Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 8-9 (20.2.1919)
- Date
- 1919-02-20
- Page
- Seite 275-276 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
- Beirut 1× ep/1047833
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275 VOLK UND LAND 276 Sprachgemeinschaft als eine arabische Nation. Die Arabisch sprechenden vVölker sind verschieden in Religion, Rasse und Zivilisation; und wo selbst, wie auf der arabischen Halbinsel, Blut und Sprache und Religion fast eins sind, machen ernste Reibereien unter den Stämmen eine politische Einheit nahezu un möglich. Das Arabisch sprechende Syrien ist ein Land alter Städte und reicher Ländereien. Das Arabien des Königs der Hedschas ist nomadisch, Mesopotamien hat einige Städte, aber es ist zum größten Teil ein Land, das erst durch eine Regierung aufgeschlossen werden wird, welche das alte System der Bewässerung eri neuert. Ein alleiniges Mandat für alle arabisch sprechen-; den Länder ist höchst unwahrscheinlich und würde nicht, wie wir gesehen haben, der Wirklichkeit Rechj nung tragen. Es ist so gut wie sicher, daß England j die Vormundschaft für Mesopotamien und Frankreich die für Syrien beanspruchen wird; aber welches die genauen Grenzen Syriens sein werden, ist eine heikle Frage, welche durch die rivalisierenden Ansprüche Frankreichs und des Königs des Hedschas geschaffen wird. j Außerhalb dieses Disputes liegt Palästina — i ein Palästina zwischen dem Libanon und der ägyptischen Grenze östlich der Sinai-Halbinsel, zwischen dem Mittelländischem Meer und der Hedschas-Bahn. Das jüdische Volk, das ungefähr lö Millionen zählt, wünscht das Recht, Palästina wiederherzustellen, sein altes Mutterj land. Es fordert, daß das Mandat für dieses jüdische Palästina an Großbritannien gegeben wird. Dies sind Forderungen, deren Gerechtigkeit die Friedenskonferenz nicht bestreiten wird. Die Probleme im einzelnen — die Festsetzung der Grenzen, die Ernennung der Mandatarmächte, die Abtretung der Rechte an die Liga der Nationen — sind nicht einfach. Wie soll eine Nation sichergestellt werden nicht nur gegen Unterdrückung seitens des Mandatars, sondern auch gegen Verzögerungen in der Entwicklung der Selbst-Regierung? Dann entstehen weitere Probleme aus der Tatsache, daß das ottomanische Reich, das aufgeteilt wird, ein einziges j wirtschaftliches Ganzes bildete. Es wird heikle Fragen | zu erledigen geben über den gemeinsamen Gebrauch 1 der Eisenbahnen und Häfen und über die Freiheit des i Handels. Aber das größte Hindernis für eine gerechte j und dauerhafte Erledigung liegt in djen Geheimverträgen j mit Italien, Frankreich und mit dem Hedschas. Die! Geheimverträge in bezug auf das ottomanische Reich j müssen alle verschwinden, die Friedenskonferenz muß freie Hand haben, die Fragen nach dem Prinzip der Gerechtigkeit und der Nationalität zu erledigen.“ Frankreich und England Birmingham Post vom 27. Januar: „Die französischen Interessen im nahen Osten sind eher moralischer und finanzieller, als imperialistischer und kolonialer Natur. Die französischen Finanzinteressen j im östlichen Mittelmeer sind tatsächlich sehr bedeutend. In einer seinen Kapitalanlagen entsprechenden Gebietsverteilung würde Frankreich leicht an die 'Spitze treten. Es ist aber wenig wahrscheinlich, daß solche Gebietsabtretung stattfinden wird. Wir können indes Frankreichs Besorgnis über die Zukunft der Levante verstehen. Die englischen Finanzinteressen sind nur wenig geringer als die französischen, aber die englischen imperialistischen Interessen sind in diesen Gewässern größer als die französischen. Der französische moralische -Einfluß ist sehr groß, aber dennoch lempfindlich. Es ist j wohl zu verstehen, daß Frankreich die Voraussichtliche i Aufteilung des ottomanischen Reiches und die Entstehung neuer Staaten mit einiger Besorgnis betrachtet und bei einem Versuch Dritter, ihm in der römisch-katholischen