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Volk und Land · 1919-03-06 · Heft 10-11 (6.3.1919) · p. Seite 327-328

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 10-11 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 327-328 (sequence 22)
Language
German
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327 VOLK UND LAND 328 | AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA - ARBEIT | POLITISCHES Die Judenfrage auf der Friedenskonferenz Alljüdischer Kongreß — Sozialismus — Palästinafrage Die Angelegenheit ist einfach: Das jüdische Volle will Palästina. Ein Teil der Juden geht dahin; der größere bleibt zurück. Alle (oder fast alle) werden einen jüdischen Kongreß gutheißen, der das Erez Israel in sein Programm auf nimmt. Der jüdische Kongreß repräsentiert die Juden, Millionen dieses Volkes. T r i e t s c h hat einmal dessen Nationalvermögen mit 100 Milliarden beziffert. Für die kommende große jüdische Tat kommt ein winziger Bruchteil in Frage. Auf den Augenblick nur eine Anleihe, deren Abgabe in teilweise späteren Zeitabschnitten erfolgen kann. Eine, vielleicht audr zwei bis drei Milliarden. Wer die „Utopie“ dies jx>litischen Zionismus sich verwirklichen sah, hat das Schandern über diese Summe verlernt. In unseren Tagten haben kleinere, ärmere Völker größere Summen verwirtschaftet, verpulvert, verschlampt. — Resolutionen verpflichten; das Volk haftet für das Gelingen des Werkes. Das jüdische Volk wird sich also entschließen, den Geldbeutel zu öffnen, 'jedes einzelnen seiner Mitglieder. Wir stehen an der Schw'elle des grandiosen Werdens eines jüdischen Staates. ‘Mögen die von uns gehen, die in dieser Stunde knausern. Wie ein Werkzeug aus der Steinzeit kommt mir der Jüdische Nationalfonds vor. Einkünfte von 1—2 Millionen, die nicht an das Budget der jüdischen Gemeinde Berlin heranreichen. Eine Weltbewegung mit einem Schatz, den selbst Bulgarien in schweren Zeiten in wenigen Tagen verausgabte! Nichts wird diesen Fonds zu dier Größe bringen, deren wir für unsere Aufgabe bedürfen. In jedem Volk ist die Mehrzahl banausisch. Auch dieser Teil muß nach seinem Können dazu beitragen. Den Idealisten werden genug Möglichkeiten offen stehen, über dieses Maß hinauszugehen. Ich berechne die jährlichen Kultusstepern der Juden auf Vs—1 Milliarde. Mit der gleich hohen Summe wollen wir für fünf Jahre rechnen. Durch ihre Abgabe verarmen die Galuthjuden noch lange nicht. — Deutschland opferte seinem Krieg die Hälfte des Nationalvermögens. Das jüdische, Volk soll sich von einem Minimalen trennen. Der Kongreß wird die Landtnannschaften besteuern, die Landmannschaften die örtlichen Gemeinden erfaßen. Hier ist der Prüfstein. Die alte Zeit ist abgelaufen. Utopien von gestern sind Wirklichkeiten, Selbstverständliches, eine soziale Tat wird gefordert Altjüdisches Gesetz lebt auf,; soziales Empfinden heischt und ethisches Verständnis gebietet es: Das jüdische Volk kauft den Grundi und Boden; es nationalisiert das Land, siein Land. Das jüdische Proletariat steht zwischen den Organisationen des Sozialismus und Zionismus. Der Inhalt dies Religiösen ist in Tausenden Gehirnen abgeschwächt — zur sozialistischen Ethik geworden. Führer und Massen sehen in der politischen Tat des Zionismus die äußere Form', in der Sozialisierung den innern Gehalt. Im Greuel des Weltkrieges hat sich das jüdische. Volk gesucht und gefunden. Es hat die Zeichen der j Zeit verständen. j Kleinbürger können feilschen, Andern ist der Weg gegeben. Der Weg. Felix A. Theilhaber. j Die Deutsche Allg. Zeitung setzt sich in einem von Objektivität und Sachkunde zeugendem Artikel mit den Forderungen des jüdischen Volkes für die Friedenskonferenz auseinander. Sie hebt die Bedeutung eines jüdischen Palästina für die Herstellung wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen zwischen Deutschland und dem vorderen Orient hervor und regt eine Unterstützung der jüdischen Forderungen durch Deutschland an. Die Deutsche Allg. Zeitung gibt mit Recht der Meinung I Ausdruck, daß die moralische Wirkung einer solchen Unterstützung auf das Judentum nicht ausbleiben werde. | Wir stimmen ihr ferner zu, wenn sie auf das Interesse der Judenheit hinweist, daß alle Staaten und Völker ihre Forderungen anerkennen. Nachstehend bringet wir jene Ausführungen zum Abdruck, die in ihrem einleitenden Teil die wachsende Bedeutung des Judentums als eines politischen Faktors im öffentlichen Leben betonen. „Die Judenfrage hat in diesem Kriege eine Entwicklung genommen, die ihr auf die Aufmerksamkeit aller politisch interessierten Kreise Anspruch gibt. Schon vor dem Kriege hat eine bestimmte Gruppe innerhalb des Judentums, die . zionistische, die Judenfrage als ein politisches Problem erklärt und für das jüdische Volk politische und nationale Forderungen aufgestellt. In diesem Kriege hat sich diese Auffassung der jüdischen Frage fast in allen Ländern durchgesetzt. Zunächst hat die überwiegende Majorität des Judentums in den verschiedenen Ländern sich für die nationale und zionistische Auffassung erklärt, und sodann haben die einzelnen Staaten die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes anerkannt. Die Erklärungen, in denen England, Amerika, Frankreich, Italien die jüdischen Forderungen nach einer nationalen Heimstätte in Palästina angenommen haben, sind bekannt, ebenso auch die Erklärungen der deutschen und früheren österreichische» Regierung, in denen sie, wenn auch in einer durch die Rücksichtnahme auf den türkisdien Bundesgenossen bedingten vorsichtigeren Fassung, diese Forderungen I gleichfalls anerkannt haben. In letzter Zeit hat diese Entwicklung noch weitere Fortschritte gemacht. England hat die zionistische Organisation als Vertretung des jüdischen Volkes zum Eintritt in den Völkerbund eingeladen; in den letzten Wochen haben in London und Paris Verhandlungen | zionistischer und nationaljüdischer Politiker mit den leij tenden Staatsmännern der Entente stattgefunden, die I zu dem Ergebnis geführt haben, daß das jüdische Volk eine Vertretung auf der Friedenskonferenz haben w'rd. Damit ist das Judentum zu einem politischen Faktor geworden, der auf Grund des Einflusses, den das internationale Judentum in der Presse, der Finanz und dem politischen öffentlichen Leben der verschiedenen Länder ausübt, für alle Staaten von Bedeutung ist. Die jüdischen Forderungen für die Friedenskonferenz umfassen drei Punkte, die einheitlich von den Juden aller Länder vertreten werden. Es sind dies: 1. Palästina als nationale Heimstätte für das jüdische Volk; : 2. Nationalautonomie für die Judenheit des Ostens und!’ 3. die Sicherung der Gleichberechtigung in allen Ländern. Es ist notwendig, daß auch die deutsche Oeffent- Iichkeit sich mit diesen Forderungen beschäftigt, da naturgemäß auch für Deutschland' die Haltung des Judentums

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