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Volk und Land · 1919-03-06 · Heft 10-11 (6.3.1919) · p. Seite 319-320

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 10-11 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 319-320 (sequence 18)
Language
German
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319 VOLK UND LAND 320 Insekten leben und gedeihen in stehenden Wasseransammlungen, in langsam fließenden Kanälen, überhaupt i n untiefen Gewässern ohne starke stetige Bewegung. Es ist hiernach vor allem notwendig, den zum Erwerb und zur Besiedlung in Aussicht genommenen Ort, einschließlich seiner Umgebung daraufhin einer Besichtigung zu unterziehen, ob solche für die Insektenvermehrung besonders geeignete Wasser- und Sumpfstellen vorhanden sind. Es ist klar, daß die Umgebungen großer Sumpfflächen in dieser Hinsicht höchst gefährlich sind. Die Gruben und Hügelchen an ihren Rändern sind die besten Brutorte für die Larven der Anopheles. Sümpfe, die im Laufe einiger Monate eintrocknen, bilden eine größere Gefahr als solche, deren Wasser nur kurze Zeit stehen bleibt. Die Sanierung eines Ortes ist keine einfache Aufgabe, und ihre Lösung nicht sehr leicht. Zur Auffindung der für den Ort besonders geeigneten Bekämpfungsmittel ist eingehendes Studium der Verhältnisse des Ortes erforderlich. Man kann einen Ort sanieren durch Trockenlegung der Sümpfe, durch Bepflanzung, durch Anlegung eines Kanalsystems zur Abführung des Sumpfwassers, durch Instandhaltung der Bachläufe, durch Entfernung des Schilfes und der Sträucher, zwischen denen das Wasser sich staut, u. dgl. mehr. Was im einzelnen zu unternehmen ist, ist eine Frage, die von Fachleuten, Ingenieuren und Aerzten geprüft und entschieden werden muß. Sache von Fachleuten ist es., die Höhe des Ortes festzustellen, den Wasserstand zu verschiedenen Jahreszeiten, die Tiefe des Sumpfgrun- ' des und in der Hauptsache das Vorhandensein von Larven und insbesondere der Anopheles. Außerdem ist zu achten auf die Gesundheitsverhältnisse der Einwohnerschaft; insbesondere ob und in welchem Umfange Fälle von Malaria vorgekommen sind. Zu diesem Zwecke ist eine Milzuntersuchung, besonders bei Kindern, und, wenn mög’ich, auch eine Untersuchung des Blutes erforderl'ch. Was die Beseitigung der Sümpfegefahr betrifft, so sind einige Aerzte der Ansicht, daß die Anophelesfliege nicht über 1 km von ihrer Brutstätte sich entferne. Jedoch soll man sich auf diese Angabe nicht zu sehr verlassen; andere glauben vielmehr, daß eine Fläche von 2 km im Kreis um den verseuchten Ort den Herrschaftsbereich der Anopheles bilde, und geben den Rat, wenigstens die Wohnstätten nicht innerhalb dieser gefährdeten Zone anzulegen. Manche Forscher sind der Ansicht, <jaß die Anopheles nur in der Nacht steche. Doch trifft diese Beobachtung wenigstens für Palästina nicht zu. Für Palästina ist zweifellos festgestellt, daß die gefährliche Krankheitserregerin zu jeder Zeit, Tag und Nacht die Malariabakterien' überträgt. Aus diesem Grunde ist es ratsam, nicht nur die Schlafstelle, sondern auch den Arbeitsort von den Brutstätten der Anopheles möglichst weit entfernt zu halten. Von Bedeutung ist auch die Windrichtung. Es ist klar, daß das Insekt mit dem Winde eine viel weitere Strecke zu fliegen imstande ist. An der Küste Palästinas kommt der Wind vom Meere. Im Norden des Jordantales (Mischmar Hajarden, Jessod Hamaala) weht der Wind vom Norden. Solche feststehenden Windverhältnisse sind bei der Anlage von Siedlungen in Sumpfgegenden immer zu berücksichtigen. , Es besteht die Meinung, daß die Intensität der Malaria in der Hauptsache vom Verhältnis der Anzahl der