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Volk und Land · 1919-03-06 · Heft 10-11 (6.3.1919) · p. Seite 315-316

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 10-11 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 315-316 (sequence 16)
Language
German
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315 VOLK UND LAND 316 auch zur Ausbildung zum Lehrberuf in dem einen oder anderen Fall führen können. Diese Aufstiegsmöglichkeit auch aus den Anfängen der Elementarschule heraus, wird den Andrang zu den höheren Berufen in seinen ungesunden Auswüchsen auf ein Minimum zurückschrauben und ihnen wirklich nur-die allererlesensten, die dafür wirklich berufenen Kräfte zuführen. Diese Möglichkeiten, die hier für die Mädchen der kommenden Ausbildung dargelegt sind, bestehen auch für die verheirateten Frauen, die sich über ihr Heim hinaus betätigen wollen. Zu einem Teil werden ihnen ihre praktischen Erfahrungen mindestens zur gleichen Leistungsfähigkeit verhelfen, j während sie andrerseits dadurch die Möglichkeit haben, auf Gebieten, die ihnen liegen, und äuf denen sie gern mitwirken möchten, Fehlendes nachzuholen, j Diese Betätigung der Frau außer dem Hause j ist nach meiner Meinung der springende Punkt, von ihr verspreche ich mir die Errettung der Frau j aus der Enge des Hauses. In ihrer Tätigkeit außer; dem Hause, aus ihrer Teilnahme am öffentlichen j Leben, durch ihren Einblick und ihre eventuelle i Einwirkung auf Leitung und Verwaltung gemeinj nütziger Anstalten und Betriebe wird sie sich, die j Spannkraft und Frische, die geistige Anregung und j Beweglichkeit holen, die sie zu ihrem eigenen Wohl- 1 DIE PALAEST1NAFRAOE VOR JUEDISCH - ORTHODOXEN Von Dr. David Auf der Tagesordnung der in Zürich vom 19.—25. Februar tagenden Weltkonferenz der orthodoxen Verbände befand sich ein Traktandum „Palästina-Arbeit“, das am Sonntag, den 23. Februar zu eingehender Beratung vorlag und auch viel Beachtung fand. Abgesehen von der grundlegend verschiedenen Auffassung über die Arbeit im heiligen Lande, die die Orthodoxie gegenüber den Zionisten stets und auch jetzt vertreten hat, machten diese Verhandlungen doch den Eindruck, daß der moderne Palästinagedanke tiefe Wurzeln auch in den Kreisen der jüdischen Orthodoxie gefaßt hat und man bereit ist, mit den Zionisten j gemeinsam die Einwanderung und die Koloni- I sation zu fördern und den inneren Ausbau finan- ] zieh zu stützen. Es sollten folgende Traktanden j der Palästina-Arbeit zur Beratung gezogen werden: 1. die innere Verfassung der jüdischen Siedlung j in Palästina. 2. Die religiös-kulturellen Aufgaben j in Palästina und ihre Ausführung. 3. Die wirtschaftlichen Aufgaben in Palästina und 4. die Organisation der Palästina-Arbeit in der Diaspora. Herr M. A. Loeb (Berlin) hielt zu dieser Frage das einleitende und aufklärende Referat. Wir wollen es hier kurz skizzieren: Zur Ansiedlung gehören drei Faktoren, nämlich bereitgestelLes Land, taugliche Menschen und genügendes Kapital. Von diesen drei Faktoren ist vorläufig kein einziger vorhanden. Das darf uns nicht abschrecken. Wir sind noch das sptv 'SPp Dy im Bösen wie } im * Guten. Hier wird sich diese Eigenschaft zum Guten erweisen, bei der Fülle der Personen, die zur Einwanderung drängen, wird es immerhin möglich sein, eine Auslese zu halten, die brauchj bare Elemente bereitstellt. Mit ihrer Hilfe kann j auch die Bodenfrage gelöst werden. Zunächst