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Volk und Land · 1919-03-06 · Heft 10-11 (6.3.1919) · p. Seite 317-318

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 10-11 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 317-318 (sequence 17)
Language
German
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317 VOLK UND LAND 318 Referent verlangt eine Auslese der Einwanderer, wobei auch die Orthodoxen durch eigene Vertrauensmänner vertreten sein sollen und schließt, mit einer Resolution, die verlangt, daß der Wert von Grund und Boden einer Beschränkung und Bevorzugung nicht unterliegen darf. Vor allem mußt durch rechtzeitiges Eingreifen der Erwerb von Boden zu spekulativen Zwecken verhindert werden. Es handelte sich bei diesem interessanten"Referate nur um die Einführung in die eigentliche Palästina-Debatte. Von verschiedenen Rednern wurde namentlich die Fi n a n zfrage behandelt, und schließlich die Gründung einer „Jüdischen Handels- und SiedeTungsbank“ mit dem Hauptsitze in London und. einer Filiale in Palästina beschlossen. Dabei kam zum Ausdrucke, daß in den kommenden Monaten eine eifrige Propaanda betrieben werden solle, damit die notwenigen Mittel möglichst bald zur Verfügung stehen werden. Ferner wurde angeregt, eine Zentralstelle für die Palästinaarbeit zu gründen. Dieses Palästinaamt soll die wichtige Aufgabe haben, ein Informationsbureau zu errichten, Studienkommissionen zu entsenden und die Emigration vorzubereiten. Von Dr. med. Hofmann (Frankfurt a. M.) wurde dann die Anregung gemacht, ein allgemeines jüdisches Gesundheitsamt zu gründen, das im Einvernehmen und in Verbindung mit den schon in Palästina bestehenden medizinischen Behörden und Institutionen arbeiten soll. Insbesondere liegt dem Gesundheitsamt das Studium der sanitären Verhältnisse des Landes und die Ausarbeitung eines Gesundheitsgesetzes in den jüdischen Siedelungen ob. Die Schlußresolution des Referates über die Palästina-Arbeit lautet wörtlich: „Die Weltkonferenz der jüdisch-orthodoxen Verbände im Adar 5679 fordert, daß der Aufbau jedes jüdischen Gemeinwesens im heiligen Lande nur auf Grundlage des jüdischen Gesetzes geschehe, wie dieses in der schriftlichen und mündlichen Ueberlieferung in einer uns bindenden Form vorliegt. . Es ist eine Kommission von Gedaulei-Thauro und sonstigen Sachkundigen zu bilden, die in Verbindung mit den an erster Stelle zuständigen Gedaulei-Thauro des heiligen Landes die Art der Anwendung des obigen Prinzips auf die konkreten künftigen Verhältnisse des heiligen Landes in einem ausführlichen Entwurf ausarbeitet und vor allem dabei die sofort zu verwirklichenden Bestimmungen über Eherecht, Sabbath, Schmitto und Schulverfassung wegen ihrer zeitlichen Dringlichkeit an erster Stelle berücksichtigt.“ Von großer Bedeutung dürften die politischen Forderungen sein, die von seiten der Konferenz betreffs Palästina aufgestellt wurden. Sie lauten: 1. das jüdische Volk erwartet vom Friedenskongreß die grundsätzliche Anerkennung Palästinas als das Land Israels, allwo es berufen ist, seine nationalen Aufgaben gemäß Lehre und Gesetz der Gottesoffenbarung zu verwirklichen. 2. das jüdische Volk, dem die Besiedlung Palästinas während der Dauer der Zerstreuung stets eine religiöse Pflidht war, beansprucht das Recht, im heiligen Lande unter dem Schutze des Völkerbundes oder seiner Mandatare ein jüdisches Gemeinwesen auf breitester Basis durch planmäßige Einwanderung und Ansiedlung zu errichten und zwar unter Bedingungen, welche die selbständige Erhaltung seiner religiös-nationalen Kultur auf gesunden wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen, sowie in freundschaftlicher Verständigung mit der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas ermöglichen. Das sind wahrlich deutliche Worte und sie werden besonders in zionistischen Kreisen Aufsehen erregen, da sie immerhin eine Konzession an den Nationalismus bedeuten. Das beweist, daß auch die Orthodoxie gelernt hat und heute zugesteht, daß die Juden auch als n ationale , nicht nur als religiöse Gemeinschaft aufzufassen sind. Ueberhaupt ruhte auf der Konferenz (mit einigen Ausnahmen) der Geist des Friedens. Man will sich mit den Zionisten, verständigen, damit die Forderungen zur Friedenskonferenz gemeinschaftlich abgegeben werden können. Es wurde eine Kommission gewählt, die diese Einigung zu erzielen trachten soll. Folgende Herren gehören ihr an: Die Rabbiner Dr. Cohn-Basel, Margulies-Florenz, Schapiro-Kowno, Dr. Weill-Buchsweiler, die Herren Rosenheim und Wrescbner- Frankfurt a. M., Eisemann-Zürich und Frankel-Budapest. Wir werden wohl bald zu hören bekommen, wie die Einigung zustande gekommen ist und sehen in diesen Verhandlungen einen Segen für die kommende große Palästina-Arbeit, die nur vom gesamten Volk mit größten Mitteln und Kräften geleistet werden kann. BODENKAUF UND MALARIA Von Dr. H i 11 e 1 Joffe (Sichron-Jakob). Beim Erwerb von Boden in Palästina achtet der Käufer im allgemeinen auf alles, wras irgendwie für das Grundstück von Bedeutung ist. Er berücksichtigt die Beschaffenheit des Bodens, die Entfernung von der Stadt oder dem Markt, wo die Bodenprodukte abgesetzt werden sollen, die Art und Beschaffenheit der Straßen und sonstigen Verbindungen — lauter Dinge, die in keiner neu zu begründenden Wirtschaft übersehen werden dürfen, und doch — wie wenig wiegen alle diese so wichtigen Bedingungen, wenn den sanitären Verhältnissen des Ortes keine Beachtung geschenkt wird. Die Geschichte des neuen Jischuvv hat bewiesen, wie unendlich gefährdet die Entwicklung einer Siedlung ist, welche die Mangelhaftigkeit des sanitären Zustandes unberücksichtigt gelassen hat. Unerhörte Opfer hat solche Vernachlässigung gefordert, Opfer an kostbarem, unersetzlichen Menschen material, die in solchem Umfange nicht gebracht hätten werden brauchen. Die meistverbreitete Krankheit in Palästina ist die Malaria. Wo sie herrscht, ist keine wohlgeordnete Arbeit möglich, sie verhindert, daß die Siedlung jemals zur Blüte gedeihen kann. Wie anders wäre es, wenn vor der Besiedlung die Sanierung des ungesunden Ortes in Angriff genommen, Fachleute zu Kate gezogen, und gleich zu Beginn für die erforderlichen Maßregeln die Kosten bereit gestellt würden, die sich tausendfach bezahlt machten. Die der Malariaverbreitung besonders günstigen Bedingungen sind bekannt. Mücken von der sogenannten Anopheles-Art übertragen den Krankheitskeim vom Kranken auf den Gesunden. Diese

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