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Volk und Land · 1919-02-20 · Heft 8-9 (20.2.1919) · p. Seite 261-262

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 8-9 (20.2.1919)
Date
1919-02-20
Page
Seite 261-262 (sequence 21)
Language
German
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261 VOLK UND LAND ten. Ob eine Doppel wand mit einer isolierenden Luftschicht in Palästina dasselbe leisten wird, wie eine dicke solide Wand, läßt sich! heute nicht sagen; hierüber sind erste Versuche anzustellen. Die Fensterfläche hingegen erscheint mir im allgemeinen zu groß. Wie bereits hervorgehoben, ist drüben die Lichtfrage kein Problem, sondern die Lüftung. Man wird daher auch für Palästina die neuzeitliche Forderung erheben: Kein Zimmer ohne Querlüftung. Dann kann die Fensterfläche bei Zimmern, die direkt nach außen und in der Richtung Süden, Südost, Südwest liegen, viel kleiner werden als hier. Münden die Zimmer auf eine Veranda, so ist die Fensterfläche zu vergrößern. Alle Räume zum Wohnen, Schlafen, Arbeiten, sowie Küchen und Abtritte müssen Fenster zur direkten Lüftung enthalten. Wegen der Sommerhitze ist die lichte Höhe der Wohn- und Schlaf räume größer zu veranschlagen als hier, auf mindestens 3,5 m, bei Mansardenwohnungen auf 3 m. Auch der Gesamtwohnraum muß im Verhältnis größer sein als in Europa; man darf solche Arbeiterhäuser, wie sic drüben in den letzten Jahren errichtet wurden, nicht weiter bauen lassen. Das Mindesterfordernis für eine Arbeiterfamilie sind 2 Zimmer, 1 Kochraum und eine Veranda. Jede Wohnung muß eine Veranda haben, größere sogar zwei, so daß man zu jeder Tageszeit Schatten und frische Luft haben kann. Die jüdischen Gebäude tragen meistens ein schräges Ziegeldach, das nicht so redit) in die Landschaft paßt. Aber hygienisch ist es gut, vorausgesetzt, daß die Decke des obersten Stockwerks dick und fest ist, keine Dekoration. Die flachen arabischen Dächer sind teurer und vor allem häufig wasserdurchlässig. Doch diesen Mangel werden unsere Ingenieure beseitigen können, undi wenn sie über dem obersten Stockwerk eine isolierende, zirkulierende Luftschicht vorsehen, wird das flache Dach ebenso gut sein wie das schräge. Gegen das Schlafen auf den Dächern, das manche für die heiße Zeit empfehlen, habe ich Bedenken; denn die Küstenebene hat in den Sommernächten’ starken Tau, der das Uebernachten im Freien widerraten läßt. Im Gebirge dagegen kühlt ess sich am Abend so stark ab, daß man ebenso gut und frisch im Zimmer schlafen kann. Außerdem ist die Gefahr der Malariainfektion — solange es in den Städten noch Malaria gibt — im Freien bedeutend größer als im Zimmer; man müßte sich denn auf dem Dache einen großen mückensicheren Schlafkäfig herrichten lassen. Die Frage des Fußbodens ist noch nicht geklärt. Am meisten werden drüben Tonplatten verwendet, die im Winter zu kalt sind. Die Marmorplatten in den vornehmen Häusern sind noch ungeeigneter. Verschiedentlich wurden Zementplatten eingeführt, doch diese sind nicht genügend dauerhaft. An sich wäre auch guter Hartholzfußboden zu verwenden, wenn sich nicht die Hölzer schon nach kurzer Zeit zu sehr werfen würden. Gutes köijnte man von Linoleum erwarten und noch mehr von dem Steinholzfußboden, welcher mir für Palästina der ideale Fußbodenbelag zu sein scheint, indem er fugenlos, im Sommer nicht zu warm, im Winter nicht zu kalt sein dürfte. Erfahrungen über steime Verwendbarkeit in Palä- 262 stina liegen noch in einem zu geringen Umfange vor. Die Heizung wird beim Bau des Wohnhauses bisher gar nicht berücksichtigt, ln der Küstenebene sind auch besondere Heizanlagen zu entbehren; man müßte nur durch Einbau von Schornsteinen dafür sorgen, daß in der Diele oder im Wohnzimmer sich eiserne Oefen aufstellen lassen. Anders im Gebirge. Hier ist die Durchschnittstemperatur .im Winter 7—9° Celsius. Es ist ungemütlich in der Wohnung und unangenehm zu arbeiten. Hier könnte man durch einen Anthracitdauerbrandofen, der z. B. in der Diele stände, eine gute Temperatur für die ganze Wohnung erreichen. Eventuell wären für einzelne Zimmer noch besondere Oefen anzulegen. (Kachelöfen, Kamine). — Für die Küchen sind Herde erforderlich, die nicht zuviel Nebenhitze liefern. Der arabische Herd, für Holzkohlenfeuerung eingerichtet, ist darum praktisch. Sehr viel benutzt werden von der europäischen Bevölkerung Petroleumgasbrenner, die eine starke Heizkraft liefern, aber den Nachteil haben, daß sie nicht stabil sind. Gar nicht verwendet wurde in Palästina bisher die Kochkiste, die beim dortigen Klima sehr angebracht ist und eine große Zukunft haben dürfte. Man muß leider feststellen, daß die Bauhygiene bei der Anlage der jüdischen Dörfer auch nicht ’zu ihrem Recht gekommen ist, obwohl die ländliche Bauweise, meistens eine offene, an die Hygiene geringere Anforderungen stellt als die städtische. Die Abortverhältnisse sind kläglich, ebenso liegt die Beseitigung der Fäkalien im Argen. Das Trinkwasser dagegen ist meist einwandfrei; in den größeren Kolonien gibt es Wasserleitungen, in den kleineren ist meist ein großer Koloniebrunnen vorhanden, aus dem das Wasser durch einen Motor in ein Bassin gepumpt wird, aus welchem die Kolonisten sich das Wasser holen. Hier müßte der Hebel zur Besserung einsetzen; man müßte danach streben, in allen Kolonien Wasserleitungen einzurichten, denn die Kosten einer solchen sind, wenn einmal die Pumpanlage vorhanden ist, verhältnismäßig gering. Mit der Wasserleitung müßte man das Wasserspülklosett einführen, das allein allen hygienischen Anforderungen entspricht. Die Beseitigung der Fäkalien und Abwässer läßt sich im Dorfe durch eine Schwemmkanalisation nicht'ausführen; dazu sind die Unkosten zu groß. Hier wird man je nach Lage der Kolonie verschieden verfahren müssen. Liegt die Kolonie auf steinigem Untergrund, dann wird eine große Abortgrube ausgesprengt, die von Natur undurchlässig und darum hygienisch ist. Die Kosten einer derartigen Fäkaliengrube sind klein, da die Steine zum Bau verwendet werden können. An andern Stellen, wird man gemauerte, undurchlässige Gruben ve. Fingen, an andern wird man genau vorgeschriebene Sickerschächte gestatten dürfen, für einzelne größere Anstalten (z. B. Ackerbauschule) eine Hauskläranlage einrichten. Auch der Wert von Hauskläranlagen in Verbindung mit Untergrundberieselung für Palästina wäre zu untersuchen. Die jeweilige Form wird vom Hygieniker und Ingenieur nach Feststellung der Bodenschichten, des Grundwasserspiegels und des Naehbargrundstücks gemeinsam bestimmt.

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