aber ist es notwendig, sidi mit anderen Organi- I sation en über das Boden recht zu verständigen. ' Das altjüdische Bodenrecht, das den Einzelnen in i befinden, zu ihrer eigenen Befriedigung und auch für ihre eigene Häuslichkeit, für Mann und Kinder I so bitter nötig hat. Sie wird ihre Pflichten viel besser, viel freudiger und weitsichtiger erfüllen können und nicht mehr wie ein gefangener Vogel sein, der im engen Käfig das Fliegen und Singen verlernt. ‘ Die segensreichen Folgen werden für das ganze Gemeinwesen von unberechenbarer Wirkung sein, sie werden fein ganz anderes, moralisch, geistig und seelisch einfach und gesund lebendes Menschengeschlecht zeitigen. Man kann sie nicht ins Einzelne ausmalen, man muß sie erleben, um sie in vollem Umfange begreifen zu können. Dieses 'Programm, das keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Lückenlosigkeit erhebt, fordert, wie mir scheinen will, nichts Unerreichbares, aber es fordert die Mitarbeit der Frau zu seiner weiteren Ausgestaltung sowohl, wie zu seiner Durchsetzung. An die Mitarbeit der Frau appelliere ich! Die, die ähnlich denken und empfinden, sollen mit ihrer Zustimmung nicht hinter dem Berge halten. Vieh leicht gelingt es1 dann endlich, das Leben der Frau so umzugestalten, so viel wertvolle Kräfte in ihr zur Betätigung zu wecken, daß es auch für sie eine Lust wird, zu leben, daß auch sie ihre Arme recken und jubelnd ausrufen kann: Herr, ich danke Dir, daß Du mich zum Weibe erschaffen! DER WELTKONFERENZ DER VERBAENDE IN ZUERICH Strauß (Zürich). seinem Besitze erhielt, muß wieder seine Geltung finden. Ausgeschlossen bleiben muß jeder spekulative Erwerb von Grund und Boden und jeder Grundstückshandel. Redner bespricht dann im einzelnen die Einführung der Erbpacht, des Heimstättenrechts, der Einführung der Verschuldungsgrenze, der ausschließlichen Gestattung von Amortisationshypotheken usw. und kommt auf die Arbeiterf r age zu sprechen. Die jüdischen Arbeiter dürfen nicht durch die billigeren arabischen Kräfte verdrängt werden. Es sollen Genossenschaften gegründet werden, die die Arbeiten von auch ungeschulten Arbeitern übernehmen können. Aus den Reihen dieser Landarbeiter werden sich die künftigen Ansiedler rekrutieren. Als selbstverständlich muß es gelten, daß daneben auch die Heranziehung und Heranbildung landwirtschaftlich geschulter Kräfte durch Lehrfarmen, Landwirtschaftsschulen in und außerhalb Erez Israels Gelegenheit geboten wird. Insbesondere gilt dies auch für die Heranziehung w e i b 1 i c h e r. Kräfte, den zukünftigen jüdischen Bäuerinnen, deren Tüchtigkeit in vielen Fällen für das Gedeihen der Einzelwirtschaft ausschlaggebend sein wird. Bezüglich der Industrie wird das Hauptaugenmerk auf Herstellung solcher Produkte zu lenken sein, die wenig Kohlen und wenig Rohmaterial bedürfen und hochwertige Produkte liefern. Veranlassung hierzu gibt der Umstand, daß Kohlen fehlen und daß die „weiße Kohle“, die durch Wasserkräfte erzeugte elektrische Energie nur in mäßigem Umfang zur Verfügung stehen wird. Die geeigneten Industriezweige sollen durch die geplante Bank entsprechende Förderung finden. Für den Handel bedarf es am wenigsten der Förderung, da die Juden als Handelsvölk, wie sie es durch die Verhältnisse in der Diaspora gezwungen, geworden sind, diesen Beruf, auch den Import- und Exporthandel «adi Palästina tragen Werden.

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