Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 8-9 (20.2.1919)
- Date
- 1919-02-20
- Page
- Seite 243-244 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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243 =■ :=-.^~=r=:=:r =-^= '=.r VOLK UND LAND ■ ' ■ —- - .-^=- 244 genz, die Akademiker sind es, die sich die Führung nicht entwinden lassen dürfen. Es fehlt ja nicht an jüdischer Intelligenz, es kommt darauf an, daß sie bei der Siedlung in genügendem Maße als Beamte, als Leiter der Großbetriebe, der einzelnen Gartenstädte, als Aerzte, Naturwissenschaftler, Lehrer usw. beteiligt werden. Es darf nicht eintreten, daß eine mit dem Banausentum sich einigende Richtung die Führung bekommt, eine solche kann: nicht aufbauen, sondern nur zerstören, führt in der Tat die Devise aus: „Verachte nur Vernunft und Wissenschaft . . .“ Die Aufgabe ist vielmehr, nach voraufgegangener gründlicher Analyse (die natürlich weit eingehender durchgeführt werden muß, als diese flüchtige Skizze zu bieten vermag) die wissenschaftliche Synthese, den großzügigen Aufbau, zu dem die Tüchtigsten, Edelsten und Besten gerade gut genug sind, zu versuchen! Die neue jüdische Siedlung in Palästina muß, wenn sie Bestand haben, wenn sie die in großzügiger Weise inaugurierte ethische Wiedergeburt zu Ende führen soll, eine Gesellschaft freier Genossen, nicht eine solche von Herren und Knechten sein: Nicht das Hammer-Amboß-Prinzip, das so unendliches Unglück über die Kulturmenschheit gebracht, darf herrschen, sondern die Idee des Ausgleichs, der Verständigung, des ewigen Friedens. Und wenn das Utopien sind, wenn Zionismus und ewiger Friede Utopien sein sollten, so sind es doch, trotz Widerspruchs großer Heerführer, schöne Utopien. Schließen wir mit den Worten dies Dichterfürsten Goethe, die er dem sterbenden Fauist in den Mund legt, der ein Neuland durch großzügige Kulturarbeiten für große Volksmassen geschaffen, „nicht sicher zwar, doch tätig zu bewohnen — solch ein Gewimmel möcht ich sehen, auf freiem Grund mit freiem Volke stehen!“ DAS OSTJUDEN-PROBLEM UND DIE FRAGE SEINER LOESUNG DURCH DEN ZIONISMUS Von Davis TrietsCh. Prof. Dr. C. Ballod hat auf Grund eingehender Berechnungen und Belege die Möglichkeit der zionistischen Lösung der Judenfrage dargetan, indem er nachwies, daß Palästina wohl imstande sei, unter Zuhilfenahme moderner Methoden und Mittel, eine Einwanderung von sechs Millionen Ostjuden mit den erforderlichen pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln zu versehen. Dabei rechnet er den Bedarf dieser nicht gerade verwöhnten Einwanderer im Klima Palästinas (das viel weniger Anforderungen, an die Ernährung stellt), demjenigen Deutschlands gleich. Außerdem zeigt er, daß die Beschaffung der Nahrungsmittel kein größeres Arbeitsquantum zu beanspruchen brauche als ein landwirtschaftliches „D i e n S t j a h r“ für die Haupterfordernisse und eine nebenberufliche Betätigung in Baumzucht, Gemüsebau und dergleichen für Zukost und Ueberschußproduktion. Der Hauptteil der Zeit und Arbeitskraft der Einwanderer — mindestens wohl zu neun Zehnteln zu rechnen — bliebe hierbei für andere Betätigung frei, und Prof. Ballod weist bereits darauf hin, daß diese Zeit und Arbeitskraft ja keinesfalls brachliegen werden. Für den Zweck der nachstehenden Ausführungen möchte ich noch darauf hinweisen, daß die Nahrungsmittel-Versorgung der Einwanderer weder unbedingt mittels ihrer