Anophelesfliegen zur Einwohnerzahl bestimmt sei. Hiernach ist es schon von großer Bedeutung, wenn es gelingt, die Zahl der Insekten wesentlich zu vermindern. Die Wirkung einer solchen Verminderung auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung ist dann unverkennbar. Erreicht die Anzahl der Insekten ein bestimmtes Minimum, so hört ihre schädliche Wirkung oft ganz auf. Es muß daher alles geschehen, um die Zahl dieser kleinen Schädlinge nach Möglichkeit zu verkleinern und ihre Entwicklung auf ein Minimum her, unterzubringen. Große und tiefe Sümpfe, deren Grund höher liegt als der Meeresspiegel, und die nicht allzuweit vom Meere entfernt liegen, können durch Gräben und Kanäle leicht trocken gelegt werden. In der Nähe flacher Sümpfe pflanzt man am besten — nach Anhörung eines erfahrenen Agronomen — geeignete Baume, so z. B. Eukalyptus und andere. Lassen sich die bezeichneten Maßregeln nicht ausführen, wenn also z. B. der Grund des Sumpfes zu tief liegt, oder die Entfernung zum Meere zu weit ist, oder aus einem sonstigen Grunde, sio ist es ratsam, das ganze Wasser in einer Teichanlage zu sammeln. In diesem Teich kann man Fischarten züchten, die die Entwicklung der Anopheles stören, Doch müssen die Ufer dieses Teiches steil und glatt sein, ohne Vertiefungen und Erhöhungen und frei von Gräsern, denn das in diesen kleinen Unebenheiten oder zwischen den Gräsern sich stauende Wasser wird von der Anopheles als Aufenthaltsort und Brutstätte bevorzugt. Sind nun alle dargelegten Maßregeln getroffen, so glaube man nicht, daß damit alles Notwendige getan sei. Die Sanierung des Ortes erfordert., daß man d auernd auf der Hut ist. Daß der alte Zustand nicht wiederkehre^ ist eine stetige Aufsicht nötig. Auf die Reinigung der Kanäle, ihrer Freihaltung von Gestrüpp und Unrat ist zu achten, damit keine Verstopfung und keine Stauung im Wasserabfluß eintritt. Eine sehr notwendige und Erfolg verheißende Arbeit für die Sanierung ist das tiefe Pflügen. Dadurch trocknet die Erde ein; es sammelt sich kein Wasser in den! tiefen Stellen und die Versumpfung des Bodens wird verhindert. Als man vor Jahren an die Durchführung solcher Entsumpfungsarbeiten heranging, war die Gefahr für die Arbeiter groß, und es bedurfte einer starken Selbstüberwindung, ehe man sich dazu entschloß. Jetzt gibt es schon sichere Mittel, durch welche die Bewohner malariaverseuchter Gegenden vor der Krankheit sich schützen können, und mit deren Hilfe es möglich ist, ohne großes Risiko an gefährdeten Orten zu arbeiten. In erster Linie kommt Chinin als Vorbeugungsmittel in Betracht. Die beste und sicherste Art ist, einem jeden än gefährdeten Orten wohnenden Menschen Chinin in kleinen Dosen (0,30 bis 0,90 g täglich) zu geben. Kindern gibt man Euchinin, das nicht bitter ist. Jeder, der es unternimmt, in malariaverseuchten Gegenden zu arbeiten, sollte sich verpflichten, täglich eine geringe Menge Chinin zu nehmen. Man darf nicht damit warten, bis die Krankheit sich eingenistet hat; denn dann genügt die geringe Menge nicht mehr. Die Wirkung des Chinins auf die Bakterien der Malaria ist stark während des Eindringens des ersten Geschlechts. Später erzeugen die Bakterien neue Geschlechter, die stärker sind als ihre Vorgänger und widerstandsfähiger gegen die verheerende Chininwirkung. Nächst Chinin ist Petroleum ein wichtiges Mittel zur Malariabekämpfung. Man gießt es auf die Wasserlachen und trägt dadurch zur Verringerung der Insektenfrieaige erheblich bei, wenn es auch auf diesem Wege nicht gelingen kann, alle Larven zu vernichten. Aus dem Hebräischen (Hachaklai, Bd, III, Heft 2);

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