Einflußsphäre ins Gehege zu kommen (in Syrien, teilweise in Palästina und am Libano n), 'nervös wird. — Wenn Frankreich — wie sicher ist — keine! Gebietsausdehnung in seiner größten Einflußsphäre bej I ansprucht und gleichzeilig diejenige einer anderen Macht | nicht zugeben will, wie soll die Lösung sein? Sollen die unabhängigen neuen Staaten trotzdem unter französischem Einfluß stehen? Aber erstens darf nicht | gegen das Nationalitätsprinzip, zweitens nicht gegen i clen Volkswillen, drittens nicht gegen die 'Rechte anj derer Nationalitäten und viertens nicht gegen die wichtigen englischen Interessen in Aegypten (einschließlich! der Ueberlandroute von Aegypten nach Bagdad) ver-! stoßen werden. Für England ist die Frage über die | Zukunft des zwischen dem Si/ezkanal und dem Taurus- | gebirge liegenden Gebietes nicht finanzieller oder mora-; lischer Art, sondern eine wichtige Lebensfrage. Für die zukünftigen guten franco-britiscben Beziehungen wäre | es besser, lieber Frankreich ganz Deutsch-Ostafrika I zu überlassen, als in der erwähnten Gegend eine ständige Reibungsfläehe zwischen Großbritannien und Frankreich zu schaffen. Ein Königreich der Hedschas ist nadh der Karte leicht zu errichten, in Wirklichkeit aber infolge der anglo - französischen Meinungsverschiedenheiten j schwer durchzuführen. Folgende Punkte müssen dabei | berücksichtigt werden: 1. Das Innere des «Landes bis herauf und einschließlich Damaskus ist entschieden arabisch, Aleppo, der Hafen von Damaskus, ist davon nicht zu trennen. 2. Mosul gehört <ethno- und geographisch zum mesopotamischen (Bagdad) Bezirk. 3. -Ein! jüdisches, uns und den Arabern freundlich ges inntes Palästina würde den arabischen Verkehr mit dem südlichen Mittelmeer erleichtern. 4. Wie auch immer die Landgrenzen von Syrien und dem Libanon sein mögen, so können diese Staaten — zusammen mit Palästina — nur als kleinere oder größere Enklaven angesehen werden.“ Das syrische Problem In der „France libre“ vom 16. 1. 19 behandelt I Adrien Veber das syrische Problem: „Wenn man nicht! aufpaßt, und Clemenceau und Pichon nicht energisch 1 bei der Friedenskonferenz auf treten, wird Syrien das; Opfer einer englischen Kabale werden. Es ist tatsäch- | lieh wahr, daß man mit seinen Freunden oft größere | Schwierigkeiten hat, als mit seinen Feinden. In An-! erkennung unseres seit jeher bestehenden Einflusses | in Syrien hatten wenige Monate vor Ausbruch des! Krieges Fürst Liehnowsky für Deutschland' und Sir | Edward Grey für England, mit Fankreich ein Abkommen unterzeichnet, demzufolge ganz Syrien als fran zösische Einflußzone anerkannt wurde. Was England und sogar Deutschland1 uns vor dem Kriege feierlich i zugebilligt hatten, ist uns während desselben wieder abgesprochen worden, und zwar, was unbegreiflich scheint, mit unserer Einwilligung. England, das nicht zufrieden damit ist, Aegypten zu Indien schlagen zu l können, scheint, nachdem es Frankreich der ihm gemachten Zugeständnisse im Jahre 1916 beraubte, durchsetzen zu wollen, daß Palästina von Syrien abgelöst, Alexandrette zum Freihafen erklärt wird1 und die Häfen Haiffa und Akka an England kommen. Wir wurden den Rest des Küstengebietes behalten, einschließlich der Wilajets Adana und Beirut und des Libanongebirges. Aber die großen Städte Damaskus und El- Cham sowie der größere Teil des syrischen Hinterlandes würden von Syrien abgetrennt und mit dem arabischen Königreich des Hedschas verbunden werden. Vor dem Kriege wurde ganz Syrien als unter dem ausschließlichen Einflüsse Frankreichs stehend betrachtet. Wenn die während des Krieges getroffenen einschränkenden Abmachungen aufrecht erhalten und nicht wenigstens verbessert würden, so würde weder unseren moralischen -Rechten, noch der Auflösung der türkischen Herrschaft, noch den gerechten Anschauungen, die doch wohl bei dem Friedenskongreß herrschen sollen, Rechnung getragen werden.“