Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 8-9 (20.2.1919)
- Date
- 1919-02-20
- Page
- Seite 241-242 (sequence 11)
- Language
- German
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241 VOLK UND LAND 242 Weizenpreis dürfte im Wirtschaftsjahr 1919; 1920 einschließlich Fracht gegen 100 Dollar iür die Tonne betragen, für 8250 Tonnen also 825 000 Dollar oder 3,5 Millionen Mark in Gold. Die übrigen Nahrungsmittel, Oel, Fleisch, Früchte, wird man z. T. im Lande selbst kaufen können. Für sie wird man wohl das Doppelte des Brotpreises, also etwa 7 Millionen Mark Gold ansetzen müssen. Für das Brotbacken für 100 000 Menschen müssen einige automatische Backöfen (am billigsten ebenfalls aus Deutschland) beschafft werden, die nebst den Teigknet> und Teigteilmaschinen etwa 200 000 Mark kosten dürften. Die zum Brotbacken nötige Kohle wird äudi einzuführen sein (10 kg Brot — 1 kg Kohle), ebenso die Kohle (oder Petroleum) zum Bereiten der Speisen. Es werden also für das erste Wirtschaftsjahr erforderlich an Nahrungsmitteln für etwa 10VL> Millionen Mark Gold, an landwirtschaftlichen Geräten für 3, an Kunstdünger für 5, an Saat für 2 Millionen Mark. Dazu für Fabrikanlagen vielleicht 10 Millionen, Verschiedenes 10 Millionen, zusammen 50,5 Millionen. Für das zweite Wirtschaftsjahr 1920/21 kommt in Betracht, daß der Weizen und die Gerste zu Brot, Grütze usvv. bereits für eine Bevölkerung von 250000 da sein werden; das zu (beschaffende Milchvieh wird den Eiweißzuschuß gewährleisten, das aus j dem während der Sommerzeit 1920 gebauten Sesam ' gepreßte Oel Speiseöl und Öel für Seife liefern, auch kann der größere Teil der produzierten Gerste, vielleicht 30000 Tonnen, für die Fütterung von Geflügel und damit zur Produktion von Geflügelfleisch und Eiern verwendet werden. Für die Milchi beschaffung für 100 000—200 000 Menschen wäh-! rend des zweiten Wirtschaftsjahres 1920/21 müßten ' allerdings mindestens 5000 Milchkühe zum Preise von vielleicht 5—6 Millionen Mark Gold beschafft werden. Werden aus 30000 t Gerste 6000 t Geflügel und Eier erzeugt, so ist damit für eine; Durchschnittsbevölkerung von 150000 ein Fleisch- und Eierquantum von 40 kg auf den Kopf gesichert, welcher Betrag ausreichen dürfte. POLITISCHE ASPEKTE. Um nun auf die eingangs gestellte Frage nach dem Verhältnis der Weltmächte Zurück z u k o m m e n, so ist es zunächst klar und unterliegt keiner Diskussion, daß es im Interesse aller Kulturentwicklung liegt, wenn sich größere jüdische Massen in diesem Lande ansiedeln. Diese würden dort beinn Aufbau nach den Zerstörungen des Krieges das wichtigste Kulturelement vorstellen. Der Niedergang der Türkei von einer Großmacht, ja Weltmacht, ist gerade dem Umstande zuzuschreiben, daß ihre Machthaber, nachdem sie gewaltige Landgebiete, das Reich Alexander . des Großen, zusammenerobert, es nicht verstanden haben, sie wirtschaftlich zu organisieren und zu entwickeln, genauer gesprochen, es bewirkt haben, daß diese Landgebiete von der glänzenden Höhe, auf der sie wirtschaftlich im Altertum und auch noch' im Mittelalter standen, tief heruntergesunken sind. Die innerlich verfaulende byzantinische Monarchie hatte es immerhin durch ein Jahrtausend hindurch verstanden, durch kluge Ausnutzung der Früchte des GewerbefJeißes der kleinasiatischen Städte sich diejenigen Mittel zu beschaffen, die erforderlich wären, um immer neue Söldnerheere anzuwerben und dadurch eine ganze Reihe von