eigenen Arbeit, noch auch — ausschließlich oder auch nur vorwiegend — von dem Boden ‘des engeren Palästina erfolgen müßte, da sehr wohl — theoretisch betrachtet — andere Arbeiterelemente und auch benachbarte Gebiete hierfür herangezogen werden könnten. Prof. Ballod hat aber das Verdienst, die äußerst schwierige Frage der ostjüdischen Auswanderung und ihrer Konzentration in Palästina an der schwersten Stelle angepackt und gelöst zu haben, womit er die Diskussion hierüber auf eine noch nie erreichte 1 lohe gehoben hat. Diese Behandlung der Frage muß den Verfechtern des Gedankens jüdischer Kolonisation in Palästina im höchsten Maße willkommen sein. Zu einer Zeit, in der die jüdische Wanderungsbewegung vor dem Eintritt in die allergrößten Dimensionen steht, und in der die m.a ngelnde Klarheit über die Möglichkeiten Palästinas doppelt und vielfach störend in die Erscheinung trat, kommt Ballods sachlich kühle und von keinerlei innerjüdischem Parteistandpunkt getrübte Beurteilung der Tatsachen gerade recht, um großes Unheil abzuwenden. Hat Prof. Ballod in seinen Ausführungen nach Art eines vorsichtigen Konstrukteurs mit — wie wir gesehen haben — vielfachen Sicherheiten gearbeitet, so soll im folgenden versucht werden, die Möglichkeit der Unterbringung einer großen Mehrzahl der ostjüdischen Bevölkerung auf einer ganz anderen, und zwar vorwiegend auf industrieller Grundlage darzutun. Ziemlich allgemeiner Ansicht zufolge eignen sich die Juden wenig zur Landwirtschaft. Diese Auffassung ist zwar falsch, und ganz besonders unzutreffend ist sie im Hinblick auf die Entwicklung der Landwirtschaft zu immer industrielleren Formen und Method e n. Gerade für den modernen landwirtschaftlichen Großbetrieb kommen auch Arbeitsweisen in Betracht, bei denen unter bester fachmännischer Leitung von dem Arbeiterelement immer weniger eigene Sachkenntnis verlangt wird, dafür aber unter steigender Ausschaltung der körperliche Kraft erfordernden Arbeiten intelligenter Fleiß. Ein Menschenelement, das den Anforderungen moderner Kriegsführung Genüge leistet (und dies gilt für die Ostjuden ebenso wie für jedes andere in den Weltkrieg verstrickte Volksplement), ist aber auch für den zu organisierenden Massenbetrieb in der Landwirtschaft geeignet und verwendbar. Aber lassen wir es bei dem Vorurteil, und betrachten wir einmal die Möglichkeit einer Massenansiedlung von Juden in Palästina auf Grundlage vorwiegend industrieller Betätigung. Auf diesem Gebiete haben die Ostjuden auf alle Fälle hervorragende Eignung bewiesen. Die Auswanderungsbewegung, die in den letzten 35 Jahren die jüdische Bevölkerung der Vereinigten Staaten und England um fast drei Millionen anschwellen ließ, ist weitaus vorwiegend auf Gpmdlage industrieller oder handwerklicher Berufe erfolgt. In diesen hochentwickelten Industrieländern haben die osteuropäischen Juden neue Industrien einführen und bestehende wesentlich weiterentwickeln können. Auch in ihren osteuropäischen Hauptwohngebieten machen die Juden einen großen Teil der industriellen und Handwerkerbevölkerung aus, und während des Krieges haben sie sich in ziemlich großer Zahl auch in Deutschland in diesen Berufen bewähren können. An der Eignung der Juden zu Handwerk und Industrie ist hiernach nicht zu zweifeln. Haben aber ihre Leistungen in den stärksten Industrieländern Europas und Amerikas genügt, so wird dies in dem bisher fast industrielosen Orient in noch viel