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Volk und Land · 1919-03-06 · Heft 10-11 (6.3.1919) · p. Seite 305-306

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 10-11 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 305-306 (sequence 11)
Language
German
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305 306 VOLK und LAND sation sehr wohl möglich ist, auch wenn alles, i was Lichtheim über landwirtschaftliche Koloni-! sationsmöglichkeiten referiert hat, richtig wäre, und j obwohl Lichtheim und der offizielle Zionismus in i Deutschland schon durch Weizmann desavouiert ist, will ich in nachstehendem den exakten Beweis erbringen, daß Lichtheims Berechnungen falsch sind. Lichtheim fußt auf Angaben von Ruppin und Oettinger. Mir sind die Angaben Ruppins leider nicht zugänglich, ich muß mich deshalb auf die Oettingerschen beschränken. Ich kenne Oettinger nicht, bin aber fest davon überzeugt, daß er ein ausgezeichneter Agronom ist, und man legt seine Broschüre über Methoden und Kapitalbedarf jüdischer Kolonien in Palästina nicht beiseite, ohne eine Fülle von Belehrungen und Anregungen erhalten zu haben. Aber alle Tauglichkeit fehlt leider Oettinger zum Aufstellen von Berechnungen. Diese, an sich schon äußerst problematisch, wie alle Berechnungen über Kapital-" bedarf und Rentabilität, verlieren auch den geringsten Wert, wenn sie nicht mit peinlichster Exaktheit gemacht sind, wenn sich in die Berechnungen Fehler einschleichen, die das tatsächliche Ergebnis in das Gegenteil verkehren. Oettinger stellt 6 Typen auf. Ich will der Kürze halber nur 3 behandeln und lasse Type 1, die auf Gerteidebau basiert, als nach meiner Auffassung unpraktisch, und Typen 3 und 4 als nur für Kapitalisten in Betracht kommend, hier beiseite. Type 2 behandelt einen Kolonisten betrieb von 100 Dunam, der hauptsächlich auf intensivem Futterbau und Viehwirtschaft gegründet ist. Hier stellt Oettinger bei den Wirtschaftsausgaben 2500 Frcs. für auf dem eigenen Gute geerntete und an das eigene Vieh verfütterte Futterpflanzen ein, vergißt aber den gleichen Betrag auch unter Einnahmen zu buchen. Durch Richtigstellung dieses Fehlers ergibt sich ein Bruttoertrag von 9670 Frcs. statt 7170 Frcs. und ein Reinertrag von 4220 Frcs. statt 1720 Frcs.! Zu berücksichtigen ist bei diesen Summen,, daß Oettinger unter Ausgaben Steuern und Abgaben* sowie Minimalkosten des Unterhalts der Familie einstellt, zusammen 1500 Frcs., so daß sich der wirkliche Reingewinn auf 5720 Frcs. und nach Abzug der Zinsen und Amortisationen in Höhe von 1226 Frcs. immer noch auf 4494 Frcs. stellt! Es besteht nun wohl keine Meinungsverschiedenheit, daß dieses Ergebnis ganz und gar kein minimales ist, und daß von diesem Ertrage nicht ein, sondern mindestens drei kleinbäuerliche Familien existieren können! 'Und da unterlasse ich noch jedes Wort der Kritik in bezug auf die von Oettinger proponiertcn Kul uren: er ist auch ein Verfechter der Autarkie im strengsten Sinne, und jeder Bauer muß bei ihm unbedingt sein Getreide selbst bauen. So bringen die 10 Dunam Getreide, obwohl tun. Sie möchte aber den Verfasser hinsichtlich dieser Bemerkung nicht beschränken, wenn er Wert darauf legt, ein so bedenkliches Verfahren, nachdem wir selbst nochmals vergeblich versucht haben, ihm zu der von ihm gewünschten Veröffentlichung in der „Rundschau“ behilflich zu sein. Auch