Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 8-9 (20.2.1919)
- Date
- 1919-02-20
- Page
- Seite 279-280 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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279 280 VOLK UND LAND ist auf seiten Englands. Sämtliche hier wohnenden Völker haben gegeu-den Bau einer Bahn Kairo—Kalkutta nichts einzuwenden. Mindestens auch Südpersien wird in die englische Kontrolle mit einbezogen werden. Hier hatte ja England, wie bekannt, schon früher große Interessen, u. a. in den enorm reichen Petroleumfeldern, welche der englische Staat durch seinen Aktienbesitz in der Anglo-Persian Oil Co. beherrscht. Nachdem Rußlands Ausdehnungskraft in der Richtung nach der Türkei, Persien, Zentralasien und Indien für lange Zeit gebrochen ist, ist hier England mehr Alleinherrscher als je zuvor. Von Aegypten nach Kalkutta entsteht so ein zusammenhängendes englisches Interessengebiet. Dadurch wird die Aufmerksamkeit von neuem auf die schon lange vor dem Kriege begonnenen Untersuchungen zur Bepflanzung des Euphratdeltas und Wiederherstellung der Fruchtbarkeit in den Euphrat- und Tigristälern gelenkt. Kairo wird auch noch in anderer Hinsicht ein bedeutender Platz. Eine zusammenhängende Linie Kap—Kairo—Kalkutta auf englischem Boden gehört nicht mehr zu den Utopien, sie wird Wirklichkeit.“ Außenhandel Palästinas Ueber den Außenhandel von Palästina berichtet der niederländische diplomatische Agent in Kairo, van Lennep, in „Handelsberichten“ (Haag) vom 9. 1. 19: Jerusalem hat eine Bevölkerung von 110000 Seelen, bestehend u. a. aus ungefähr 13 000 Christen, 12 000 Mohammedanern und 70 000 Juden. Der größte Teil des Handels liegt in Händen der Juden. Die zwei wichtigsten Industriezweige sind dort die Fabrikation von Seife und von religiösen Artikeln (aus Olivenholz und Perlmutter). Bethlehem' ist das Zentrum der Perlmutterindustrie. Die Seifenindustrie ist ganz von der Olivenernte abhängig. Infolge der zunehmenden Ausbreitung der jüdischen Bevölkerung ist die Einfuhr im Steigen. Die Einfuhr über Jaffa belief sich imi Jahre 1913 auf £ 1312 659, die Zunahme gegenüber dem Vorjahr betrug £ 222 670. Von dieser Einfuhr stammten für £ 170000 aus Großbritannien und für £ 64 000 aus den britischen Kolonien. Hierzu kommt noch die Einfuhr von britischen Waren in Jaffa aus Beirut und Smyrna im Werte von £ 100 000, so daß die Gesamteinfuhr britischer Waren £ 334 000 oder ungefähr 25 v. H. der Gesamteinfuhr ausmachte* Der Wert der türkischen, Ausfuhr nach Jaffa betrug £ 325 000, aus Oesterreich-Ungarn kamen £ 143 000, aus. Rußland £ 120000, aus Frankreich £ 115 000 und aus Deutschland £ 102000. Hauptsächlich wurden in Jaffa eingeführt (in £): Baumwollwaren 240 800, Mehl 150000, Bauholz 107 000, Petroleum 81000, Tabak 67 300, Reis 63 430, Zucker 53 600, Eisenwaren 32 200 ‘und Maschinen 28170, ferner in beträchtlichen Mengen Kaffee, Roheisen, Lein- und Maschinenöl, Farbstoffe, Vieh, Kohlen, Aetzsoda und Kunstdünger. Die Ausfuhr aus Jaffa besteht hauptsächlich aus Apfelsinen, Seife, Wein, Früchten, Häuten, Rosinen, Hirse und Mandeln. Die beträchtliche Zunahme der Einfuhr von Petroleum, hauptsächlich aus Rußland und den Vereinigten Staaten, ist einesteils der Vermehrung der. Bevölkerung zuzuschreiben, anderenteils dem Gebrauch von Petroleumapparaten für Heiz- und Kochzwecke anstatt Holz und Steinkohle, deren Preise vor Ausbruch des Krieges beträchtlich gestiegen waren. Eisenwaren wurden hauptsächlich aus Deutschland und Frankreich eingeführt, Nägel und Schrauben aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und Belgien, Hufeisennägel aus den Vereinigten Staaten und Schweden. Obwohl Glas- und Emaillewaren, Porzellan- und Tonwaren hauptsächlich aus Oesterreich-Ungarn und Deutschland eingeführt wurden, begann Belgien diese zu niedrigeren Preisen anzubieten. Deutschlandlieferte den größten Teil des angeführten Stabeisens; eiserne Träger kamen hauptsächlich aus Belgien und Großbritannien und Zinkbleche aus Deutschland und Belgien! Oesterreich-Ungarn war Lieferant von Konfektionswaren, während Großbritannien und Frankreich Leinwand lieferten. 