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Volk und Land · 1919-02-20 · Heft 8-9 (20.2.1919) · p. Seite 253-254

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 8-9 (20.2.1919)
Date
1919-02-20
Page
Seite 253-254 (sequence 17)
Language
German
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253 VOLK UND LAND 254 DIE ANERKENNUNG DER ZIONISTISCHEN FORDERUNGEN DURCH DIE FRIEDENSKONFERENZ Wenngleich „Volk und Land“ nicht darauf eingestellt ist, oem Tagesereignis zu dienen, sondern Sich die Erörterung der jüdischen Probleme zur Aufgabe macht, durchbrechen wir dieses Prinzip doch gern anläßlich des geschichtlichen Augenblickes, in dem die zionistische Forderung vor dem Forum der Friedenskonferenz ausgesprochen worden ist und die Zustimmung dieses Völkertribunals gefunden hat. Wir berichten im Nachstehenden über den Gang der Verhandlungen vom 27. Februar 1919, in deren Verlauf Prof. Weizmann, Sokolow, Ussischkin und Andre Spire die Forderungen des jüdischen Volkes vertraten. Die Konferenz wurde von Pichon als Vorsitzendem geleitet, anwesend war Clemenceau, ferner zeitweise Balfour, Milner, Lansing, White, Sonnino. Besonderen Eindruck machte die hebräische Rede UssisChkins. Das von den Zionisten der Friedenskonferenz überreichte Memorandum umfaßt 14 Seiten und ist vom 3. Februar 1919 datiert. Es ist unterzeichnet von Lord Rothschild, Sokolow und Weizmann namens der zionistischen Organisation, von Rosow namens der zionistischen Organisation Rußlands, von Mack, Wise, Friedenwald, Miss Szold, Robinson, de Haas für die zionistische Organisation Amerikas, ferner noch einmal von Sokolow und Weizmann namens der Juden Palästinas. Das Dokument beginnt mit einer historischen Einleitung, enthält dann die Regierungserklärungen über die Errichtung der jüdischen Heimstätte, die Resolutionen der Zionistischen Kongresse und des amerikanisch-jüdischen Kongresses. Es folgen dann die Forderungen. § 1. Die ho h en vert r agsch 1 ie ßende n Parteien anerkennen das historische Recht des jüdischen Volkes auf Palästina und das Recht der Juden, Palästina als nationales Heim wieder aufzubauen. § 2 behandelt die Grenzen Palästinas. § 3 verlangt, daß die Souveränität über Palästina dem Völkerbund übertragen werde und Großbritannien vom Völkerbund als Mandatar bestellt werden soll. § 5 verlangt, in Palästina müssen derartige politische, administrative und ökonomische Bedingungen getroffen werden, daß sie die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk durch die Schaffung eines autonomen jüdischen Gemeinwesens (commonwealth) ermöglichen, wobei klar verstanden wird, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der vorhandenen nichtjüdischen Bevölkerung oder die Rechte fund die politische Stellung der Juden anderer Länder beeinträchtigen könnte. Der Mandatar soll die jüdische Immigration und die Bildung einer geschlossenen jüdischen Siedlung fördern. Ein jüdischer Rat soll den Mandatar bei der Entwicklung! des Planes der jüdischen Heimstätte unterstützen. Konzessionen sollen gewährt werden für öffentliche i Arbeiten unter Erschließung der Hilfsquellen des; Landes. Der Mandatar soll die Bildung einer jüdischen Selbstregierung durch weitestgehende Maßnahmen in die Wege leiten. Am 3. März konnte Weizmann auf der Londoner Zionistenkonferenz mitteilen, daß die ForderungderjüdischennationalenHeimstätte in Palästina von den Mächten angenommen worden sei. Auf dieser Sitzung der Friedenskonferenz waren vertreten: England durch Balfour und Milner, Frankreich durch Pichon und Tardieu, Amerika durch Lansing und White, Italien durch Sonnino. Die zionistische Delegation wurde nach Schluß der Verhandlungen von Balfour und Sonnino zu ihrem wirkungsvollen Auftreten beglückwünscht. Tardieu teilte gleichzeitig der Presse mit, daßiin Frankreich kein Einwand gegen Englands 'Sachwalterschaft über Palästina erhoben werde. Die Friedenskonferenz überwies die zionistischen Forderungen einer Kommission zur Beratung der Einzelheiten. Professor Felix Frankfurter, der bekannte amerikanische Zionist, wurde beauftragt, die juristische Seite der Frage bei den Verhandlungen dieser Kommission zu bearbeiten. Der Erfolg der zionistischen Delegation ist umso bedeutungsvoller, als es bei den Verhandlungen nicht an einem scharfen Gegner gefehlt hat. Dieser erstand ihr in dem! Vertreter der nichtzionistischen Juden Frankreichs, Herrn Silvain Levi, der vor der Konferenz erklärt hatte, mit den zionistischen Forderungen vollkommen übereinzustimmen, um sie im1 entscheidenden Moment heftig zu bekämpfen. Im ersten Teil seiner Rede beschrieb er die Wichtigkeit der jüdischen Kolonisation iri Palästina und den Anteil der Chowewe Zion, Rothschilds, und der „Alliance“. Dann erklärte er, daß der Zionismus einen großen Wert für die Wiederbelebung der jüdischen Massen habe, versuchte ihn aber zu bekämpfen, da Palästina zu klein sei, und die Araber1 unter der Kolonisation leiden würden. Er behauptete ferner, daßi die russischen Juden einen explosiven Charakter hätten, und daß die Zionisten offensichtlich zweifache Bürgerrechte forderten, in Palästina und ihrem! Heimatland. Seine Ausführungen veranlaßten Lansing zu der Frage, was unter „Nationaler Heimstätte“ zu verstehen sei? Weizmann antwortete, die Zionisten forderten Bedingungen, die es zunächst jährlich etwa 60—70 000 Juden ermöglichen, in Palästina einzuwandem, sowie eine Weiterentwicklung der Kolonisation, Sprache, Schule und Verwaltung, die dazu führen, daß Palästina jüdisch werde. Palästina den Juden, wie England den Engländern, Amerika den Amerikanern. Lansing drückte seine Zufriedenheit mit der Antwort aus.

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