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Volk und Land · 1919-02-20 · Heft 8-9 (20.2.1919) · p. Seite 239-240

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 8-9 (20.2.1919)
Date
1919-02-20
Page
Seite 239-240 (sequence 10)
Language
German
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239 VOLK UND LAND =*= -= -.. ..240 sumort hat die wesentliche Bedeutung, daß die Transportkosten für die wichtigsten menschlichen Lebensbedürfnisse, die heute einen sehr erheblichen Teil der Produktivität der menschlichen Arbeit wieder aufheben, auf ein Minimum sinken, bezw. ganz verschwinden würden. Der Sinn und die Aufgabe der acker-gartenstädtischen Anlage ist ja, daß Produzent und Konsument sich die Hand reichen, bezw. daß die Produktion des wesentlichen Lebensmittelbedarfs, der Lebensnotdurft in der Hand derselben Genossen vereinigt ist, die die Konsumentenschaft bilden. Es kann ja auch die Verteilung alsdann mit einem Minimum an Kostenaufwand und Zeit ehrenamtlich besorgt werden, wenngleich es natürlich Bäckereien, Mühlen, Fleischereien geben muß, die aber ebenfalls im Besitz der Genossenschaft sein können. . . . Ich habe diese Gedankengänge eingehender in einer wesentlich ausführlicheren Arbeit über das Ackerstadtproblefn darzulegen versucht. DER BEGINN DER GROSSKOLONI¬ SATION. Denken wir uns eine großzügige Auswanderungsbewegung eingeleitet, die im ersten Jahr, z. B. vom 1. Juli 1919 bis zum 1. Juli 1920, 100 000 Juden nach Palästina kommen läßt. Wie hat man sich dann einzurichten, um für die Unterkunft und Ernährung dieser Massen zu sorgen, wie ihr Beschäftigung zu geben? Was die Unterkunft anlangt, so dürften dafür provisorische Anlagen billig geschaffen werden, wenn eine jüdische Chartered. Co., die die Ansiedlung zu leiten hat, zunächst die englischen Militär-Lagerzelte und Baracken, die ja doch als überflüssig für billiges Geld losgeschlagen werden dürften, übernimmt. Eventuell könnte auch aus Saloniki derartiges Lagermaterial herangeführt werden. Das zweite ist, daß im Laufe des Frühjahrs und Sommers Motorpflüge beschafft werden müssen, um damit die ganze Jesreel-Ebene und angrenzende Flächen, im ganzen möglichst 30000 hä Land, aufzupflügen, um sie im Herbst (Oktober-November) nach den Herbstregen mit Weizen und Gerste zu bestellen. Rechnet man 100 Tage Arbeitszeit, so dürften einige 50 Motorpflüge nach dem Stocksystem genügen, um diese Arbeit zu bewältigen (deutsche Motorpflüge dürften wegen der gesunkenen deutschen Valuta billiger kommen als amerikanische, voraussichtlich nicht über 25 000—30 000 Mark das Stück kosten). Sodann ist für Kunstdünger zu sorgen, wenn man leidlich gute Ernterf erzielen will. Ich rechne mit Je 250 Lg Superphosphat oder Thomasmehl, zusammen 7500 Tonnen (also eine große Schiffsladung) an phosphorsaurem Dünger, ebensoviel Ammoniak und 40 °/o Kalisalz. Dieser Kunstdünger dürfte bei heutigen Preisen für kaum Unter 5 Millionen Mark zu beschaffen sein. Man hätte dann aber auch eine Mindesternte von 2000—2500 kg auf ein Hektar zu erwarten, d. h. zusammen von 60 000—75 000 Tonnen Weizen und Gerste. Ohne Kunstdünger kann man nur ein Drittel so hohe Ernten erwarten! Mittlerweile, während des Winters 1919/20, könnten schön einige Bewässerungsanlagen fertiggebaut sein, die unter Ausnutzung der Frühjahrsregen 1920 wenigstens eine teilweise Sommerbewässerung der Jesreel- Ebene gestatteten und damit, nach der Getreideernte im Mai, eine erneute Bestellung mit Sommerfrucht, Sesam, Melonen, z. T. Buschbohnen oder selbst der Sojabohne (Stickstoffmehrer!). Soweit eine solche