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Volk und Land · 1919-02-20 · Heft 8-9 (20.2.1919) · p. Seite 271-272

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 8-9 (20.2.1919)
Date
1919-02-20
Page
Seite 271-272 (sequence 26)
Language
German
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271 VOLK UND LAND 272 solchen Entschlossenheit durchgeführt, daß sie auch auf die sonst sehr nachlässige und um ihre Gesundheit wenig sfch kümmernde Eingeborenenbevölkerung starken Eindruck machten und dieselbe ein gutes Stück vorwärts auf dem Gebiete der eigenen Körperkultur gebracht haben. Wanderoperateure und Ambulanzapotheken ziehen im Lande herum und geben sich hauptsächlich mit der außerordentlich 'Stark verbreiteten Landesplage, den Augenkrankheiten, ab, die in Tausenden von Fällen glücklich kuriert oder doch eingedämmt werden. Neue Spitäler und Sanatorien entstehen an den wichtigsten Verkehrspunkten des Landes und das bekannte Straußsche Pasteurinstitut in Jerusalem arbeitet mit Hochdruck an der Vorbereitung von allerlei Heilmitteln und dem Studium der einzelnen Infektionskrankheiten. Sogar ein Tierspital, tein Unikum im ganzen Orient, wurde jüngst in Jaffa gegründet und erhielt sofort einen starken Zuspruch aus allen Teilen des Landes. Daneben geht eine weise Ernährungspolitik der britischen Behörde, die mit allen Mitteln bemüht ist, die Schäden der Unterernährung während der Kriegszeit zu bekämpfen. Aus den Militärvorräten wurden der Bevölkerung Nahrungsmittel zu kleinen Preisen zur Verfügung gestellt und die Einfuhr von solchen und den dringendsten Bedarfsartikeln aus Aegypten beschleunigt. Heute werden die Straßen der größeren Städte mit Petroleumstrumpflampen taghell erleuchtet und die Preise des Lebensunterhaltes übertreffen im allgemeinen die in einem europäischen Staate nicht. Auch für die geistige Kultur hat die Behörde Sorge getragen. Entsprechend dem Charakter der aus so vielen Nationalitäten zusammengesetzten Bevölkerung hat die britische Behörde die vollständige Lehr- und Lernfreiheit in allen Sprachen proklamiert. Am besten hat sich das jüdische Unterrichtswesen organisiert, welches dank den Erfahrungen der Vorkriegszeit in kürzester Frist imstande war, einen regelrechten europäische^ Schulbetrieb in hebräischer Sprache Ins Leben zu rufen und sogar die Fortbildungs- und Fachschulen in erfreulichem Maße einzuführen oder 'wieder neu zu errichten. Die arabischen Dorfschulen wurden nach modernen Prinzipien erneuert, viele Hunderte von Ortschaften, wo gar keine Lehranstalten existierten, mit solchen bedacht, die Methoden modernisiert und der Unterricht für alle Kinder im Schulalter für obligatorisch erklärt. Dadurch ist gewissermaßen über Nacht die hauptsächlichste Grundlage des normalen Fortschrittes dieser bisher in grauenhafter Unkultur belassenen Bevölkerung gelegt worden. ' Auch das eigentlich politische 'Leben hat neue Blüten zu schlagen begonnen. Sämtliche religiösen und nationalen Gruppen des Landes wurden angehalten, sich ihren Wünschen gemäß, in den Grenzen des unter einer provisorischen Militärverwaltung Zulässigen, zu organisieren, Wahl- und Gesetzesfragen für ihre eigenen Bedürfnisse selbständig zu behandeln, die eigene Gerichtsbarkeit wurde unter britischer Oberaufsicht anerkannt und im übrigen die einzelnen Gemeinden aufgefordert,» sich ihrer Stärke entsprechend an der Verwaltung der zivilen Angelegenheiten zu beteiligen. So stellen z. B. die Landeseinwohner bereits die Gendarmerie, die unteren Verwaltungsbeamten und die Steuereinzieher, nehmen an den Bauarbeiten teil und werdien zu allen die Organisation des Landes betreffenden Fragen in weitgehendem Maße zugezogen. Diese Behandlung, verglichen mit der ewigen Menschenverachtung und Selbsthierriichkeit der türkischen Beamten, die nur von oben herab zu den Einwohnern blickten und sie wie eine unterworfene Nation beherrschten, hat natürlich nicht verfehlt, auf die Bevölkerung den denkbar besten Eindruck zu machen; s.ie wünscht heute nichts sehnlicher, als daß Palästina innerhalb möglichst ausgedehnter Grenzen 'unter der weisen und wohlwollenden britischen Sachwalterschaft verbleibe, denn sie ist überzeugt, daß sie auf diese Weise am meisten alle politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Freiheiten genießen wird, die einem Lande irgend beschieden werden können.