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Volk und Land · 1919-03-06 · Heft 10-11 (6.3.1919) · p. Seite 301-302

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 10-11 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 301-302 (sequence 9)
Language
German
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301 VOLK UND LAND 302 weit sie diese noch nicht haben)*) mit schwerer körperlicher Arbeit in freier Natur, akklimatisieren sich und werden körperlich gesunden. Man njüßte es zu ermöglichen suchen, diese Leute schon nach einem Jahre in Farmen oder Kolonien unterzubringen, um sie der Landwirtschaft zuzuführen, während ihre Stellen bei den öffentlichen Arbeiten von neuen Einwanderern besetzt werden. Und erst wenn sie in den Kolonien und Farmen so lange gearbeitet und sich soviel Kenntnisse erworben haben, daß man ihnen nach dem Urteil unserer Fachleute die Bewirtschaftung einer Bauernstelle anvertrauen kann, haben sie ein Anrecht darauf, von der Gemeinschaft auf eine Erbpachtsstelle gesetzt oder in eine Produktivgenossenschaft aufgenommen zu werden. Des weiteren können zahlreiche Arbeiter in der Ba u i n du s t r i e untergebracht werden. Deshalb müssen Einrichtungen getroffen werden, welche die Ausbildung erwachsener, von Natur anstelliger, geschickter Einwanderer zu Bauarbeitern und Bauhandwerkern innerhalb weniger Monate ermöglichen. . Es dürfte das nicht unüberwindliche Schwierigkeiten machen, insbesondere wenn man hauptsächlich Leute wählt, die schon irgendein Handwerk erlernt haben, also eine gewisse manuelle Fertigkeit besitzen, und ferner die Arbeit weitest spezialisiert, und jeden einzelnen Arbeiter nur für ein Spezialgebiet anlernt. Solche Kurse könnten auch schon in den Auswanderungsländern mit vielem Nutzen eingerichtet werden. Land- und Gartenwirtschaft muß unbedingt das Fundament unserer neuen Gemeinschaft werden. Aber damit ist nicht gesagt, daß sie es in jedem Stadium der Kolonisation schon sein muß. Es ist nur das Ziel. Wir sind im Anfang aus Gründen der Masseneinwanderung gezwungen, das Land erheblich stärker zu industrialisieren. Es ließe sich wohl auch theoretisch nichts dagegen einwenden, wenn die industrielle Kolonisation gleichsam für eine Generation vorweggenommen würde, wenn beispielsweise in den ersten 10 Jahren eine so große Industrie im Lande entstünde, wie sie einer Bevölkerung von 3 oder 5 Millionen entspräche. Außerdem ist noch zu berücksichtigen, daß das kleine Palästina niemals ein in sich geschlossenes Wirtschaftsgebiet sein, sondern zweifelsohne mindestens mit seinem weiten agrarischen Hinterland eine wirtschaftliche Einheit bilden wird, außerdem, daß Qualitäts-Exportindustrien stets lebensfähig sind. Vergessen wir auch nicht, daß durch die industrielle Kolonisation auch der agrarischen einiger Vorschub geleistet wird, auch abgesehen von dem besseren Absatz der landwirtschaftlichen Produkte. Zur Aufstellung der beschränkten Kolonisationsprogramme hat doch in erster Linie das Bewußtsein verleitet, daß wir kein genügendes Einwanderermaterial für landwirtschaftliche Kolonisation haben, daß es sehr häufig einfach eine Unmögiichkeit *) Auch wir Juden sind durch die Schule des Weltkrieges gegangen, Zehntauseride haben durch sie die Vertrautheit mit dem Spaten erlangt, andere haben als Kriegs- oder Zivilgefangene schwerste Arbeit unter denkbar ungünstigsten Bedingungen * verrichtet. Wir haben uns also, was körperliche Arbeit betrifft, in den letzten Jahren gewaltig den andern Völkern genähert.; sein wird, den jüdischen Händler und Industriej arbeiter in ungewohntem Klima sofort zu einem | Landarbeiter oder gar Bauer zu machen. Durch die größere Industrialisierung wird aber ermögj licht, diese Leute in ihrem gewohnten oder einem 1 ähnlichen Berufe zu beschäftigen, ihnen so Zeit! zu geben, sich zu akklimatisieren und physisch zu j gesunden, so daß, wenn nicht sie selbst noch später zur Landwirtschaft übergeführt werden | können, zum mindesten dafür gesorgt werden kann, i daß ihr Nachwuchs bodenständig wird. { Alle großen Industrien, bei denen das Wesent- | liehe: Kapital, Organisation und Arbeit ist, die; den stets sorgenden, neuschaffenden und erfindeuj den Unternehmer, Techniker und Chemiker nicht | brauchen, müßten von Anfang an in den Händen! der Gemeinschaft ruhen, ebenso alle öffentlichen Unternehmungen. Das übrige weite Gebiet der j Industrie ist aber, schon weil für sozialistische | Gründungen kein Mensch das Kapital hergeben wird, in der Hauptsache der Privatinitiative und j dem Privatkapital zu überlassen. Es möge sich kein Theoretiker Sorge machen, ob diese oder jene Industrie in Palästina lebensfähig ist. Wenn auch kein zionistischer Unternehmer des Profits wegen nach Palästina gehen wird, so wird doch das eminente Interesse, das der Industrielle selbst an den Rentabilität seines Unternehmens haben muß, schon dafür sorgen, daß er nicht leichtfertig zu Gründungen schreitet und in allen Fragen, in denen er nicht selbst Fachmann ist, wirklich fachmännischen Rat einholt. Erforderlich für ein Gedeihen der priva'en industriellen Tätigkeit ist aber unbedingt dreierlei: erstens daß unsere Salonsozialisten die jüdischen Massen' nicht weiter durch unverantwortliche Phrasen verwirren. Sie mögen bedenken, daß ein industrieller Betrieb ein Organismus ist, der auch mit einer nach den besten Rezepten sozialistisch organisierten Arbeiterschaft zum Tode verurteilt ist, wenn man ihm mit dem Unternehmer den Kopf und das Herz raubt, und sie mögen ferner bedenken, daß dann, wenn der Unternehmer aus mangelnder Sachkenntnis oder nicht genügend großem Verantwortungsgefühl „daneben haut“, er in erster Linie selbst getroffen wird und nicht trotzdem Honorar, Gehalt oder Lohn einstreicht. Andererseits aber muß der Unternehmer dafür! sorgen, daß in seinem Betriebe ein sozialer Geist i herrscht, daß seine Arbeiter nicht nur die Vorteile j genießen, die ihnen z. B. die deutsche soziale j Gesetzgebung bietet, daß sie nicht nur durch einen I Gewinnanteil an dem Gedeihen des Unternehmens | interessiert werden, sondern daß sie gleich von allem Anfang an — und das ist wichtiger als alles andere .— auf eigenem Stückchen Land mit eigenem Häuschen seßhaft gemacht werden. Wer in Deutschland den Unterschied, zwischen zwei Arbeitern derselben Kategorie kennt, von denen der eine seßhaft, der andere es nicht ist, weiß, daß es kein besseres Mittel für das Wohl und Gedeihen des Arbeiters und seiner Familie und gegen allen Bolschewismus und Terrorismus geben kann. Das dritte und letzte aber ist, daß gleich von Anfang an für alle vorkommenden Streit alle zwischen Unternehmern und Arbeitern bbliga-

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