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Volk und Land · 1919-03-06 · Heft 10-11 (6.3.1919) · p. Seite 331-332

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 10-11 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 331-332 (sequence 24)
Language
German
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33! VOLK und LAND 332 sehen Volkes von der Weltdiplomatie anerkannt werden wird. Auch dieses Anerkenntnis würde die deutschen Juden zu nichts zwingen und zu nichts verpflichten. Außerjüdische Kräfte, die zu weltpolitischen Zwecken, gewiß aber nicht um des Judentums willen, den Be griff eines jüdischen Volkes als neuen terminus technicus des diplomatischen Sprachgebrauchs prägen, sind nun und nimmer in der Lage, die Juden, welche nicht national fühlen, zu einer nationalen Einheit zu verschmelzen. Das Bekenntnis zum jüdischen Volk kann nur ausgesprochen werden von dem allein maßgebenden unverfälschten Willen aller Juden der ganzen Welt. Insbesondere werden die deutschen Juden den in Versailles im englischen Interesse geprägten Begriff eines jüdischen Volkes niemals für sich als maßgebend anerkennen. Ueber seine Volkszugehörigkeit entscheidet das deutsche Judentum allein.“ „Israelitisches F a m i 1 i e n b 1 a 11‘‘ (Hamburg) : „Der Zionismus betreibt bei seinen Bestrebungen auf Zusammentritt eines deutsch-jüdischen Kongresses einen gewissen Terrorismus. Wenn wir demnächst am die Wahlurne treten, um einen Vertreter zu diesem Kongreß zu wählen, so ist der Wahlkommissar, wenn wirklich nach demokratischen Grundsätzen gewählt werden soll, nur berechtigt, den Nachweis zu verlangen, daß der Wähler ein Jude ist, der in Deutschland seinen Wohnsitz hat. Der Zionismus verlangt hingegen, daß er sich zuvor zu seinem Programm bekennen soll. Wer der Anschauung huldigt, daß die Judenheit lediglich eine religiöse Gemeinschaft ist — anders kann ich die bezüglichen publizistischen Darbietungen nicht auffassen —, soll von vornherein nicht als wahlberechtigt gelten. Nur derjenige soll als Wähler zugelassen werden, der sich zum jüdischen Volksgedanken bekennt, der nationaljüdisch denkt und empfindet. Nun aber denkt und empfindet, wenn es hoch gegriffen ist, kaum ein Viertel der Juden Deutschlands so; sollen denn die Übrigen von der Vertretung ausgeschlossen werden? Ist ein solcher Kongreß eine Gesamtvertretung aller in Deutschland lebenden Juden? Wahrlich, wir Juden sind doch ein gar wunderbares Völklein! Da sprechen uns die extrem Orthodoxen unser Judentum ab, weil wir nicht in allen religiösen Dingen zu ihrer Ansicht uns bekennen wollen; dann tun die Zionisten wieder dasselbe, weil wir nur jüdisch-religiös und nicht auch jüdisch-national empfinden! Können wir auf diesem Wege uns zusammenfinden? Kann bei solchen Forderungen und solcher Denkweise auch nur die Möglichkeit zu einer Gesamtvertretung aller in Deutschland lebenden Juden ernstlich erwogen werden? . . . . Wir alle sollten vielmehr für eine Gesamtvertretung aller in Deutschland lebenden Juden eintreten. Ich gebrauche diesen Ausdruck mit vollster Absicht, weil man sonst in jeder anderen Bezeichnung ein Stück Programm erblickt, wenn die einen sich als deutsche Juden bezeichnen und die anderen mit Nachdruck hervorheben, daß sie jüdische Deutsche seien. Der Kongreß soll von vornherein keiner bestimmten religiösen oder politischen Idee dienen; er soll Gesamtvertretung aller Richtungen sein. In ihrem eigenen Interesse sollten alle nichtzionistischen Parteien die Kongreßidee aufgreifen, die allein die Möglichkeit gewährt, die Kräfte einmal zu messen und vor der Welt festzustellen, einen wie kleinen Bruchteil der deutschen Juden die Zionisten bilden, und wie gering die Zahl derer ist, die für die Juden Deutschlands politische Axitonomie fordern und an die Stelle der jüdischen Kultusgemeinde die jüdische Volksgemeinde setzen wollen. Ein neues