Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 8-9 (20.2.1919)
- Date
- 1919-02-20
- Page
- Seite 257-258 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 2× ep/1046078
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257 258 VOLK UND LAND deckt, in denen dieMalariamücken besonders gern brüten. Diese Wadis, die im Winter jgroße Wassermengen führen, sind nun gar nicht so leicht zu regulieren. Hier muß die Kunst des Kulturin ^e- 1 nieürs einsetzen. Herr Treidel meint, man müßte durch Anlage von Kolmationswehren eine solche! Anlandung herbeizuführen versuchen, daß die Unebenheiten mit den Jahren sich ausgleichen, oder man müßte im oberen Lauf der Wadis durch Kaskaden die Wassergeschwindigkeit dermaßen vermindern, daß der Bach im unteren Laufe in gleichmäßiger Geschwindigkeit dahinfließt und keine Unebenheiten mehr hervorzubringen imstande ist. In j diesem Falle müßte die Sohle des Wadis durch eine! systematische Bodenausgleichung geebnet werden i Gutes und reichliches Trinkwasser zu beschaffen, ist in Palästina vielleicht noch eine größere Notwendigkeit als in Westeuropa, da das Land stärker unter Krankheiten, wie Diarrhöe, Ruhr, | Typhus, Cholera leidet, bei denen schlechtes Trink- | wasser eine begünstigende Rolle spielt. Ferner ist die Beseitigung des Trachoms neben denf ärztlichen Maßnahmen von der zunehmenden Reinlichkeit abhängig, und eine Erziehung zur Sauberkeit ist unj möglich, wenn, wie z. B. in Jerusalem, nicht genügend Wasser vorhanden oder nur gegen (schweres Geld und auch dann nur in geringer Quantität zu erstehen ist. In der Küstenebene,) in der Gegend des Tiberiassees, findet man in einer Tiefe von 6, 8 bis 20 m überall gutes Grundwasser, das mittels Pumpwerken gewonnen werden kann. Es empfiehlt sich dringend, auch für kleinere Ansiedlungen eine zentrale Wasserversorgung einzurichten und Privatbmnnen gänzlich zu untersagen. Eine j zentrale Wasserversorgung mit Wasserleitung in i die einzelnen Wohnungen Ist die hygienischste, bequemste und wahrscheinlich auch billigste Trinki wasserbeschaffung. Das Wasser muß chemisch und j bakteriologisch untersucht und je nachdem in Abständen von 1 bis 2 Wochen chemisch und bakteriologisch kontrolliert werden. In den Städten, ■ welche im Gebirge liegen, wie Jerusalem, Hebron und Safed gibt es keine Brunnen, weil das Grundwasser nicht zu erbohren ist. Zwar wird es auch hier Stellen geben, wo Grundwasser in einer nicht allzugroßen Tiefe anzutreffen wäre, aber auf solche glücklichen Punkte ist man noch nicht gestoßen, und daher versorgt sich die Bevölkerung durch das Zisternensystem. Das Regenwasser wird in gemauerten, in den Hof oder in das Fundament des Hauses eingelassenen Höhlen (Zisternen) aufgefangen und von dort je nach Bedarf mit Eimern oder mit Pumpen aufgezogen. Wenn eine Zisterne sauber angelegt und allseitig dicht ist, nur mit Dadiwasser gespeist, alle 2 Jahre gesäubert wird und zur Wasserentnahme eine Pumpe trägt, so liefert sie hygienisch1 einwandfreies Trinkwasser; doch Zisternen von solcher Beschaffenheit sind bisher selten; unvollkommene und unsaubere die Regel. Näheres siehe in der oben erwähnten Arbeit. Da nun das Zisternenwasser nicht einmal den eingeschränkten Bedarf der Bevölkerung deckt, geschweige denn ein Quantum von 50 Litern gro Kopf liefern kann, eine Menge, die wir mindestens fordern müssen, so wird man auch für Bergstädte eine zentrale Wasserleitung ein richten und die Zisternen, wem irgend möglich, schließen müssen. Schon im Altertum hat das Zisternemvasser die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht gedeckt, denn sonst hätte Salomo nicht von so weit her Wasser für Jerusalem iierbeigeführt. Die Wasserleitung erfordert im Gebirge bedeutend größere Kosten als an der Küste, liegt aber durchaus im Bereich der Möglichkeit. In der Umgebung von Jerusalem, Safed und Hebron gibt es Quellen, deren Wasser von dort zu den Städten heraufgepumpt werden muß. An anderen Stellen wird man, falls ergiebige Quellen nicht vorhanden sind, vielleicht Talsperren anlegen, um auf diese Weise größere Wassermassen zu gewinnen. Die Zuleitung solcher Wässer muß in allseitig geschlossenen Röhren erfolgen, damit jede zufällige oder absichtliche Verunreinigung ausgeschaltet wird. Außerdem muß Talsperrenvvasser täglich bakteriologisch kontrolliert werden, Quellwasser einmal wöchentlich. Schwieriger als die Wasserversorgung ist die Fiage zu beantworten: Welche Mindestmenge Licht muß man beim städtischen geschlossenen Bau zufiihren? Die Hygiene verlangt viel Licht, besonders viel Tageslicht. Wohnungen, die hell und geräumig sind, gelten als gesund. Die meisten infektiösen Bakterien gehen in direktem Sonnenlicht wie in diffusem Tageslicht zugrunde. Das Licht wirkt wohltätig auf die Psyche, es macht heiter und arbeitsfreudig. (Rubner). Gebäude, die nicht besonnt werden, haben niedrige Wandtemperaturen, erschwerte Ventilation, die Wände sind feucht, die Pilzentwicklung wird begünstigt. Um den notwendigen Lichtbedarf zu decken, hat man in Europa die Formel: Die Gebäudehöhe muß kleiner oder darf höchstens gleich der Straßenbreite sein. In manchen städtischen Zonen geht man darüber noch hinaus und verlangt, daß die Straßenbreite li,4 mal sp groß sein muß als die Gebäudehöhe. Hier entsteht nun die Frage: Können wir diese Richtlinien ohne weiteres auf Palästina übertragen, wo wir doch eine unendlich längere und intensivere Besonnung haben als in Mitteleuropa? Müssen) wir nicht bei der sommerlichen Hitze und bei der regenlosen Zeit gerade während der heißen Monate verlangen, daß die Straßen eng angelegt werden, damit sich die Bewohner der frischen Kühle des Schattens erfreuen können? Zweifellos könnte man gegenüber Europa die Straßenbreite herabsetzen, d. h. Gebäudehöhe größer als Straßenbreite werden lassen, ohne daß der Lichtbedarf der Wohnungen geschmälert würde. Doch' /st es fraglich, ob dann auch den Gebäuden genügend Luft zugeführt werden -könnte; ob der kühlende Seewind, der das Leben im Sommer in Palästina so erträglich gestaltet, ob dieser in genügender Stärke in alle Behausungen dringen kann. Ich glaube — in Ermangelung von Vorarbeiten kann man nur „glauben“ — daß bei einem Heruntergehen von der Forderung „Straßenbreite größer oder gleich Gebäudehöhe“ die Durchlüftung der Stadtteile zu stark gefährdet werden könnte, und möchte daher Vorschlägen, bei dieser Formel vorläufig zu bleiben und für den Schatten in einer anderen Weise zu sorgen. Wir haben schon in Deutschland, viel mehr aber in der Mittelmeergegend Straßen, wo die Fußgängerwege überwölbt sind (Kolonnaden); man wird auch in den Haupt Verkehrs- und