Sommerbestellung nicht möglich ist, sollte durch Luzerneeinsaat dafür gesorgt werden, daß wenigstens im Winter 1920/21 für Luzerne zur Viehfütterung gesorgt ist und dadurch die Beschaffung von größeren Mengen Milchvieh gewährleistet wird. . Von Belang ist, daß für die Pflugarbeit, die Arbeit des Säens, Düngerstreuens, Mähens, Ausdreschens von 30000 ha verhältnismäßig wenig menschliche Arbeit erforderlich ist, es genügten höchstens 2000—3000 Mann. Diese Arbeit ist an sich, sofern das Pflügen und Eggen mit Motorpflügen, das Mähen mittelst von Motorapparaten gezogenen Binde mähem (desgl. das Düngerstreuen),- das Ausdreschen mittelst Riesendreschmaschinen geschieht, keineswegs als schwere Arbeit anzusehen! An diese Arbeit würden sich auch Handwerker gewöhnen, die vorher ein Handwerk mit leichterer Arbeit, z. B. Schneiderei, Klempnerei und dergleichen äusgeübt haben. Es kommt auf die Beschaffung von Maschinen an, die für 30000 ha etwa 3—4 Millionen Mark kosten würden. Es wäre evtl, sogar zweckmäßig, noch mehr Maschinen zu beschaffen, um einen Teil der Hauran-Ebene, die zurzeit größtenteils brach liegen dürfte, aufzupflügen und, sei es auch ohne Kunstdüngeraufwendung, in extensiver Weise zu bestellen. Die Einwanderer wären in der Hauptsache zu beschäftigen mit der Schaffung der Vorbedingungen für die eigentliche gartenstädtisdhe Siedelung, das Ausheben bzw. Sprengen von Baumlöchern auf dem die Jesreel-Ebene umwallenden Hügelgelände, und die Hausbauten. Auch diese Arbeiten können so organisiert werden, daß sie keine allzu schwere physische Anstrengung erfordern, unter Verwendung von Maschinen. Das schwierigste ist die Schaffung von Bewässerungsanlagen. Auch da werden Sprengungen im Kalkgebirge eine große Rolle spielen, jedoch ist auch' das Aufwerfen von Dämmen, das Aufmauern von Stein- und Betonmauern nicht zu umgehen, das eine ziemliche physische Anstrengung erfordert, die von den neu angekommenen Einwanderern nur gefordert werden kann unter stetigem Hinweis auf die für sie selbst segensreichen Folgen. Ins Auge zu fassen ist der sofortige Bau eines am Kalkgebirge gelegenen großen Zementwerkes in der Nähe der Küste, alsdann mehrerer weiterer Werke an der Eisenbahn, mehr im Innern. Die Zementwerke würden das Material nicht nur für die Wasserbauten, sondern auch eines Teiles der Wohnhäuser bieten (soweit sie nicht mit Lehmwänden erbaut werden können). Die für die Zementfabrikation nötige Kohle müßte freilich1 eingeführt werden! Sodann ist die Anlage eines Ammoniakwerkes dringend geboten zwecks Eigenproduktion des für die intensive Landwirtschaft unentbehrlichen Ammoniaks. DER NAHRUNGSBEDARF. . Welche Lebensmittelvorräte wären für die neuen Ankömmlinge zu beschaffen und was würden diese kosten? Es ist selbstredend, daß möglichst viel für Brotnahrung gesorgt werden jnuß, in erster Linie für Weizenbrot. Kommen die Ansiedler gleichmäßig vom 1. Juli 1919 bis 1. Juli 1920, so ist von Belang, daß bei 100000 Einwanderern der Bedarf nicht für 12 Monate gerechnet zu werden braucht, sondern nur bis zum Schluß der ersten Ernte, d. h. bis Ende Mäi 1920 und auch1 dies nur zur Hälfte, da die Einwanderer eben sukzessive amkommen, d. h. also für 5V2 Monate im Durchschnitt. Rechnet mau nun 500 g Brot täglich auf je 1 Kopf, «so kommen für 5y2 Monate 165 Tage je 82,5 kg Brot in Frage und unter der Voraussetzung, daß 1 kg Weizen zu 75 o/o Mehl gerechnet wird, dieses Mehl aber wiederum 1 kg Brot ergibt, gerade 82,5 kg Weizen, zusammen also 100 000.82,5 8 250 000 kg 8250 Tonnen Weizen. Der

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