Organisationsgesetz für die preußischen Juden, ist angesichts der veränderten politischen Ver hältnisse so gut wie ausgeschlossen, eine deutsche oder preußische Judenheit ohne jedweder Gesamtorganisation aber birgt große Gefahren für die Zukunft ln sich. Darum keine Ablehnung des Kongreßgedankens, son dern prinzipielle Zustimmung, wenn es gelingt, ihn der Gesamtheit, nicht einer einzelnen Partei, dienstbar zu machen. Ich schätze den demokratischen Geist der Zionistenführer so hoch ein, daß ich nicht annehme, daß sie einen Zusammenschluß aller Juden nur darum ablehnen werden, w eil die Nichtzionisten nicht von vorn herein sich auf das Bekenntnis „Jüdisches Volk“ festlegen lassen wollen, sondern Wahlen zu einen* solchen Kongreß nur auf einer gewissen neutralen Basis wünschen. Ich appelliere darum an die nichtzionistischen Verbände — die berufenen Vertreter hierfür wären i meines Erachtens die „Freie orthodoxe Vereinigung“ und der „Verband der deutschen Judenft —sieb Uliverj züglich mit der „Zionistischen Vereinigung für Deutsch land“ ins Einvernehmen zu setzen und nachdrücklichst j zu versuchen, zu einer Verständigung im Sinne dieser j meiner Ausführungen zu gelangen.“ Justizrat Dr. Eugen Fuchs in den „Neuen Jüdischen Monatsheften“: „Wir wollen, um die durch die Neuordnung der Dinge geschaffenen Fragen zu lösen, einen Kongreß haben; aber wir können an keinem Kongreß teilnehmen, der zur Teilnahme verlangt das Bewußtsein der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke. Wir erkennen zwar auch die Einheit des Judentums an, aber sie ist uns keine völkische Einheit, und es sind vor allem die deutschen Juden kein Volk im Volke. An einem Kongreß, der jüdischnationale und deutschnationale Juden umfaßt, wollen wir teilnehmen. Wir wollen diesen Kongreß auf breitester Grundlage geschaffen sehen und die Fragen behandeln, die uns Juden als Juden interessieren, wir wollen dort über die Trennung von Staat und Kirche sprechen vom jüdischen Standpunkt aus. Wir wollen über die Wahlberechtigung ausländischer Juden in den Gemeinden beraten und diese Fragen lösen. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß, w'enn die Zionisten den Begriff der Volksgemeinden aufrechterhalten wollen, wenn sie die Erziehung unserer Jugend in Deutschland ganz auf streng jüdischnationalem Charakter aufbauen, d. h. das jüdische Kind vom Kindergarten aus durch die jüdischen Schulen bis über die Hochschule hinaus jüdisch erziehen wollen, wir dann gar nicht daran denken würden, ausländischen Juden ein Mitbestimmungsrecht zu geben. Wir können den ausländischen Juden nur dann ein Mitbestimmungsrecht geben, wenn es sich rein um Fragen des Kultus und der Religion handelt, nicht aber, wenn es sich darum handelt, unsere Kinder in dem Sinne zu erziehen, daß sie deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens sein sollen. Der Centralverein wird demnächst seine Delegiertenversammlung zusammenberufen und ihr in diesem Sinne ein Programm vorlegen und die Frage erörtern, wie man einen Kongreß auf breitester Grundlage schafft, der den Willen der überwältigenden Mehrheit zum Ausdruck bringt. Die Schwierigkeiten sind angesichts der heutigen Verkehrsverhältnisse unendlich; vielleicht wird es gar nicht anders möglich sein, als daß alle jüdischen Organisationen ihre Delegierten schicken, oder daß man die Gemeinden veranlaßt, nach einem demokratischen Wahlrecht Kongreßdelegierte zu ernennen.“ Paderewski und die jüdische Frage in Polen „Die nationale Autonomie werden wir Euch nicht geben, aber Ihr werdet soviel Freiheit erlangen, wie die Polen in Amerika.“ In dieser Art pflegt sich Herr Paderewski zu äußern, so oft er Juden: gegenüber seine programmatischen Erklärungen abgibt. Wir bringen weder dem Verständnis des Ministerpräsidenten für die Lösung der polnisch-jüdischen Frage besonderes Ver-

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