j, ) 8 „ Orangengärten 120 000 „ (15 000 „ ) (In der Zwischenzeit hat selbstverständlich noch eine erhebliche Wertsteigerung stattgefunden.) Da die Kolonie im Jahre 1869 angelegt wurde, und der Grund uncf Boden damals kaum mehr als 100 bis 150 Frcs. per Hektar gekostet hat, so liegt schon in den obigen Ziffern ein ganz enormer Wertzuwachs, der sich irur durch entsprechende Erträge erklären läßt. Andererseits konnte noch bei Kriegsbeginn in einigen der entwicklungsfähigsten Teilen Palästinas Land zum Preise von 100 bis 200 Frcs. erworben werden. Fremdenverkehr nach Palästina Die Pilgerfahrten nach Palästina sind eine uralte Einrichtung, die sich an die Wallfahrtsfeste der Juden anschloß. Mit der Erleichterung des Verkehrs haben sie im letzten halben Jahrhundert stark zugenomimen. In der Zeit vor dem Kriege schätzte man den Fremdenverkehr Palästinas auf 15 000—18 000 Seelen, und den dem Lande daraus entstehenden Gewinn auf 10 bis 12 Millionen Frcs. pro Jahr. Wenn auch das größte Kontingent der Fremden aus armen russischen Bauern bestand, die in nach Tausenden zählenden Pilgerzügen unter großer Unterstützung der russischen Regierung nach dem heiligen Lande wallfahrten, so wird Palästina doch von einer immer wachsenden Zahl auch wohlhabender Fremden besucht, die, wie aus obigen Ziffern hervorgeht, nicht unbeträchtliche Gelder im Lande lassen. — Diese Zunahme des Touristenverkehrs ist, abgesehen von der allgemein gesteigerten Reiselust, speziell den verbesserten Reiseverbindungen zuzuschreiben; sie wird sich mit dem bevorstehenden Ausbau der Bahnverbindung mit Aegypten noch wesentlich steigern. Der Konsum der Fremden spielt auf alle Fälle eine ziemliche Rolle, und wenn die Ausfuhr Jaffas die Einfuhr bei weitem nicht erreichte, so ist eben in Betracht zw ziehen, daß durch den Fremdenverkehr doch auch eine Art „Verkauf ans *) Verlag des Kolonial wirtschaftlichen Komitees, Berlin, 1917.; <; 338 Ausland“ stattfand, der die Differenz schon jetzt in manchen Jahren nahezu ausglich. Das Hotelwesen ist vor der Hand noch recht wenig entwickelt. Oie besten Gasthäuser waren die von der Hamburg-Amerika-Linie errichteten oder subventionierten Hotels in Jerusalem, Nablus, Dschenin und Tiberias. Für die christlichen Pilger ist in den zahlreichen Herbergen Unterkunft geschaffen. Jüdische Hotels gibt es in Jaffa, Jerusalem und Haifa. Auch in den kleineren Städten wie in den größeren Kolonien ist für Unterkunft gesorgt, doch könnte das Unterkunftsvvesen ganz anders ausgestaltet werden, um dem zunehmenden Interesse des Reisepublikums an diesem Lande entgegenzukommen. Die Fremdenindustrie könnte eine der Hauptein nahmequellen Palästinas werden. Die Schweiz nahm schon vor Jahren etwa '200 Millionen Frcs. jährlich aus der Verpflegung von Touristen ein. In über 1800 Hotels waren an 30 000 Angestellte beschäftigt, deren Gehälter allein 20 Millionen Frcs. ausmachten. Noch wesentlichere Bedeutung hatte der Fremdenverkehr für Italien. Bei dem Interesse, das aus den verschiedensten Ursachen während des Krieges sich auf Palästina konzentriert hat, kann man annehmen, daß Unternehmungen solcher Art auch finanziell ein gutes Ergebnis haben werden. Palästina und Aegypten In einem Artikel über die wirtschaftliche Entwicklung Aegyptens in englischer Beleuchtung*) bespricht Hans Emmerling den jüngst veröffentlichten Bericht der Anglo-ägyptischen Bank für das laufende Geschäftsjahr, der eine Reihe bemerkenswerter Informationen über das ägyptische Wirtschaftsleben enthält. Ueber den Einfluß des Krieges und des Waffenstillstandes sagt der Bericht folgendes: „Die Ergebnisse der Bank spiegeln das wirtschaftliche Fortschreiten Aegyptens wieder, das während des Krieges geradezu außergewöhnlich begünstigt worden ist. Dig geographische Lage Aegyptens hat es zur Basis für die Operationen der Armeen im Osten gemacht. Die Baumu'oll- und Lebensmittelernte konnte zu geradezu phänomenal hohen Preisen abgesetzt werden. Das Kriegsministerium hat nach Aegypten 20 Millionen Pfund Sterling für die Bedürfnisse der Armee gesandt. Hierzu kommen, lediglich als Erlös für die Baumwollernte, 50 Millionen Pfund Sterling. Diese Entwicklungen haben natürlich einen ganz gewaltigen feedarf an Industrieartikeln aller Art gebracht, der im Wege des Imports befriedigt werden mußte, und was immer ins Land kam, wurde mit gutem Gewinn sofort verkauft. Leider hat der plötzliche Abbruch des Krieges einen Rückschlag herbeigeführt, weil alle Welt der Ansicht ist, daß demnächst die Waren zu erheblich billigeren Preisen zu bekommen sein werden. Infolgedessen ist die Kaufbewegung zum Stillstand gekommen, und die Lager bei den Händlerfirmen haben sich gewaltig angehäuft. Es ist aber zu hoffen, daß die Oeffnung der Verkehrswege nach Palästina und Syrien, welche Länder von Waren gänzlich entblößt sind, die Belastung des ägyptischen Marktes heben wird.“ Welche Bedeutung man in Aegypten dem künftigen Handel mit Palästina beimißt, und welche Pflege man diesen Beziehungen angedeihen lassen will, zeigen die folgenden Sätze: „Ehe Anglo-ägyptische Bank hat Filialen in J a f fa und Jerusalem eröffnet und ist mit der Absicht beschäftigt, auch in Haifa eine solche zu eröffnen. Als ein günstiges Symptom für die Zukunft ist die Tatsache auf zufass en, daß die Filiale in Jerusalem, obgleich sie im ganzen ein Jahr besteht, bereits ihre *) „Der neue Orient“, Bd. IV, Heft 7/8. VOLK UND LAND

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