Völkerstürmen abzuwehren — die gewaltigen türkischen Eroberer dachten nur an die nächste Gegenwart, nicht an die Zukunft und zerstörten, was sie konnten. Die Türken haben so ihr Schicksal, den Nieder- und schließlichen Untergang, durch ihre Kulturfeiridlichkeit reichlich verdient. Die Voraussetzung »für „eine ersprießliche Kolonisation ist, daß das ganz unglaublich irrationelle türkische Steuersystem von Grund aus reformiert, daß vor allem der Zehnt (richtiger der Achte) durch eine (rationelle Grundsteuer ersetzt wird, bei der -das Interesse des Produzenten an einer Steigerung der 'Emteerträge nicht, wie beim Achten, ertötet, sondern (geweckt wird, weil bei höheren Erträgen auf die produzierte Einheit ein geringerer Steuerbetrag entfällt. DIE BODENFRAGE IM NEUEN PALAESTINA. Unter den heutigen Verhältnissen muß die Ueberlassung ganz Palästinas einschließlich des Hauran und einschließlich des Gebietes von Ei- Arisch und ‘der Sinai-Halbinsel an eine jüdische zionistische Chartered Company dringend gefordert werden. Insbesondere u'äre eine jede jüdische Großsiedelung ohne 'den Hauran, das eigentliche Weizengebiet Palästinas, geradezu ein totgeborenes Kind! Weiter ist von entscheidender Bedeutung, daß die Chartered Co. das Recht auf Enteignung bekommt, nicht bloß das Staats- und Sultanslana überwiesen bekommt, denn die fruchtbarsten Gebiete haben arabische Großgrundbesitzer, Großw-ucherer belegt! Will man nicht die Grundstücksreise infolge starker Nachfrage auf eine märchenafte Höhe steigen lassen und sich dadurch alle Kolonisationsmöglichkeiten verbauen, so muß der Chartered Co. das .Recht auf Enteignung zum Vorkriegspreise verliehen werden. Am wenigsten Schwierigkeiten hätte man mit den arabischen Fellahs. Diese sind ja bis auf einen geringen Teil durch die arabischen Grundstückswucherer schon enteignet und würden recht-gerne Palästina verlassen, Wenn ihnen anderwärts, z. B. in Nordsyrien oder in Babylonien bei dessen Wiederbelebung durch großzügige Kulturarbeiten bessere Bedingungen geboten werden. Auch würden sie bei den Vorarbeiten, den Kulturarbeiten für die jüdische Siedlung in Palästina selbst sehr gut verdienen und sich Ersparnisse zurücklegen, die ihnen die Siedlung in Babylonien sehr erleichtern würden. In Palästina gibt es für den Islam keine großen historischen Erinnerungen. Der einzige Ort, der den Patriotismus der Araber erregen würde. Damaskus, liegt außerhalb der jüdischen Interessensphäre, ebenso Bagdad. Die Mekkabahn, die beute durch den Hauran führt, müßte allenfalls umgelegt, d. h. es müßte eine Zweiglinie auf der Ostseite des Hauran-öebirges gebaut werden, damit die gläubigen Mohammedaner die ganze Reise von Damaskus* dem alten Kalifensitz, durch mohammedanisches Gebiet machen können. DIE LEITUNG DES SIEDLUNGSWERKES. Das aber muß noch zum Schluß gesagt werden: Sowohl bei der Durchführung des Maximalprogramms, der Gewinnung 'ganz Palästinas für die jüdische Siedlung, als eines Teilprogramms, sozusagen einer „Polis“-Gründung muß mit der denkbarsten Vorsicht und Umsicht vorgegangen werden. Es genügt da nicht das brennende Verlangen, der Wunsch nach einem neuen Leben im verheißenen Lande der Väter, sondern es müssen bei der Organisierung und ^Einrichtung, um mit Plato zu reden, «die Philosophen herrschen, das heißt ins Moderne übertragen, es müssen die tüchtigsten Fachmänner nicht nur gehört, sondern auch zur Leitung berufen werden. Die jüdische Intelli-