wird eine weitere Oeffentlichkeit ein Interesse daran haben, über schwerwiegende Irrtümer in Arbeiten die als Grundlage gelten, unterrichtet zu sein. Oettinger wegen der durch die Viehwirtschaft gegebenen Möglichkeit starker Düngung den doppelten Ertrag ansetzt als bei extensiver Kultur, nur 300 Frcs., während sie bei Futterbau und Viehwirtschaft 866 Franken gebracht hätten! Type 5 behandelt einen Kolonistenbetrieb auf 20 Dunam bewässerbaren Bodens, der hauptsächlich auf intensiven Gartenbau und kleine Viehwirtschaft (1 Kuh) basiert ist. Hier bucht Oettinger den Un.er halt für die Kuh mit 150 Frcs. jährlich wohl unter den Wirtschaftsausgaben, vergißt aber bei den Einnahmen ihren Ertrag 650 Frcs. jährlich (nach Oettingers Berechnung S. 53) einzusetzen. Der Reinertrag beträgt also nicht 1200 Frcs., sondern 1850 Franken, und da hat Oettinger unter den Ausgaben schon 900 Frcs. für Familienunterhalt und 150 Frcs. für Steuern gebucht, sq daß also der Reinertrag nach richtiger Berechnung 2900 Frcs. beträgt! Und das auf einem Bodenanteil von nur zirka 13,4 ha! Ich halte es nun für völlig ausgeschlossen, daß ein Ansiedler mit seiner Familie jemals imstande ist, eine solch große Fläche bei intensiver Gartenkultur ohne fremde Hilfskräfte zu bewirtschaften. Die Hälfte wird schon überaus reichlich sein, insbesondere wenn man bedenkt, daß bei der großen Mehrzahl der Einwandererfamilien die Kinder noch recht klein sind und deshalb auch die Frau nicht allzuviel im Garten wird mitarbeiten können, wenn nicht gerade eine Großmutter usw. zur Beaufsichtigung der Kinder und Besorgung der Wirtschaft vorhanden ist. Type 6 nennt Oettinger Arbeiterheimstätten mit 5 Dunam bewässerbaren oder 20 Dunam unbewässerbaren Bodens. Die Wirtschaft hat 2 Kühe und Geflügel. Unter den Ausgaben bucht Oettinger den Unterhalt des Viehs mit 300 Francs, vergißt aber wieder bei den Einnahmen den Ertrag der Viehhaltung einzustellen (1300 Francs für 2 Kühe, ungerechnet den Ertrag aus der Geflügelzucht). Der Reinertrag beträgt also nach Abzug von Zinsen und Amortisationen nicht 218 Francs, sondern 1518 Francs, ein Betrag, von dem eine Kolonistenfamilie ganz ausgezeichnet leben kann, und das bei einem Anlagekapital von nur 5000 Francs! Gerade bei diesem Typ könnten die Anlagekösten noch erheblich verringert, der Ertrag noch bedeutend vermehrt werden, wenn die von mir oben vorgeschlagene offene Gesellschaft als Form der Unternehmung gewählt würde. Das ist das Fundament, auf dem Oettinger sein Gebäude errichtet! Oettinger ist Agronom, m,an kann ihm die Fehler verzeihen. Wenn aber ein Nationalökonom kommt und diese Zahlen kritiklos übernimmt, aus ihnen die schwerwiegendsten Folgerungen zieht und dann noch glaubt, für seine Berechnungen päpstliche Unfehlbarkeit in Anspruch nehmen zu dürfen, so ist eigentlich kein Wort der Verurteilung hart genug. Und um die oben angeführten und noch zahlreiche andere Fehler bei Oettinger zu finden, dazu bedarf es beileibe keines Nationalökonomen. Jeder Kaufmann, der auch nur die Anfangsgründe der Buchführung beherrscht, findet sie bei nur einigermaßen aufmerksamer Lektüre. Oettinger hat sein Büchlein Mitte 1916 geschrieben; auch Ruppins’ Berechnungen sollen,1 nach- Trietsch aus der türkischen Zeit Palästinas stammen. Inzwischen ist, wie doch auch Lichtheim bekannt

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