90 v. H. der Einfuhr von Schuhen, Stiefeln und anderen Lederwaren kam aus Großbritannien. Deutschland und Oesterreich beherrschten den Handel in Büchern und Zigarettenpapier. Farben und Firnisse kamen hauptsächlich aus Großbritannien, und Farbstoffe ausschließlich aus Deutschland. Frankreich begann Butterersatzmittel einzuführen. Ziegel und Backsteine kamen früher hauptsächlich aus Frankreich, aber einige Jahre vor dem Kriege nahm die „German Syrian Orphanege“ die Fabrikation in die Hand, und es gelang ihr durch Herstellung eines billigeren Produktes, das jedoch von schlechterer Qualität war, die französische Einfuhr zu unterbinden. Ausfuhr aus Südpalästina. Südpalästina, mit einer Oberfläche von ungefähr 350 Quadratmeilen und einer Bevölkerung von mehr als 100 000 Seelen, war bereits im Altertum wegen seiner Fruchtbarkeit berühmt. Der Boden eignet sich ausgezeichnet für den Anbau von Früchten; in der Nähe des Forts Jaffa gibt es an tausend Apfelsinengärten. Jaffa selbst hat eine Bevölkerung von ungefähr 50 000 Einwohnern, die infolge der Einwanderung der Juden immer noch zunimmt. Man schätzt, daß der vierte Teil der Bevölkerung Mohammedaner ist, ein, Viertel Christen und die Hälfte Juden. Jaffa ist der Mittelpunkt für den Handel mit Apfelsinen, deren Ausfuhr andauernd zunimmt; 1913 wurden allein nach britischen Häfen 861 172 Kisten ausgeführt, ferner nach der Türkei, Aegypten, Odessa und Triest. Schiffahrt. Die britische Flagge stellte in Jaffa im Jahre 1913 270 361 t, die von Oesterreich-Ungarn 228 456 t, Frankreich 213 202 t, Rußland 212 469 t, Italien 104 265 t und Deutschland 78 656 t. Der Hafen von Jaffa wird verbessert werden, was dringend nötig ist. Bagdad als Handelsstadt Bagdad war vor dem Kriege ein wichtiger geschäftlicher Mittelpunkt, von wo aus ein nicht unbedeutender Teil des Landes mit Bedarfsartikeln versehen 'wurde. In der Hauptsache ist es ein landwirtschaftlicher Mittelpunkt, der von weiten Strecken fruchtbaren Landes umgeben ist und zu dessen Entwicklung es nur einer systematischen Berieselung bedarf; jedoch ist die Stadt infolge ihrer geographischen und wirtschaftlichen Lage eher von Bedeutung für den Handel. Es ist der Endpunkt der Schiffahrt auf dem Tigris und gleichfalls der Endpunkt der persischen Karawanenstraße, so daß alle Waren von der Küste her nach Persien über Bagdad, Kermandschah und Hamadan gehen müssen; es ist außerdem der Mittelpunkt der Zufuhren aus ganz Mesopotamien, wohin die verschiedenen Waren aus dem Hinterlande gebracht werden. Alle Erzeugnisse von Mossul, Diarbekr und Suleimaniyeh werden gewöhnlich auf Kelleks, den aus aufgeblasenen Häuten mit übergelegten Bohlen hergestellten Flußfahrzeugen, nach Bagdad geflößt, von wo sie dann weiter nach Basra und von da über das Meer gesandt werden. Zu solchen Artikeln gehören: Wolle, Gummi, Häute, Teppiche, Datteln, Opium und Getreide. Vom Süden her aus Basra erreichen Bagdad Waren wie Baumwollgewebe, Zucker, Kaffee, Säcke, Seiden- und WoIIwaren, Metalle, Farbstoffe, Tee, Tabak, landwirtschaftliche und sonstige Maschinen. Die Hauptartfkel für die Einfuhr sind englische Baumiwollgewebe, für deren Verbreitung seit Jahren dort englische und fremde Einfuhrhäuser bestanden haben. Das ganze Geschäft der Stadt wird in der Hauptsache durch ausländische Banken vermittelt. Die Handelsagenten gewähren gewöhnlich 1—6 Monate Ziel, wobei die Rechnungen den Banken übergeben und dort gegen 7—12 o/o Jahres zins diskontiert werden. Gegenwärtig hat sich ein Ausschuß gebildet, der aus zwei Mohammedanern, zwei Juden und einem Christen besteht, umi den Handel zu fördern und den Militärbehörden mit Ratschlägen für die Ausführung der neuen Bestimmungen an die Hand zu gehen. Es ist augenblicklich recht schwierig, sich ein einigermaßen zutreffendes Bild vom Umfang des Handels tu machen. Infolge der Sperrung der Handelsstraßen durch den Krieg zog sich das Geschäft von Bagdad für eine Zeitlang nach Basra zurück, so daß damals der Durchgangshandel nach Persien von Basra über Mohammrah und Ahwas am Persischen Golf ging. Gegenwärtig haben viele der Handelshäuser von Bagdad sich entschlossen, die damals gegründeten Zweigstellen in Basra weiter aufrechtzuerhalten.