Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 8-9 (20.2.1919)
- Date
- 1919-02-20
- Page
- Seite 259-260 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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259 VOLK UND LAND 260 Geschäftsstraßen in Palästina die Bürgersteige überwölben; rnun hüte sich aber, etwa :so wie in Damaskus zu -verfahren, nämlich die gesamte Straße zu überdachen, weil die Durchlüftung der Straßen darunter leidet. In den überdachten Straßen ist die Luft drückend. — In den Wohnstraßen dagegen müßte man den Fahrdamm auf die geringste zulässige Breite verringern jund auf der einen oder, wenn die Straße breit genug ist, auf beiden Seiten mehrere Reihen schattengebende - Bäume pf'aazen, die dem Passanten Schutz gegen die [direkte Bestrahlung bieten sollen. Die Luftzufuhr ist eben bereits gestreift 'worden, ln den alten Stadtteilen von Jaffa und Jerusalem ist der Luftwechsel durchaus ungenügend. Wer z. B. bereits einmal in Jaffa) gelandet ist und zuerst durch die engen, krummen und winkligen Straßen, dann durch die Hauptgeschäftsstraßen und dann nach Tel Awiw gekommen ist, dessen Lunge hat sich in der ersten Zone bedrückt gefühlt, in der zweiten bereits etwas freier und ganz wohl und frei in den luftigen Straßen von Tel Awiw. Aehnlich atmet man auf, wenn man aus der inneren Stadt in Jerusalem an das Jaffator gelangt. Durch die engen, krummen, winkligen Straßen der Altstadt sind eben Luftschichten geschaffen worden, in denen der Luftwechsel fast ganz aiusgeschaltet ist. Man muß den Bauplan derart anlegen, daß nirgends mehr oder weniger stagnierende Luftschichten entstehen, die Straßen durch reichliche öffentliche Plätze und Gartenanlagen unterbrechen, weichte gewissermaßen als Reservoire anzusehen sind und) die Straßen mit frischer Luft versorgen können. Wichtig ist die Frage, in welcher Himmelsrichtung die Straßen angelegt werden sollen. In Europa richtet man sie von Nordwest nach Südost, weil auf diese Weise alle Gebäude des Stadtviertels möglichst gleichmäßig besonnt werden. Im sonnigen Palästina ist die Frage der Belichtung und Bestrahlung bei der Straßenbreiter die wir wegen der guten Durchlüftung wählen müssen, von untergeordneter Bedeutung. Dagegen besteht drüben die Aufgabe, die kühlenden Sommerwinde möglichst ausgiebig den Einwohnern zuzuführen und zu gleicher Zeit die Wirkung der kalten Und trockenen im Winter herabzumindern. Vitruw tadelt den[ Plan der Stadt Mytilene auf Lesbos, welche zwar magnifizenter und eleganter, aber nicht prudenter gebaut sei, weil sie den Winden Einlaß gewähre, qui si frigidi laedunt, si calidi vitiant, si humidi nocent (s. Stiibben, Städtebau). Welche Straßenrichtung in Palästina zu wählen ist, bedarf seitens der Ingenieure eingehender Vorstudien. Genauere Beobachtungen über Windrichtung und Meteorologie sind in den Veröffentlichungen des Deutschen Palästinavereins zu finden. Ferner müßte man die Berichte der deutschen und englischen Feldwetterwarten während des Krieges zu Rate ziehen. Jedenfalls wird man lange Straßen überhaupt vermeiden, weil sie langweilig sind und ermüdend wirken und vor allem, weil sie die Staubplage begünstigen. Der Staub ist in Palästina eine große Plage, weil die Straßen schlecht sindv zudem aus einem Material hergestellt werden (Steinschlag, Kies und Sand), das vom Winde leicht gefaßt und in großen Wolken durch die Stadt gefegt wird. In Europa sind bereits vor dem Kriege Versuche zur Herstellung von staubfreien Straßen gelungen, und die diesbezüglichen Erfahrungen werden in Palästina zu verwerten sein. Es ist nach dem Kriege mit einem großen Ansteigen des Verkehrs, besonders des Automobilverkehrs, zu rechnen, und darum sind staubfreie Straßen eine unerläßliche Notwendigkeit. Richtige Parkanlagen gibt es in Palästina noch nicht, obwohl dort prächtige Pflanzungen möglich sind. Die städtische Bevölkerung hat das Bedürfnis, sich in Parks von geistiger und körperlicher Arbeit zu erholen; die Kinder müssen schattige Spielplätze haben, wo sie ihre freie Zeit verbringen können. Hier zeigt sich die Notwendigkeit, einen weit ausschauenden Bebauungsplan aufzustellen, der von vornherein die Park- und Waldanlagen, vorsieht. In großen Städten müssen mehrere Parks angelegt werden, denn der Wert des Parkes für die Bevölkerung sinkt mit der Entfernung. Der Park muß in der Nähe sein, die Spielplätze dürfen nicht zu weit liegen. Ein Parkgarten muß mindestens 100 Dunam umfassen, besser 150, ein Wald mindestens 1000 bis 2000. Die Straßenbepflanzung mit Bäumen wurde oben schon berührt. Welche Bäume hier am zweckmäßigsten zu wählen sind, wird auch erst erprobt werden müssen, am besten solche, die auch' im Winter ihrf Laub nicht verlieren. Zu verlangen ist mindestens eine doppelte nebeneinander stehende Baumreihe, am besten eine dreifache, weil sie guten Schatten liefert; doch wird eine dreifache Baumreihe sich nur in breiten Straßen anlegen lassen. Die Baumreihen sind zum Häuserschutz und zum besseren Wachstum auf die Seite der Straße zu legen, die* mehr Sonnenlicht erhält. Der Schutz vor gesundheitsschädlichen oder störenden Betrieben wird besser als durch Verordnungen und Verbote dadurch erreicht, daß man von vornherein Fabrik- und Geschäfts viertel vorsieht, in denen in ausgezeichneter “Weise für An- und (Abfuhr wie für Kraftanlagen gesorgt jist. Weiter dürfen die Wohnviertel durch Anstalten wie Schlacht- und Viehhöfe, Krankenhäuser für ansteckende Krankheiten, Zentralen für Gas, Wasser, Elektrizität, Werke für Reinigung oder Klärung der städtischen Kanalwässer usw., weder gefährdet noch belästigt werden, sondern solche Ablagen sind! weit außerhalb der Stadt unterzubringen und in einer Richtung, daß auch' durch den Wind eine Belästigung der Stadt nicht eintritt. Ueber die Hygiene des Wohnhauses läßt sich mancherlei sagen. Vom Untergrund wurde bereits gesprochen. Keller werden von uns in Palästina viel zu wenig gebaut, obwohl sie sich gut bewähren und für die Aufbewahrung vom gewissen Lebensmitteln im Sommler von unschätzbarem! Werte sind. Gegen aufsteigende Feuchtigkeit wird zu wenig getan, die Schlagwetterseite wird gar nicht geschützt, obwohl sich hier mit einfachen Mitteln etwas erreichen ließe. Kellerwohinungen sind prinzipiell nicht zu gestatten. Für Souterrainräume, die zu gewerblichen Zwecken Verwendung finden sollen, sind die in Europa üblichen neuzeitlichen Bestimmungen den, Verhältnissen entsprechend anzuwenden. Die Wanddicke der modernen Häuser in Palästina erscheint mir zu gering. Starke Wände isolieren sowohl gegen Wärme wie gegen Kälte. Man lerne von den arabischen Bau-