Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 10-11 (6.3.1919)
- Date
- 1919-03-06
- Page
- Seite 311-312 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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311 VOLK UND LAND i=====-_==r— 312 ventäbriken, Bäckereien und Konditoreien haben, die uns die größte Auswahl liefern können. Wir können Waschanstalten und Plättereien haben, die mindestens ebenso sorgfältig die Wäsche behandeln, wie im Hause darauf Bedacht genommen wird. Sollte es sich dabei zum Beispiel heraussteilen, daß das Waschen mit Maschinen, und seien es auch die besten, die Wäsche mehr ruiniert als das Waschen mit der Hand, so wäre eben auch in den Anstalten mit der Hand zu waschen, sofern die nötigen Arbeitskräfte dazu zur Verfügung stehen, und sofern es sparsamer ist, die Wäsche mit so großem Kostenmehraufwand für das Waschverrahren zu schonen. Das alles kann man in Großbetrieben viel besser berechnen als in den einzelnen Haushalten. Dasselbe gilt für Plätterei, Ausbesserei usw. Auch Hühner, Enten, Gänse usw. werden wir sehr viel besser in „Hühner-, Enten- und Gänsefabriken“ züchten als wir das bei größter Sorgfalt in Kleinbetrieben könnten, und dann werden wir nicht die bei der Aufzucht uns persönlich liebgewordenen Tiere zum Kummer für unsere Kinder zu unserer Nahrung abzuschlachten brauchen. Es soll Kinder geben, die es nicht über sidh gewinnen können, von den Haustieren zu essen, die sie selbst mit großgefüttert haben. So werden auch große Meiereien die Milch-, Käse- und Butterproduktion zu übernehmen und die Einzelhaushalte davon zu entlasten haben. Am liebsten möchte ich sogar den Frauen auch die Bebauung ihres Gartens erspart wissen, aber ich will hier mit Rücksicht auf die jetzige Strömung „zurück zur Landwirtschaft, zur Arbeit in Hof und Garten“ nur soweit gehen zu fordern, daß die Frauen, die davon befreit sein möchten, die Möglichkeit dazu haben sollen, sodaß der Frau nur das Haus und die Kinder bleiben. Und auch die Pflege der Kinder soll sie eventuell in bewährte Hände legen können, wenn sie sich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlt, oder wenn sie meint, ihre Fähigkeiten und Kräfte in anderer Weise besser verwerten zu können. Natürlich wird diese weitgehende Befreiung von der Sorge um die Pflege der Kinder erst dann möglich sein, wenn es für jedes Kindesalter Kinderheime gibt, die so geleitet sind, daß selbst die beste Mutter nicht anzustehen braucht, ihnen ihre Kinder zu übergeben. Sie zu schaffen ist natürlich auch Aufgabe der Frau*). Zu einer solchen Verminderung der Arbeit im Hause und in der Familie gehört auch die Einführung künstlerischer Einfachheit in der Wohnweise. Aller überflüssige Tand, aber auch alle überflüssigen Möbel usw. sollten fallen. Blumen, gute Bilder, Decken, Kissen, bequeme Sitzmöbel, gefällig arrangierte Plaudereckchen werden ausreichend für die Traulichkeit im Hause sorgen, die wohl niemand missen möchte. Schränke wären in ausreichendem Maße möglichst gleich in die Wände einzulassen, was auch durchaus nicht auf Kosten der Schönheit zu geschehen brauchte, im Gegenteil. Das Baugewerbe und das Kunsthandwerk werden, eben einige neue sehr dankbare Aufgaben zu lösen haben. So sollten auch alle beweglichen Möbel möglichst gleich jedem Hause speziell angepaßt werden und unveräußerbar zu ihm gehören. Da die Häuser1 die verschiedensten Variationen aufweisen werden, so wird auch die Ausstattung *) Sollte sich etwa in der Praxis für all diese Betriebe ein Mangel an ausreichenden Arbeitskräften herausstellen, die« diese Arbeiten auf dem Berufswege freiwillig übernehmen, so würden wir uns auch hier mit der