“ Die Zukunft Palästinas ln der Halbmonatsschrift „Der neue Orient“ beschäftigt sich A. T. W. ul a. mit einigen Stimmen aus der englischen Oeffentlichkeit über die Zukunft Palästinas. Wir bringen den hierauf bezüglichen Teil jenes Aufsatzes nachstehend zur Kenntnis: Nach dem Schicksal von Armenien ist es vor allem die Zukunft Palästinas, die nach wie vor den ernsteren Teil namentlich auch der ausländischen Presse beschäf tigt. Hierüber bringt von englisch-zionistischer Seite der „Economist“ interessante Einzelheiten, der es für die wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas bezeichnend findet, daß, während der Gesamtaußenhandel der Türkei in Ein- und Ausfuhr vor dem Kriege sich auf 50 Millionen Pfund jährlich oder bei einer Bevölkerung von 25 Millionen auf 2 Pfund für den Kopf belief, der Handel Südpalästinas oder des Sandschaks Jerusalem' allein trotz der türkischen Mißwirtschaft bei einer Bevölkerung von 375 000 mittels der Häfen Jaffa 'und Gaza sieh auf 21/2 Millionen Pfund oder 6 Pfund auf den Kopf der Bevölkerung stellte. Für Ein- und Ausfuhr waren die Zahlen in den letzten Jahren gestiegen; sie betrugen in 'Pfuind Sterling: Einfuhr Ausfuhr 1886 . . . 240 000 120 000 1000 . . . 380 000 265 000 1012 . . . 1310 000 750000 An dieser Entwicklung haben die Verbesserungen des Eisenbahnverkehrs ihren Anteil; Jerusalem ist "jetzt nicht nur mit Jaffa, sondern auch biit Haifa und Damaskus, sowie letzthin auch über Gaza mit dem ägyptischen Eisenbahnnetz verbunden. Freilich bedarf dies Gerippe noch eines großen Ausbaues. Im übrigen ist die Entwicklung im "wesentlichen das Werk der jüdischen Ansiedler, die infolge religiöser Verfolgungen zuerst in den achtziger und neunziger Jahren kamen. Seither sind 45 jüdische Kolonien mit 15 000 Seelen entstanden, die sich hauptsächlich der Landwirtschaft widmen. Sie haben Sümpfe ausgetrocknet und die Erträge des Bodens sehr gesteigert. In diesen Kolonien beträgt der Durchscbnittsertrag an Getreide für den acre 2 Pfund, bei den Arabern nur 1 Pfund; auch die Orangenernten sind reichlicher. Die Landwirtschaft wird die Hauptsache bleiben und Orangen, Weintrauben, Oliven und namentlich auch Gerste hervorbringen; gute Aussichten bieten sich für die Rindviehzucht, weiter aber auch für die Herstellung von Wein, Branntwein, Rosinen, Seife, Marmelade und Zigaretten. Auch die Fischerei ist der Entwicklung fähig. Als Touristenland wird Palästina mit der Schweiz und als Erholungsaufenthalt mit der Riviera] wetteifern können. Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung wird der Zustrom an jüdischen Einwanderern sein, der aus allen Enden der Welt einsetzen wird und für den schon überall Vorbereitungen getroffen werden. Ein Buch von Herbert Sidebotham, dem „Student of War“, über „England und Palästina“, das schon vor neun Monaten abgeschlossen gewiesen, aber erst jetzt erschienen ist, gibt denn „New Statesman“ Gelegenheit, sich wie folgt auszusprechen: Der Hauptzweck des Buches ist, darzulegen, daß in Palästina die englischen Interessen sich mit der gefühlsmäßigen Lösung des Problems decken, weil die Lösung, die die Zivilisation verlangt, zugleich diejenige ist, die den englischen Interessen im östlichen Mittehneer am besten gerecht wird. Das Gewissen der Menschheit verlangt, daß bei der Liquidierung des türkischen Reiches in Palästina für

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