Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 8-9 (20.2.1919)
- Date
- 1919-02-20
- Page
- Seite 255-256 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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255 VOLK UND LAND 256 BAU HYGIENE IN PALAESTINA Von Dr. W. Brünn, Jerusalem. Sowohl die bisherige zionistische wie die anderen Kolonisations-Gesellschaften haben für die allgemeine Hygiene wie für die systematische Bekämpfung der Krankheiten auffallend geringes Verständnis an den Tag gelegt. Währendf in der ganzen Welt bei Besiedelung von neuen Gegenden der Hygieniker und der Arzt vorangeht, arbeitete man in Palästina bis zum Kriege mit Methoden, die vielleicht vor 50 Jahren noch gestattet waren. Den ersten Schritt zur Besserung machte ein Privatmann, Nathan Strauß.. durch Gründung des Gesundheitsamtes, und den Arbeiten dieses Instituts haben wir bereits gute Unterlagen für die Malaria und das Trachom im Lande zu danken. In den meisten andern Fragen jedoch, also auch in der Bauhygiene, stehen wir dank der Kurzsichtigkeit der Gesellschaften noch ganz ohne wissenschaftliche Unterlage da, und wenn ich heute auf 'Veranlassung von Ingenieuren, die die Bauhygiene für ihre Projektierung benötigen, einiges über Bauhygiene veröffentliche, so sind es persönliche Ansichten, zusammengestellt auf Grund meiner Landeskenntnis und Landeserfahrung und auf Grund allgemeiner wissenschaftlicher Ergebnisse. Da wir in der nächsten Zeit sowohl größere städtische wie ländliche Siedelungen zu erwarten haben, so teilen wir zweckmäßig das Gebiet a) in die städtische Bauhygiene und b) in die ländliche Bauhygiene, ad a). Hier ist zunächst nötig, einen größeren Bebauungsplan aufzustellen, etwa von einem Umfange, daß e*>den Bedarf an Bauplätzen für die nächsten 20 Jahre zu decken imstande sein wird. Nur auf diese Weise ist es möglich, eine Einheitlichkeit in der Anlage zu schaffen, die notwendige Trennung von Geschäfts-, Industrie- und Wohnvierteln vorzusehen, eine genügende Park- und Waldfläche sicherzustellen und eine gute Kanalisationsanlage einzurichten. Die beim Entwurf zu berücksichtigenden hygienischen Anforderungen beziehen sich im wesentlichen auf Trockenheit und Reinheit des Untergrunds, Schutz vor Ueberschwemmung, Reinhaltung der Wasserläufe und des Meeresufers, Versorgung mit gutem und.' reichlichem Wasser, hygienische Beseitigung der Abwässer und Fäkalien, Fürsorge für Licht, Luft und öffentliche Anlagen, Fernhältung von Infektionsgefahr, Fernhaltung derartiger gewerblicher Anstalten, welche die Nachbarschaft gesundheitlich benachteiligen. Der städtische Untergrund ist in Palästina im allgemeinen trocken und rein, da das1 Grundwasser ziemlich tief liegt. Nur bei Bauten in einigen Gegenden, z. B. am See Tiberias, am Meromsee, in der Ebene bei Haifa ist damit zu rechnen, daß das Grundwasser zeitweilig, besonders im Winter* in den höheren Bodenschichten erscheint. Gegen die aufsteigende gesundheitsschädliche Feuchtigkeit muß das Haus durch eine wasserundurchlässige Schicht, von unten und von der Seite geschützt werden. Auch muß in diesem Falle die Höhenlage der Straßen und Baugründe im Stadtbauplan so vorgeschrieben werden, daß die Keller dem! Grundwasser entzogen werden. Auf Sumpfboden sollen prinzipiell Wohngebäude nicht errichtet werden. Wo Sümpfe in der Nähe sind, müssen diese erst beseitigt werden. Das Regenwasser darf sich im städtischeni Baugelände nicht in Gruben, Teichen und! Pfützen sammeln. In meiner Arbeit: »Die Malaria Jerusalems und die Bekämpfung“ (Zeitschrift für Hygiene Band 75 1913) habe ich verschiedene solcher Regenwassertümpel abgebildet, welche die Luft verschlechtern und eine Malariaquelle darstellen. Im Stadtplan wird daher eine solche Bodengestaltung in den Straßenhöhen und Baugründen vorzusehen sein, welche den Wasserabfluß überall zuläßt. In Europa läßt man das Regenwasser bei mäßiger Ausdehnung des Bauplanes oberirdisch ablaufen, und nur in größeren Städten wird es unterirdisch abgeleitet. Im Gegensatz hierzu wird man in Palästina .bestrebt sein müssen, auch in den größeren Städten das Meteorwasser oberirdisch abzuführen, weil sich in der Regenzeit so große Wassermassen anhäufen, daß eine unterirdische Ableitung mit ungeheuren Kosten verbunden sein würde. Ein einheitliches Schwemmsystem, d. h. Regenwasser plus Abwässer plus Fäkalien würde sich vielleicht noch in Mittelstädten an der Küste durchführen lassen.; Im Gebirge wird man auf jeden Fall wegen der j großen Kosten zu dem Trennsystem greifen müs- J sen. Hier aber ist so reichlich' Gefälle vorhan- | den, daß die Beseitigung des 'Regenwassers technisch keine Schwierigkeiten bereiten dürfte. Die Ufer der Bäche, Flüsse, Seen und des Meeres sind vor Verunreinigung durch den städtischen Bau zu schützen. Am besten geschieht es dadurch, daß man alle Gewässer sichtbar und zugänglich erhält und jeden direkt an das Wasser anstoßenden Bau verbietet. Die Anlegung von j Uferstraßen und Promenaden an dem Wasser ist j zu empfehlen. Für diese Forderung sprechen verschiedene abschreckende Beispiele aus Palästina, i So z. B. ist der Hiskiateich in Jerusalem von Wohnhäusern umgeben, aus denen Papier und sonstige Abfälle in den Teich hineingeworfen, vielleicht auch j Abwässer hineingegossen werden. Das "Wasser wurde früher sogar für Trinkzwecke benutzt, heute | dient es noch zur Versorgung einer öffentlichen j Badeanstalt,, was hygienisch auch unzulässig isjt. j Die Stadt Tiberias ist dicht an ‘den See herange- | baut; der See-wird in einer abscheulichen Weise verunreinigt. Die Fäkalien werden in den See geleitet oder geschüttet,, daneben wird diel schmutzige Wäsche gewaschen, und ein kleines Stück weiter wird Wasser zu Genüße oder zu Gebrauchszwecken aus dem See geschöpft. Für die Beseitigung der gesamten Abfallstoffe, i der Fäkalien, des Haus- und Küchenwassers dürfte! es in den Städten am zweckmäßigsten! nur die eine Methode geben: nämlich die Schwemmkanalisation. Die Regulierung der Flußläufe und Bäche und die Reinhaltung ihrer Ufer ist hauptsächlich Jder Malariagefahr wegen erforderlich. Wenn auch die Wadis (Bäche) im Sommer kein Wasser führen, so finden sich in ihnen doch immer noch monatelang kleine'Ttimpel, meistens durch Buschwerk ver-