Arbeitsdienstzeit helfen müssen, die für alle Mädchen gleichmäßig eingeführt werden soll, wie ich es im Nachfolgenden noch näher erörtern werde. : . : .: entsprechend variieren, und da der persönliche Geschmack der Bewohner sicher auch stets seinen bestimmten Ausdruck finden wird, braucht man nicht zu fürchten, daß Wohnlichkeit und Behaglichkeit oder die individuelle Prägung durch die Einfachheit beeinträchtigt werden. Es soll nur aller unnütze Ballast im Interesse der Arbeitsverminderung und auch gleichzeitig zugunsten der größeren Sauberkeit über Bord geworfen werden. Das sollte sowohl für das reiche, wie für das weniger reiche Haus gelten. Auch in der Zimmerzahl sollte mit jedem Luxus aufgeräumt werden, aber wohlgemerkt nur mit dem Luxus, das Notwendige wird für viele dabei mehr sein, als sie bisher hatten. Ein fugenloser und eckenfreier Fußboden (von Steinholz oder dergleichen) und möglichst abwaschbare Wände für alle Räume wären wünschenswert. Jede größere Gemeinde sollte einen Vakuumreiniger haben, der regelmäßig seine Runde macht. Wasserleitung für Haus- und Gartenzwecke darf nirgends fehlen, ebensowenig wie Badeeinrichtung und Wasserklosett. Dagegen wäre eine Warmvvasserleitung, wenn sie von jedem Hause extra gespeist werden soll, bei so verminderten Hausarbeiten überflüssig und urisparsam. Es können statt ihrer Apparate vorhanden sein, die in wenigen Minuten von Falt zu Fall das benötigte Warmwässer herstellen. Anders wäre es natürlich, wenn das warme Wasser ebenso wie das kalte von einer Zentrale aus, die auch die großen Anstalten, Speise-, Waschusw. Betriebe beliefert, in die einzelnen Häuser geleitet werden könnte. Das wäre natürlich jedem anderen*Warmwasserbereitungssystem bei weitem vorzuziehen, dürfte aber für die so wünschenswerte weiträumige Siedlungsforrri kaum in Betracht kommen können. Die Küche brauchte bei solcher Entlastung der Einzelwirtschaft nur ein kleiner, neben dem Wohnzimmer gelegener Anrichteraum zu sein, Keller, Bodenräume könnten gänzlich fehlen, dagegen sollten Dachgärten uncf Terrassen für jedes Haus vorgesehen sein. Das wären in großen Zügen die Erleichterungen, die der Frau mit zu ihrer Befreiung von einer unwürdigen Frone verhelfen und sie für ihre höheren Pflichten frei machen sollen. Ich gehe nun zur Erziehung der kommenden Generation und der jetzigen jungen Mädchen über. Ich kann und will hierbei keinen detaillierten Lehrplan aufstellen, das überlasse ich selbstverständlich denen, die sich praktisch und theoretisch mit dem Studium dieser Fragen befaßt haben. Ich will nur einen ganz kurzen Umriß skizzieren, wie ich ihn mir für die Mädchenausbildung ungefähr denke, und dazu im Voraus bemerken, daß ich einen für alle kostenlosen Schulbesuch als notwendig erachte. Unter Beibehaltung des üblichen Schulbeginns mit 6 Jahren, sollte durch die Beseitigung alles unnötigen Sdwilballastes, durch weitgehend verbesserte Lehrpläne in der üblichen Dauer der Schulzeit eine mindestens ebenso gute geistige Ausbildung erzielt werden wie bisher, trotzdem Hand in Hand mit der geistigen eine praktische Ausbildungin Gartenbau und Handelsfächern erfolgen wie auch der Unterricht, in weiblichen Handarbeiten auf Ausbessem, Schneiderei und Weißnähen ausgedehnt werden sollte. Trotzdem ich die Frau im Haushalte später so viel wie möglich' entlastet zu sehen wünsche, ist diese Ausbildung doch mit Rücksicht teils auf ihre körperliche Kräftigung, teils auf die Erleichterung und Vorbereitung für die spätere Berufswahl und vor. allem für ein uriifassendes Verständnis durchaus .notwendig. Die Gartenarbeiten sollten bereits in ganz frühem Alter beginnen, natürlich den schwachen